Neuseeland: Feuerwehrchef tritt zurück – Berufsfeuerwehrleute streiken bereits zum 71. Mal
NEUSEELAND: Der seit Monaten andauernde Arbeitskonflikt bei der nationalen Feuerwehrorganisation Fire and Emergency New Zealand (FENZ) wird von einem Führungswechsel an der Spitze der Organisation begleitet. Am Freitag, dem 23. Oktober 2026, trat Chief Executive Kerry Gregory mit sofortiger Wirkung zurück. Am selben Tag legten Berufsfeuerwehrleute erneut für eine Stunde die Arbeit nieder – es war bereits der 71. Streik im laufenden Tarifkonflikt. Während der Arbeitsniederlegung wurden landesweit 16 Einsätze gemeldet. Noch am 12. Oktober berichtete Fireworld.at vom 67. Streik …
Die nationale Feuerwehrorganisation Fire and Emergency New Zealand kommt weiterhin nicht zur Ruhe. Seit Monaten verhandeln die Führung der Organisation und die Gewerkschaft New Zealand Professional Firefighters Union (NZPFU) über einen neuen Kollektivvertrag. Die Berufsfeuerwehrleute fordern neben höheren Gehältern auch Verbesserungen bei der Personalausstattung, der Sicherheit im Einsatzdienst und der Beschaffung geeigneter Fahrzeuge und Ausrüstung. Am Freitag, dem 23. Oktober, kam es zur mittlerweile 71. einstündigen Arbeitsniederlegung. Zwischen 12 und 13 Uhr registrierte Fire and Emergency landesweit 16 Einsatzmeldungen. Zehn davon betrafen Gebiete, in denen die Berufsfeuerwehrleute streikten.
Unter den Einsatzmeldungen befanden sich fünf Fehlalarme, drei kleinere Zwischenfälle, ein Verkehrsunfall sowie ein kleiner Vegetationsbrand. Die Einsatzbewältigung wurde in den betroffenen Gebieten wiederum durch freiwillige Feuerwehrleute, Führungskräfte und die zuständigen Leitstellen sichergestellt.
Feuerwehrchef nach Vertrauensverlust zurückgetreten
Parallel zum Tarifkonflikt kam es zu einer bedeutenden personellen Veränderung. Kerry Gregory, langjähriger Feuerwehrangehöriger und zuletzt Chief Executive der nationalen Feuerwehrorganisation, erklärte am 23. Oktober seinen sofortigen Rücktritt. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates von Fire and Emergency New Zealand, Raveen Jaduram, bestätigte den Rücktritt noch am selben Tag. Hintergrund ist allerdings nicht unmittelbar der laufende Arbeitskampf, sondern eine seit September bestehende Vertrauenskrise zwischen Gregory und der zuständigen Innenministerin Brooke van Velden.
Die Ministerin hatte bereits am 17. September öffentlich erklärt, kein Vertrauen mehr in den Feuerwehrchef zu haben. Sie warf ihm vor, ihr wesentliche Informationen über einen längeren Zeitraum vorenthalten zu haben. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Unregelmäßigkeiten beziehungsweise rechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Verwaltung und Einhebung von Abgaben, über die sich die neuseeländische Feuerwehrorganisation überwiegend finanziert. Ein entsprechender Vorgang wurde an die zuständige Behörde zur Untersuchung möglicher schwerwiegender Finanzdelikte weitergeleitet.
Hinzu kam Kritik eines parlamentarischen Ausschusses am Informationsverhalten der Feuerwehrführung. Der Ausschuss hatte wiederholt unzureichende beziehungsweise fehlerhafte Antworten auf parlamentarische Anfragen beanstandet. Gregory, der insgesamt 36 Jahre im Feuerwehrwesen tätig war und einen erheblichen Teil davon im operativen Feuerwehrdienst verbracht hatte, befand sich bereits seit mehreren Wochen in einer längeren Abwesenheit. Nach seinem Rücktritt bleibt Darryl Purdy vorerst als amtierender Chief Executive im Amt. Die operative Führung liegt weiterhin bei National Commander Megan Stiffler.
