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Atemschutzunfaelle.eu → seit 30 Jahren einem Motto verpflichtet:„Gut vorbereitet rein, sicher wieder raus!“

Gleich mehrere schwere Unfälle im Innenangriff erschütterten die Feuerwehrwelt in der Bundesrepublik Mitte der 1990er Jahre. Einige davon haben sich tief in das kollektive Gedächtnis der deutschen Feuerwehren eingebrannt. Schwere, teils tödliche Unfälle standen im Zusammenhang mit extremen Brandphänomenen: Bad Wurzach, Berlin, Marburg, Lüdinghausen usw. In Nordamerika, aber auch in einzelnen Ländern Europas gab es zu der Zeit bereits deutlich bessere Schutzanzüge auf dem Markt, die letztlich in einer Euro-Norm für Schutzkleidung standardisiert wurden.

Für die deutschen Feuerwehren war insbesondere der tödliche Unfall von Brandmeister Andreas Stampe prägend. Am 6. März 1996 verunglückte der junge Berufsfeuerwehrmann bei einem Kellerbrand in einem Hochhaus in Köln. Während des Rückzugs verfing sich seine Leine unbemerkt und verhinderte die eigene Rettung. Seine Kollegen riskierten bei dem Rettungsversuch in extremer Situation ihr Leben. Leider verstarb Andreas Stampe drei Tage später im Krankenhaus. Das Ereignis wurde von einer interkommunalen Unfallkommission vorbildlich aufgearbeitet und floss einige Jahre später in die bis heute gültige Feuerwehr-Dienstvorschrift 7 – Atemschutz ein. Zudem wurden Grundsteine für den Aufbau der Psychosozialen Unterstützung in Nordrhein-Westfalen und für eine bessere Fehlerkultur gelegt.

Zur gleichen Zeit führte die frühe Digitalisierung der Kommunikation sowie das aufkommende Internet zu neuen Formen des virtuellen, überregionalen und elektronischen Austauschs unter engagierten, digital aufgeschlossenen Feuerwehrkräften.

Die kontroversen Diskussionen um die Norm und die praktische Wirksamkeit der damals neuen Generation von Schutzanzügen fielen in eine erste Phase der frühen digitalen Vernetzung auch bei den Feuerwehren. Aus genau dieser Entwicklung heraus entstand 1996 eine erste einfache Internetseite mit Fokus auf Atemschutzunfälle und Einsatzsicherheit in Feuerwehren, aus der sich in den folgenden Jahrzehnten die heute bekannte Datenbank Atemschutzunfaelle.eu entwickelte. Die damaligen, noch jungen digitalen Mailboxsysteme – unter anderem der vfdb – boten ebenfalls Raum für die systematische Diskussion der Fragen, die heute fest zur Sicherheitskultur gehören:

  • Welche Probleme treten im Atemschutzeinsatz auf?
  • Welche Muster wiederholen sich?
  • Wie können wir voneinander lernen?

2026 blickt das Team hinter Atemschutzunfaelle.eu auf 30 Jahre dieser kontinuierlichen Recherche- und Aufklärungsarbeit zurück. Trotz der bekannten großen Dunkelziffer gilt die Plattform in Feuerwehrkreisen als eine der verlässlichsten Datenquellen zum Thema Atemschutzunfälle – nicht nur für Deutschland, sondern europaweit.

Das gesamte Team besteht aus Feuerwehrangehörigen verschiedener europäischer Länder, die neben Beruf, Ehrenamt und Privatleben Unfälle recherchieren, beraten oder für Vorträge und Trainings engagiert werden. Im Zentrum steht dabei immer das gleiche Ziel: den Einsatz unter Atemschutz durch Fitness, realitätsnahe Ausbildung, praktikable Taktik und zuverlässige Technik sicherer zu machen.

Atemschutzunfaelle.eu arbeitet seit 2003 eng mit der vfdb zusammen. Kritische Ereignisse werden – nach Rücksprache mit den jeweiligen Quellen und der Veröffentlichung in der Datenbank – zusätzlich an das Referat 8 „Persönliche Schutzausrüstung“ der vfdb weitergeleitet, um auch dort strukturiert ausgewertet zu werden.

Neben Veröffentlichungen und der kontinuierlichen Datenbankpflege richtet die Initiative Veranstaltungen aus, die den Blick auf alle Facetten der Einsatzsicherheit lenken. Der nächste große Kongress, findet am 5. September 2026 unter dem Titel „30 Jahre Atemschutzunfaelle.eu“ in Oberursel statt. Dabei schafft die Veranstaltung Raum für intensiven Austausch über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Best Practices im Atemschutz – getreu dem bis heute gültigen Motto der Initiative „Gut vorbereitet rein, sicher wieder raus!“.

Seit 2005 ist das Team als Aussteller auf der INTERSCHUTZ vertreten. Auch die Weltleitmesse im Juni 2026 in Hannover bietet wieder die Gelegenheit für Fachgespräche, persönliche Begegnungen und den Rückblick auf drei Jahrzehnte voller Meilensteine. In diesem Jahr ist Atemschutzunfaelle.eu in der Themenhalle „Schutzausrüstung“, Halle 14, Stand J23, zu finden. Dort gibt das Team Einblick in Unfallanalysen, Entwicklungen im Atemschutz und die Arbeit hinter der Datenbank – und lädt zum Austausch mit den Fachbesucherinnen und -besuchern ein.

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