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Portugal: Zu viel Feuer in Portugals Fernsehen?

Portugal: «Portugal brennt.» So oder ähnlich beginnen in diesen Wochen oft die Nachrichtensendungen der wichtigsten Fernsehanstalten in Portugal. Es folgen – lange vor den Neuigkeiten über Krisen und Konflikte daheim und in aller Welt – ausführliche Reportagen über die grossflächigen Waldbrände, die wie in jedem Sommer das Land heimsuchen.

Von der Feuerfront katapultieren Reporter, nicht selten ausser Atem und hektisch nach Luft schnappend, den Schrecken der Menschen, die um ihr Hab und Gut bangen, ins heimische Wohnzimmer, mit dem Inferno der Flammen im Hintergrund und Sirenen der Feuerwehr als Untermalung. Über diese Art der Berichterstattung ist nun eine Diskussion entbrannt. Weil viele Brände gelegt werden, stellt sich die Frage, inwieweit ein gewisser Sensationalismus erst die Phantasien der Brandstifter beflügelt.

Die Bilder von den Flammen könnten manche leicht erregbare Gemüter zur Brandstiftung animieren, meint etwa der Psychologe Rui Abrunhosa von der Universidade do Minho in Nordportugal. Seine Aussage basiert auf Interviews, die er und andere Forscher in den Jahren 1999 und 2000 mit verurteilten Brandstiftern gemacht hatten, die grösstenteils über eine schlechte schulische und berufliche Qualifikation verfügten. Sie seien leicht beeinflussbar und oft emotional gestört. Ein einheitliches Profil des Brandstifters konnten die Forscher indes nicht ausmachen.

Im nationalen Parlament erinnerte Francisco Louçã vom Linksblock in der letzten Woche an eine unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommene alte Frau, die nach eigenem Bekunden das Feuer gelegt hatte, um ihre Heimat ins Fernsehen zu bringen. Louçã plädierte für ein Abkommen zwischen den Sendeanstalten, die per Selbstbeschränkung darauf verzichten sollten, Bilder von lodernden Bränden auszustrahlen. In den USA und in manchen europäischen Ländern, so Louçã, zeige das Fernsehen kein Feuer, berichte aber über die Brände. Auch Abgeordnete anderer Parteien wandten sich gegen Flammen im Fernsehen. Innenminister António Costa meinte im Parlament zwar, dass sich die Politiker hierüber nicht äussern sollten, hob aber hervor, dass die Fernsehberichterstattung über Waldbrände in Portugal anders sei als jene in Spanien, wo es eine Vereinbarung gebe, keine Flammen zu zeigen.

Wie inzwischen bekannt wurde, will die Leitung der staatlichen Fernsehanstalt RTP den privaten Konkurrenten SIC und TVI eine Zusammenkunft für Gespräche über den Umgang mit diesem Thema vorschlagen. Für ein Abkommen zur Selbstbeschränkung plädierte auch der Lissabonner Mediensoziologe José Rebelo, nach dessen Ansicht es aber nicht richtig wäre, die Flammen ganz vom Bildschirm zu verbannen. Auch dies wäre letztlich eine Manipulation, findet der Hochschullehrer, nach dessen Ansicht sich die Fernsehsender bei der Ausstrahlung ihrer Bilder von den Waldbränden auf die reine Information beschränken sollten.

Züricher Zeitung

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