Freiwillige Feuerwehren übernehmen während der Streiks
Der Arbeitskampf zwischen der Berufsfeuerwehr und Fire and Emergency New Zealand dauert unterdessen unverändert an. Die Gewerkschaft setzt weiterhin auf zeitlich begrenzte Arbeitsniederlegungen, die üblicherweise mittwochs und freitags stattfinden. Während dieser Zeit werden die Notrufe über die nationalen Feuerwehrleitstellen weiterhin entgegengenommen. Die Feuerwehreinsätze müssen jedoch in den vom Streik betroffenen Gebieten teilweise von freiwilligen Feuerwehren aus benachbarten Standorten übernommen werden. Dadurch können sich die Anfahrts- und Eintreffzeiten verlängern.
Fire and Emergency weist regelmäßig darauf hin, dass die Einsatzbereitschaft durch zusätzliche organisatorische Maßnahmen aufrechterhalten wird, warnt gleichzeitig aber ausdrücklich vor Verzögerungen bei der Hilfeleistung. Die nationale Feuerwehrführung dankte nach dem jüngsten Streik insbesondere den freiwilligen Feuerwehrleuten, den eingesetzten Führungskräften und den Mitarbeitern der Leitstellen für die Unterstützung bei mittlerweile 71 Arbeitsniederlegungen.
Streit um Gehalt, Personal und Ausrüstung
Ein Ende des Tarifkonflikts ist weiterhin nicht absehbar. Fire and Emergency hat den Gewerkschaftsmitgliedern ein neues Angebot vorgelegt, das zwei jährliche Gehaltserhöhungen von jeweils 2,2 Prozent sowie zusätzliche beziehungsweise erhöhte Zulagen vorsieht. Nach Darstellung der Feuerwehrorganisation würde sich daraus unter Berücksichtigung der Zulagen und Überstundenregelungen im ersten Jahr eine durchschnittliche Verbesserung des tatsächlichen Einkommens um rund 2,5 Prozent ergeben.
Die Gewerkschaft kritisiert hingegen, dass andere Beschäftigtengruppen innerhalb derselben Organisation bereits eine Gehaltserhöhung von 2,4 Prozent erhalten hätten. Zudem gehe es den Berufsfeuerwehrleuten nicht ausschließlich um die Bezahlung. Die NZPFU fordert unter anderem eine ausreichende Mindestbesetzung der Feuerwehrfahrzeuge, Verbesserungen beim Gesundheitsschutz sowie verlässliche Beschaffungsprozesse für einsatztaugliche Fahrzeuge, Schutzbekleidung und Ausrüstung. Auch geplante organisatorische Veränderungen und deren mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze sind Gegenstand des Konflikts. Nach Angaben der Gewerkschaft waren die Tarifverhandlungen zwischenzeitlich sieben Monate lang praktisch zum Stillstand gekommen. Ende September wurden die Gespräche unter Vermittlung wieder aufgenommen.
Weitere Streiks angekündigt
Die Gewerkschaft führt derzeit Mitgliederversammlungen durch, bei denen über das vorliegende Angebot abgestimmt wird. Diese Versammlungen sind noch bis Anfang November vorgesehen. Die nationale Feuerwehrführung fordert die Gewerkschaft auf, die Arbeitsniederlegungen zumindest für die Dauer der Abstimmung auszusetzen. Die NZPFU hält bislang an den angekündigten Streiks fest. Die nächste einstündige Arbeitsniederlegung ist für Mittwoch, den 28. Oktober 2026, zwischen 16.30 und 17.30 Uhr Ortszeit angekündigt.
Für Fire and Emergency New Zealand bedeutet die aktuelle Entwicklung damit eine doppelte Herausforderung: Während an der Spitze der Organisation nach dem Rücktritt von Kerry Gregory eine neue Führungslösung gefunden werden muss, bleibt gleichzeitig der seit Monaten ungelöste Tarifkonflikt bestehen. Für die operative Einsatzorganisation ist insbesondere die weiterhin notwendige Absicherung der Feuerwehrbereitschaft durch freiwillige Kräfte von Bedeutung.
Weitere Infos
Fireworld.at-Bericht vom 12. Oktober: Neuseeland: Berufsfeuerwehrleute streiken zum 67. Mal – Freiwillige übernehmen Brandeinsätze
Fire and Emergency – Rücktritt des Feuerwehrchefs (Fire & Emergency)
Fire and Emergency – Bilanz des 71. Streiks (Fire & Emergency)

