Nö: Schlotsprengung im zweiten Anlauf
Alter Schornstein in Münchendorf leistete den Sprengexperten der Feuerwehr standfesten Widerstand

Als „harte Nuss“ erwies sich ein 30 Meter hoher Schornstein einer ehemaligen Schuhfabrik in Münchendorf, Bezirk Mödling. Er sollte von den Sprengmeistern der Feuerwehr gesprengt werden, um Platz für ein neues Gemeindezentrum zu schaffen. Doch einfach machte es der altehrwürdige Schlot den Feuerwehrleuten nicht: Der ersten Sprengung widerstand er trotzig. Erst im zweiten Schuss konnte das einstige Industriewahrzeichen „bezwungen“ werden.
Lange Vorbereitungsarbeiten waren der Sprengung voraus gegangen. Alles war genau geplant und berechnet worden, ehe die Sprenggruppe des Bezirkes Mödling am Morgen des 8. Oktober ans Werk ging.

Das ehemalige Industrieareal befindet sich im verbauten Gebiet, unmittelbar neben dem Schornstein steht ein Handymast, sodass umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen werden mussten. So wurden die Basis des Schornsteins und Öffnungen in einer Mauer in Richtung Handymast mit Strohballen abgedämmt.
In zehn Bohrlöchern an der Basis des Rauchfangs waren zunächst insgesamt zweieinhalb Kilogramm Sprengstoff (Gelatine-Donarit) verteilt worden.

Um punkt 12 Uhr Mittags fand die Sprengung zunächst planmäßig statt, Münchendorfs Bürgermeister löste den Schuss aus.
Doch außer einem Knall und einer Staubwolke geschah nichts. Der Sockel war so gut gemauert, dass er trotz massiver Zerstörungen durch die Sprengung noch immer das tonnenschwere Gewicht des Schlotes trug. Unter größten Sicherheitsvorkehrungen – es bestand nun Einsturzgefahr – mussten weitere Sprenglöcher gebohrt und Ladungen angebracht werden. Kurz nach 13 Uhr wurde dann die zweite Sprengung ausgelöst, die den Schornstein endgültig bezwang. Er stürzte exakt in die vorgesehene Richtung und verschwand in einer Staubwolke.
Vor der ersten Sprengung hatte man dem Industriedenkmal noch Tribut gezollt, indem er ein letztes mal qualmen durfte. Ein Holzfeuer hatte dafür gesorgt.

Während der Sprengungen ist die Umgebung durch Polizei und Feuerwehr großräumig abgesperrt worden. Die Bewohner der Häuser in der Nachbarschaft waren vorsorglich angewiesen worden, die Fenster zu öffnen, damit diese bei einer eventuellen Druckwelle nicht zu Bruch gehen. Passiert ist aber nichts.

Nachdem die Absperrungen aufgehoben waren, stürmten einige dutzend Zuschauer das Areal, viele nahmen sich Ziegel des gesprengten Schlotes als Souvenir mit.
Bewirtungen durch die Gemeinde Münchendorf sorgten zusätzlich für einen Volksfestcharakter.
Fotos: Bauer/BFKDO Mödling
