Bayern: Zusammenarbeit zwischen Stadt München und Landkreis → automatisierte Drohnen für die Gefahrenabwehr
MÜNCHEN (BAYERN): Schnelle, fundierte Entscheidungen sind in der Gefahrenabwehr entscheidend. Um Einsatzlagen künftig noch früher und präziser beurteilen zu können, setzen der Landkreis München sowie die Feuerwehr München laut Mitteilung vom 6. März 2026 auf automatisierte Drohnen.
Noch vor dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte ermöglichen die Drohnen der Leitstelle und dem anfahrenden Einsatzleiter eine erste Lageeinschätzung anhand hochauflösender Luftbilder sowie eine effektive Kräfteplanung. In der Landeshauptstadt München kommen bereits seit vergangenem Dezember sehr erfolgreich zwei automatisierte Drohnen zum Einsatz. Nun ergänzt eine weitere Drohne in Heimstetten im Landkreis das Projekt. Ziel des gemeinsamen Projekts, das im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Feuerwache 4 vorgestellt wurde, ist eine moderne, leistungsfähige und eng vernetzte Gefahrenabwehr in der Region.

Erstes Lagebild
Die neu in der Gemeinde Kirchheim stationierte Drohne startet bei bestimmten Schlag- und Stichworten automatisiert aus dem Einsatzleitrechner der Feuerwehreinsatzzentrale und liefert schon wenige Minuten später ein erstes Lagebild aus der Luft, noch bevor die ersten Kräfte vor Ort eintreffen. Bei unklaren Lagen kann zudem der diensthabende Schichtführer manuell den Start anordnen. Die Drohne soll insbesondere dort unterstützen, wo Einsatzorte unklar sind, etwa auf Autobahnen oder in Waldgebieten, und dabei helfen, den alarmierten Kräfteansatz frühzeitig zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Auf diese Weise gelangen die Einsatzkräfte schneller zum Ziel und können Maßnahmen noch präziser und frühzeitiger einleiten.
8 km Radius
Der Einsatzradius der Drohne beträgt rund acht Kilometer. Mit einer Fluggeschwindigkeit von etwa 50 Kilometern pro Stunde erreicht sie die Einsatzstelle in der Regel deutlich vor den anfahrenden Einheiten. Als „fliegendes Auge“ liefert sie dabei bis zu 56 Minuten lang hochauflösende Bilder mit bis zu 65-facher Vergrößerung. Mit der integrierten Wärmebildkamera haben die Einsatzkräfte zudem die Möglichkeit, gezielt erste Schwerpunkte eines Brandereignisses zu definieren oder einen Waldbrand in seiner Ausdehnung zu erfassen.

Überwachung der Drohnenaktivität
Während ihres Flugs werden die Drohnen kontinuierlich von eigens ausgebildeten Drohnenpilot*innen des auf automatisierte Drohnensysteme spezialisierten Unternehmens Skyflow überwacht, die bei Bedarf jederzeit in den Flug eingreifen können. Auch für den unwahrscheinlichen Fall eines Totalausfalls ist vorgesorgt: Ein integrierter Fallschirm ermöglicht im Notfall eine kontrollierte Landung auch über bewohntem Gebiet. Der Drohneneinsatz wurde im Vorfeld mit den Betreibern von Rettungs- und Polizeihubschraubern abgestimmt, um eine sichere Nutzung des Luftraums zu gewährleisten.
Darüber hinaus werden sämtliche nationale und europäische Vorschriften zum Drohnenbetrieb durch Behörden mit Sicherheitsaufgaben vollständig eingehalten. Die Drohnen werden ausschließlich anlassbezogen zu konkreten Einsatzstellen entsendet; eine flächendeckende oder dauerhafte Überwachung findet nicht statt. Personenbezogene Daten werden nur im Rahmen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verarbeitet, wobei sämtliche Anforderungen der Verordnung strikt beachtet und umgesetzt werden.
Gemeinsamer Baustein moderner Gefahrenabwehr
Die automatisierte Drohne des Landkreises ergänzt die bereits bestehenden Drohnensysteme der Feuerwehr München an den Feuerwachen 4 und 5. Damit entsteht ein abgestimmtes System zur luftgestützten Lageerkundung in Stadt und Landkreis München. Auch das Polizeipräsidium München erhält Zugriff auf die Echtzeitübertragung der Bilddaten. Das Projekt ist zunächst als sechsmonatige Testphase angelegt und wird im Anschluss ausgewertet. Im Anschluss soll dann über einen dauerhaften Einsatz dieser Technologie entschieden werden. Kreisverwaltungsreferentin Dr. Hanna Sammüller hebt die Bedeutung des Projektes für die Sicherheit der Landeshauptstadt München hervor: „In Ausnahmesituationen wie großen Bränden, Überschwemmungen oder schweren Verkehrsunfällen zählt jede Minute.

