Hongkong: Großbrand in Müllverbrennungsanlage auf künstlicher Insel – rund 1.000 Menschen evakuiert
HONGKONG: Ein Großbrand in einer Müllverbrennungsanlage auf einer künstlich angelegten Insel vor der Küste Hongkongs hat am Montag, dem 26. Oktober 2026, einen umfangreichen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Über dem Anlagenkomplex stiegen große Mengen schwarzen Rauchs auf. Die Feuerwehr erhöhte die Alarmstufe auf Stufe 3 und setzte mehrere Atemschutztrupps zur Brandbekämpfung ein. Rund 1.000 Arbeiter und Mitarbeiter mussten das Gelände verlassen, eine Person wurde in ein Krankenhaus gebracht. Nach rund vier Stunden war der Brand weitgehend gelöscht.
Das Feuer brach gegen 12.43 Uhr Ortszeit im Bereich der integrierten Abfallbehandlungsanlage I·PARK1 aus. Die Anlage befindet sich auf einer künstlichen Insel südwestlich von Shek Kwu Chau vor der Südküste der Insel Lantau und gehört zu den bedeutendsten Infrastrukturprojekten der Abfallwirtschaft Hongkongs. Bereits um 13.24 Uhr wurde der Brand auf die Alarmstufe 3 hochgestuft. Das fünfstufige Alarmierungssystem der Feuerwehr Hongkong sieht bei höheren Alarmstufen eine entsprechend umfangreichere Bereitstellung von Einsatzkräften und Löschmitteln vor.
Fünf Löschleitungen und fünf Atemschutztrupps eingesetzt
Zur Brandbekämpfung wurden zunächst zwei Löschleitungen und zwei Atemschutztrupps eingesetzt. Aufgrund der Brandausbreitung musste das Aufgebot im weiteren Verlauf auf fünf Löschleitungen und fünf Atemschutztrupps erhöht werden. Um 15.47 Uhr gelang es der Feuerwehr, den Brand einzukreisen. Gegen 16.18 Uhr war das Feuer unter Kontrolle, um 16.45 Uhr galt es als weitgehend gelöscht. Durch den Brand entwickelte sich eine weithin sichtbare Rauchsäule. Die Behörden veröffentlichten eine Warnung an die Bevölkerung und empfahlen Personen, die von Rauch und ungewöhnlichen Gerüchen betroffen waren, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Umfangreiche Evakuierung über den Seeweg
Eine besondere Herausforderung stellte die Lage des Brandobjekts auf einer künstlichen Insel dar. Während der Löscharbeiten mussten zahlreiche Beschäftigte das Gelände verlassen. Die Feuerwehr meldete zunächst rund 930 Personen, die sich selbstständig in Sicherheit gebracht hatten. Nach späteren Angaben der Umweltbehörde wurden insgesamt etwa 970 Bauarbeiter und Betriebsangehörige evakuiert. Ein Großteil der Betroffenen wurde mit mehreren Schiffen von der Insel zu Anlegestellen auf Cheung Chau und im Stadtgebiet von Hongkong gebracht.
Ein männlicher Mitarbeiter erlitt gesundheitliche Beschwerden und musste medizinisch versorgt werden. Für seinen Transport wurde auch ein Hubschrauber des Government Flying Service eingesetzt. Der Mann wurde in das Pamela Youde Nethersole Eastern Hospital gebracht.
Brand im Dachbereich eines Verbrennungsmoduls
Nach ersten Erkenntnissen der Umweltbehörde befand sich der Brandherd auf dem Dach des Hauptgebäudes im Bereich des dritten Verbrennungsmoduls. Medienberichten zufolge könnten dort gelagerte Baumaterialien in Brand geraten sein. Die Flammen sollen sich vom Dach in darunterliegende Gebäudebereiche ausgebreitet haben. Die genaue Brandursache steht noch nicht fest. Der Betreiber leitete nach Angaben der Umweltbehörde seine Notfallmaßnahmen ein, alarmierte die Feuerwehr, setzte geschulte Mitarbeiter zur ersten Brandbekämpfung ein und schaltete die wesentlichen Anlagensysteme ab. Der Auftragnehmer wurde aufgefordert, innerhalb von sieben Tagen einen Bericht über den Brand vorzulegen. Feuerwehr und Umweltbehörde untersuchen den Vorfall.
Müllverbrennungsanlage für täglich 3.000 Tonnen Abfall
Die betroffene Anlage I·PARK1 gehört zu den größten Abfallbehandlungsprojekten Hongkongs. Sie wurde auf einer rund zwölf Hektar großen künstlichen Insel errichtet und verfügt über drei Verbrennungsmodule. Im vollständigen Betrieb soll die Anlage täglich bis zu 3.000 Tonnen kommunale Abfälle thermisch behandeln. Die dabei entstehende Wärme wird zur Stromerzeugung genutzt. Nach Angaben der Umweltbehörde können jährlich rund 480 Millionen Kilowattstunden Strom in das öffentliche Netz eingespeist werden. Das entspricht rechnerisch dem Jahresverbrauch von etwa 100.000 Haushalten. Der erste Verbrennungsblock nahm im Dezember 2025 seinen Probebetrieb auf. Weitere Anlagenteile wurden 2026 schrittweise getestet und in Betrieb genommen.
Abfallanlieferung vorläufig eingestellt
Nach dem Brand wurde die Annahme weiterer Abfälle vorübergehend eingestellt. Die Umweltbehörde prüft nun die Schäden und die Auswirkungen auf den Anlagenbetrieb. Zur Sicherstellung der Abfallentsorgung sollen unter anderem die Betriebszeiten anderer Entsorgungseinrichtungen verlängert werden. Der Einsatz stellt auch aufgrund der besonderen Lage des Anlagenkomplexes auf einer künstlichen Insel einen bemerkenswerten Industriebrandeinsatz dar. Neben der Brandbekämpfung waren die Evakuierung einer großen Zahl von Beschäftigten und deren Transport auf das Festland zu organisieren.
