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Schweres Zugsunglück in Japan: 73 Tote

Japan: Beim schwersten Zugunglück in Japan seit knapp 42 Jahren sind am 25. April 2005 mindestens 73 Personen ums Leben gekommen und über 440 weitere verletzt worden. Die Unfallursache ist unklar, doch wird vermutet, dass der Lokomotivführer mit übersetzter Geschwindigkeit eine Verspätung aufzuholen versuchte.

In der japanischen Stadt Amagasaki, rund 410 Kilometer westlich der Kapitale Tokio, hat sich am Montag ein schweres Zugunglück ereignet, bei dem nach vorläufigen Angaben der Behörden mindestens 73 Personen ums Leben gekommen und über 440 weitere verletzt worden sind. Ein mit rund 580 Passagieren voll besetzter Pendlerzug war am Morgen um 9 Uhr 20 in einer Kurve aus bisher noch ungeklärten Gründen aus den Schienen gesprungen und danach in einen neunstöckigen Wohnblock gerast; dabei wurde auch ein Auto mitgerissen und vollständig zerstört. Von den insgesamt sieben Wagen der Komposition stürzten fünf um, die vordersten zwei prallten dabei in das Wohnhaus. Über zehn Personen, unter ihnen der Lokomotivführer, waren auch über zwölf Stunden nach dem Unglück noch in den Trümmern eingeklemmt. Die Rettungsarbeiten, zu denen die Regierung auch Soldaten entsandte, waren daher auch am späten Abend noch in vollem Gange.

Die genaue Ursache des tragischen Unglücks ist Gegenstand von Untersuchungen. Verletzte Passagiere berichteten jedoch, dass sie das Gefühl gehabt hätten, der Zug sei schneller als gewöhnlich in die Kurve gefahren. Einige hatten hierfür auch eine Erklärung. So war der Zug bei der letzten Bahnstation vor dem Unglücksort um acht Meter über die Haltelinie hinausgefahren, was zumindest in Japan, wo die Bahnwagen in aller Regel mit zentimetergenauer Präzision anhalten, sehr aussergewöhnlich ist. Der Zug musste daher noch einmal zurückfahren, um die Passagiere ein- und aussteigen zu lassen. Aufgrund dieses Missgeschicks verliess der Zug den Bahnhof mit einer Verspätung von rund 90 Sekunden. Die Vermutung liegt daher nahe, dass der Lokomotivführer seinen Rückstand mit rasanterer Fahrt wettzumachen versuchte.

Ob in der Tat der Ehrgeiz zur Wiedergutmachung einer Verspätung von nur gerade eineinhalb Minuten den tragischen Unfall bewirkt hat, bleibt vorerst zwar unklar. Bekannt ist jedoch, dass der 23 Jahre junge Lokomotivführer noch unerfahren war und seine Arbeit erst seit elf Monaten ausgeübt hatte. Wie Verantwortliche der zuständigen Bahngesellschaft JR West erklärten, soll er bereits im Juni vergangenen Jahres einmal eine Haltelinie in einem Bahnhof überfahren haben, damals gar um 100 Meter, wofür er eine Verwarnung erhalten habe. Mit welcher Geschwindigkeit der Zug letztlich entgleiste, ist nicht bekannt. Die offizielle Geschwindigkeitslimite am Ort des Unglücks beträgt 70 km/h. Laut Berechnungen von JR West hätte der für eine Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h gebaute Zug mit mindestens 133 km/h fahren müssen, um aus den Schienen zu springen.

Das automatische Bremssystem, das beim kritischen Streckenabschnitt zum Einsatz kommt, ist laut Angaben des nationalen Transportministeriums eines der ältesten in ganz Japan. Es verfügt nicht über die Fähigkeit, Züge mit überhöhter Geschwindigkeit automatisch abzubremsen. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass Japans Bahnsystem zu den weltweit modernsten und sichersten gehört. Ungeachtet der dichten Fahrpläne und des täglichen Transports von schätzungsweise 60 Millionen Menschen – das ist fast die Hälfte der japanischen Bevölkerung – sind Unfälle sehr selten.

Beim Unglück vom Montag handelt es sich mit Blick auf die Opferzahl denn auch um den tragischsten Unfall seit November 1963. Damals waren mehrere Züge in Tsurumi ausserhalb Tokios zusammengestossen, was 161 Personen das Leben gekostet hatte. Im vergangenen Oktober war zudem wegen des schweren Erdbebens von Niigata – und nach vier Jahrzehnten des tadellosen Betriebs – erstmals eine Komposition des berühmten Hochgeschwindigkeitszuges Shinkansen aus den Gleisen gesprungen, ohne dass es dabei aber zu Verletzten gekommen war.

Züricher Zeitung

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