Südtirol testet neues Warnsystem ASA – Digitalradios können bei Gefahr automatisch aktiviert werden
BOZEN (SÜDTIROL): Südtirol hat im Rahmen des landesweiten Zivilschutz-Probealarms am 13. Oktober 2026 erstmals den neuen Warndienst ASA über Digitalradio DAB+ erprobt. Die als „Automatic Safety Alert“ bezeichnete Technologie soll die bestehenden Möglichkeiten zur Warnung der Bevölkerung erweitern. Eine Besonderheit: Entsprechend ausgestattete DAB+-Radiogeräte können bei einer Warnmeldung automatisch eingeschaltet werden – selbst wenn sie sich gerade im Standby-Modus befinden.
Der Test erfolgte im Rahmen des jährlichen Zivilschutz-Probealarms. Um 10.10 Uhr wurden in ganz Südtirol 570 Sirenen ausgelöst. Eine Minute lang war der auf- und abschwellende Zivilschutz-Warnton zu hören. Nach Angaben der Südtiroler Landesverwaltung verlief der Test planmäßig. Neben den Sirenen wurden auch die technischen Systeme und Informationswege zwischen den beteiligten Stellen überprüft.
Warnungen über 23 Radio- und 15 Fernsehprogramme
Eine zentrale Rolle spielte dabei die Rundfunkanstalt Südtirol (RAS). Nach Angaben von RAS-Direktor Georg Plattner konnte die Warnung über alle 23 Hörfunk- und 15 Fernsehprogramme erfolgreich verbreitet werden. Neben den bestehenden digitalen Verbreitungswegen über DAB+ und DVB-T wurde erstmals auch ASA praktisch getestet. Der Vorteil terrestrischer Rundfunknetze liegt insbesondere darin, dass Warninformationen gleichzeitig an eine große Zahl von Menschen übertragen werden können, ohne dass die Empfänger dafür über eine Internetverbindung verfügen müssen.
Radio schaltet sich bei Warnung selbst ein
Mit ASA wird diese Möglichkeit nochmals erweitert. Unterstützt ein DAB+-Empfangsgerät die neue Technologie, kann es im Fall einer entsprechenden Warnmeldung automatisch aktiviert werden. Damit soll eine Warnung auch Personen erreichen können, deren Radio zwar an das Stromnetz angeschlossen ist, aber gerade nicht aktiv genutzt wird. Nach der automatischen Aktivierung kann die entsprechende Warninformation ausgegeben werden.
ASA ergänzt damit andere Warnwege wie Sirenen, Rundfunk, Fernsehen und digitale Informationskanäle. Die RAS will gemeinsam mit dem Südtiroler Zivilschutz weiter daran arbeiten, die neue Technologie in die bestehende Rundfunkinfrastruktur einzubinden.
Warnung unabhängig vom Internet
Gerade für den Katastrophenschutz ist die Möglichkeit interessant, Warnmeldungen auch unabhängig von Mobilfunk- und Internetverbindungen verbreiten zu können. Terrestrische Rundfunksender können bei großflächigen Ereignissen damit einen zusätzlichen Kommunikationsweg zur Bevölkerung darstellen. Beim Probealarm wurden die Meldungen über die digitalen Verbreitungsnetze DAB+ und DVB-T nach Angaben des Landes ohne Verzögerungen ausgestrahlt.
Die Übung diente jedoch nicht nur der technischen Überprüfung. Gleichzeitig sollten die organisatorischen Abläufe zwischen Landeszivilschutz, Rundfunkanstalt und weiteren beteiligten Stellen unter möglichst realistischen Bedingungen getestet werden.
Nur 15 Anrufe beim Notruf
Kurz vor 10.25 Uhr war der landesweite Test beendet. Während des Probealarms gingen bei der Einheitlichen Notrufnummer 112 insgesamt 15 Anrufe ein, die mit dem Sirenenalarm in Zusammenhang standen. Im Vorjahr waren es noch 32 gewesen. Für die Verantwortlichen ist der Rückgang ein Hinweis darauf, dass die Bevölkerung im Vorfeld gut über den Probealarm informiert worden war.
„Der Probealarm ist planmäßig verlaufen, die beteiligten Stellen konnten das Zusammenspiel der technischen Systeme und der organisatorischen Abläufe testen“, wird Klaus Unterweger, Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz, in der Mitteilung des Landes zitiert. Die Erkenntnisse des Tests sollen nun ausgewertet und für die weitere Optimierung des Südtiroler Warn- und Zivilschutzsystems genutzt werden.


