Umdenken in der Kulturhauptstadt Graz?
Graz (Stmk): „Scheinbar muss erst ein Unglück wie in Kaprun passieren, damit es rund um die Rauch- und damit Todesfalle Landeszeughaus in der Kulturhauptstadt Graz ein Umdenken gibt“, kritisierte gestern Bezirksfeuerwehrkommandant Dr. Otto Widetschek bei einer Fachtagung der Grazer Feuerwehren zum Thema „Brandschutz in Kulturbauten“ die Vorgänge rund um das weltberühmte Grazer Baujuwel.
„Bereits seit vielen Jahren ist den verantwortlichen Beamten und Politikern die riskante Situation bekannt, doch lässt dies offensichtlich alle kalt“ so Widetschek weiter. Unter diesen Umständen sei die Aufschrift am Eingang „Zum Schutz des Landes“ als blanker Zynismus zu bezeichnen, denn der Menschenschutz der Besucher sei offenbar unwichtig.
Eine aktuelle Überprüfung des Bezirksfeuerwehrkommandos habe nun weitere dramatische Zustände ans Licht gebracht:
a) Die Fluchtweg-Orientierungsbeleuchtung des derzeit einzigen Rettungsweges im 4. Stock ist offenbar absichtlich mit schwarzem Klebeband unkenntlich gemacht.
b) Die Auflage der Grazer Feuerpolizei, wonach sich gleichzeitig nur höchstens 30 Personen im Zeughaus aufhalten dürften wird bewusst oder unbewusste permanent verletzt. Oft halten sich hundert oder mehr Besucher in dem historischen Bauwerk auf!
Der Chef der Grazer Feuerpolizei, Ing. Alfred Pölzl, erklärte, er müsse diese Mitteilung als Anzeige werten und kündigte darauf hin noch am Tagungsort eine offizielle feuerpolizeiliche Überprüfung des Landeszeughauses an. Bereits 1994 berichteten fast alle steirischen Medien über die gefährliche Situation im Landeszeughaus:
c) Wegen der fehlenden Brand- und Rauchabschnitte ist im Brandfall mit einer schlagartigen Verrauchung zu rechnen.
d) Nur in der obersten Etage gibt es einen rovisorischen Fluchtweg, der derzeit als solcher gar nicht erkennbar ist.
e)Im Ernstfall wäre der Großteil der Besucher rettungslos verloren!
Landeskonservator Dr. Friedrich Bouvier, der dem Symposion anfänglich beiwohnte, sprach sich weiterhin gegen gravierende bauliche Veränderungen für einen Fluchtweg bzw. Behindertenlift aus, bot den Feuerwehren aber seine Zusammenarbeit an, um die Situation neu zu überdenken.
Dass es auch anders geht, erläuterte Ing. Alfred Pölzl am Beispiel des Stiftes Admont: Hier sei professionelle Arbeit geleistet worden – Architekten, Bundesdenkmalamt und Brandschützer sowie die Stiftsherren hätten vorbildlich an einem Strang gezogen und so wertvolle historische Bausubstanz mit sanften architektonischen und brandschutztechnischen Eingriffen vor dem Verfall bzw. vor der Vernichtung gerettet.
