Bayern: Feuerwehr Waging beim Lehrgang mit „Drehleiter.info“
WAGING AM SEE (BAYERN): In jedem Kinderbuch wie auch in der breiten Öffentlichkeit repräsentiert eine Drehleiter wohl „das“ Feuerwehrfahrzeug schlechthin – und das natürlich völlig zurecht. Bei der Vielzahl an Feuerwehrfahrzeugen mit verschiedensten Aufgabenbereichen wie Tanklöschfahrzeugen, Rüstwägen oder Löschgruppenfahrzeugen sticht ein Drehleiterfahrzeug schon rein optisch hervor.
Sie ist das wichtigste Hubrettungsfahrzeug der Feuerwehr und wird primär zur Mensch- und Tierrettung, als zweiter Rettungsweg bei Gebäuden aber auch zur Brandbekämpfung eingesetzt. Am häufigsten sind Drehleitern der Bauart DLA(K) 23/12 bei den Feuerwehren zu finden. Diese Kurzform bezeichnet eine Drehleiter mit Rettungskorb, sowie einer in der Feuerwehrsprache genannten Nennrettungshöhe von 23 Metern bei 12 Meter seitlicher Ausladung. Eine maximale Arbeitshöhe ist bis zu 32 Meter möglich.

Auch wenn die derzeit höchste Drehleiter der Welt eine maximale Arbeitshöhe von 68 Metern erreicht, sind in Deutschland diese Drehleitern das Standartfahrzeug der Feuerwehren. Mit diesem Fahrzeugtyp kann an allen Gebäuden unterhalb der Hochausgrenze bis zum siebten Obergeschoss angeleitert werden. Entscheidend ist hier allerdings nicht nur die Höhe, sondern auch weit entfernte oder verwinkelte Anleiterstellen sowie Einsatzmöglichkeiten im Unterflurbereich.
Wichtige Ausbildungsmöglichkeiten
Um diesen besonderen Fahrzeugtyp sicher bedienen zu können, werden in Bayern bei den Staatlichen Feuerwehrschulen Regensburg, Geretsried und Würzburg, sowie auch auf Landkreisebene Lehrgänge angeboten. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Waging am See trainieren Drehleitermaschinisten und die Besatzungsmitglieder auch intern die Handhabung dieses Fahrzeuges. Aus diesem Grund fand vom Freitag, den 3. Juli bis Samstag, den 4. Juli 2026 diese Schulung am Waginger Feuerwehrhaus statt. Mit dabei war Ausbilder Thomas Kulacz vom Team der Ausbildungseinrichtung „Drehleiter.info“. Diese Schulungsmannschaft mit Sitz in Hamburg, welches von Experten aus Berufs-, Werk- und Freiwilligen Feuerwehren gegründet wurde, setzt bereits seit dem Jahr 2005 neue Maßstäbe in der Ausbildung und ist international tätig.

An den zwei Tage dauernden Basiskurs „Einsatztraining Maschinisten für Hubrettungsfahrzeuge“ nahmen zwölf Mitglieder der Waginger Feuerwehr teil. Zielgruppe waren dabei Besatzungen und Maschinisten der Drehleiter, aber auch Zug- und Gruppenführer, welche die Grundlagen des Einsatzschemas für Hubrettungsfahrzeuge erlernen wollten. Lehrgangsinhalte waren realistische Einsatzlagen, sowie das sichere Arbeiten mit der Drehleiter. Im Mittelpunkt stand dabei das Teamwork der Fahrzeugbesatzung sowie das Training unter Einsatzbedienungen.
Da im Ernstfall jeder Handgriff sitzen muss, ging es neben theoretischen Inhalten und mehreren Fallbeispielen zur Menschenrettung und Brandbekämpfung, sowie verschiedenen Einsatzgrundsätzen bald in die Praxisausbildung über. Wesentlicher Inhalt war die Abarbeitung der sogenannten „HAUS-Regel“; also dem Erkennen von Hindernissen wie Stromleitungen, dem richtigen Abschätzen von Gebäuden, ein fester Untergrund als Aufstellfläche und die Sicherheit bei Einsätzen und Übungen. Im Ernstfall muss die Drehleiter richtig eingesetzt und positioniert werden.

Viele Übungen im Ortsbereich
An mehreren Gebäuden im Gemeindebereich galt es das erlangte Fachwissen umzusetzen. Wichtig war dabei die Aufteilung der dreiköpfigen Mannschaft der Drehleiter in die Aufgaben des Fahrzeugmaschinisten, einer Führungskraft und der Tätigkeit im Rettungskorb. Geübt wurde dabei in verschiedenen Szenarien auch die Rettung von verletzten Personen aus Gebäuden, das Anbringen eines Wenderohres am Rettungskorb und die Vorbereitungen zur Brandbekämpfung.
Objekte waren dabei unter anderen die Waginger Mittelschule, ein Wohnhaus im Ortszentrum, sowie verschiedene Hotel- und Gastronomiebetriebe. In den Abschlussübungen ging es dann unter Einsatzbedingungen sprichwörtlich zur Sache und „hoch hinaus“. Die Waginger Feuerwehrmitglieder wurden in ihren Entscheidungen zum erfolgreichen Einsatzverlauf sowei auch in der Beherrschung der Fahrzeugtechnik gefordert.

Lehrgangsleiter Thomas Kulacz, welcher hauptberuflich bei der Feuerwehr Bayreuth arbeitet, zeigte sich vom bisherigen Fachwissen und der Arbeit der Lehrgangsteilnehmer begeistert und bescheinigte der Waginger Feuerwehr einen hohen Kenntnisstand. Hinzu kam viel neu erworbenen Fachwissen der Lehrgangsinhalte mit zahlreichen Tricks und Kniffen in der Handhabung einer Drehleiter.