Frühzeitige Lageeinschätzung
Drohnen helfen unseren Kolleg*innen bei der Branddirektion, die Lage frühzeitig einzuschätzen und ihre Einsätze schnell und sicher durchzuführen. Ich freue mich, dass wir mit Hilfe modernster Technik den Schutz der Bürger*innen vor Gefahren weiter verbessern können.“ Auch Landrat Christoph Göbel betonte die Bedeutung des Projekts für den Bevölkerungsschutz im Landkreis: „Eine verlässliche Lageerkundung ist die Grundlage jeder guten Einsatzentscheidung. Mit der automatisierten Drohne gewinnen wir wertvolle Minuten. Diese Zeit kann im Ernstfall entscheidend sein für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für den Schutz unserer Einsatzkräfte. Damit stärken wir unsere Feuerwehren und Hilfsorganisationen bei ihrer wichtigen Arbeit.“

Im täglichen Feuerwehreinsatz geht es bei der Drohnenfernerkundung um Geschwindigkeit, also um eine möglichst frühe bildliche Übersicht zur Einsatzstelle. Hier erhoffen sich Stadt und Landkreis Vorteile, wenn die am schnellsten verfügbarste und nächste Drohne eingesetzt wird, ohne auf Zuständigkeitsgrenzen Rücksicht nehmen zu müssen. Im Pilotbetrieb werden die Prozesse für eine effiziente und rechtskonforme Zusammenarbeit getestet.
Christian Schnepf, Leiter der Abteilung „Einsatz-Informations- und Kommunikationstechnik“ bei der Feuerwehr München ging bei der Pressekonferenz auf die Vorteile der automatisierten Drohnen für die Einsatzkräfte ein: „Durch die Übertragung von Bildern der Einsatzstelle in die Führungsfahrzeuge kann die Einsatzleitung Entscheidungen deutlich früher treffen und damit die Einsatzmaßnahmen schon vor dem Eintreffen strukturieren. Das kann ein entscheidender Zeitgewinn für Einsatzkräfte und Betroffene sein.“

Bisherige Erkenntnisse
Daniel Hoppe von der Firma Skyflow berichtete über die bisher gesammelten Erfahrungen mit automatisierten Drohnen im Stadtgebiet München. „Dass Stadt und Landkreis sich im Einsatz die nächstverfügbare Drohne teilen – unabhängig von Zuständigkeitsgrenzen – ist ein großer Schritt. Unser System ist so konzipiert, dass Drohnen und Livestreams organisationsübergreifend freigegeben werden können. München ist der erste Standort, an dem das System im Einsatz ist.“
Bisherige Erkenntnisse der Feuerwehr München im Stadtgebiet Insgesamt 29 Einsätze konnten die beiden Drohnen im Stadtgebiet München bereits absolvieren. Die Gesamtflugzeit betrug dabei knapp zehn Stunden und es wurden insgesamt 294 Kilometer zurückgelegt. Bei 18 Brandeinsätzen, fünf Lageerkundungen, vier Verkehrsunfällen und einer Personensuche konnten die Drohnen erfolgreich eingesetzt werden. Auch konnten bereits die Einsatzkräfte der Polizei aus der Luft unterstützt werden.
Durchschnittlich vier Minuten vor Eintreffen der Einsatzkräfte ist die Drohne bereits vor Ort, obwohl teilweise deutlich größere Distanzen zurückgelegt werden müssen. Bei einem automatischen Notruf nach einem Verkehrsunfall (ECall) war die Drohne beispielsweise drei Minuten vor den Einsatzkräften der Polizei und vier Minuten vor dem Rettungswagen an der Einsatzstelle. Der Standort des verunfallten Pkw konnte bestätigt werden und eine erste Lageeinschätzung aus der Luft war möglich.


