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Polen: Halleneinsturz – Opferzahlen steigen, bereits mind. 60 Tote!

Polen: Mindestens 60 Tote und rund 140 Verletzte: Das ist die bisherige Bilanz des Dacheinsturzes einer Messehalle im südpolnischen Kattowitz. Nach wie vor suchen Rettungskräfte Überlebende unter den Trümmern, doch bisher vergeblich.

Durch die klirrende Kälte seien die Chancen für Verschüttete, mehrere Stunden nach der Katastrophe noch lebend befreit zu werden, mehr als gering, heißt es bei den Einsatzkräften. Und wie viele Opfer sich noch unter den Trümmern befinden ist noch unklar.

Nach dem Einsturz einer Messehalle in der südpolnischen Stadt Kattowitz ist die Zahl der Todesopfer auf „mindestens 60“ gestiegen. Das sagte ein Sprecher des Einsatzzentrums am Sonntag dem Nachrichtensender TVN 24. Feuerwehr und Sanitäter suchten in den Trümmern der Messehalle weiter nach Überlebenden. Doch ihre Überlebenschancen sanken bei Temperaturen von minus 17 Grad mit jeder Stunde.

Dach krachte in die Halle: Unter den Opfern der Katastrophe seien auch Kinder sowie Deutsche, Belgier und Tschechen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Sonntagmorgen. Zahlreiche Opfer seien noch nicht identifiziert. „Die Zahl der Opfer wird noch steigen“, fügte er hinzu. „Die ganze Zeit gibt es neue Berichte über Tote, und wir konnten noch nicht an alle Orte vordringen, an denen noch Menschen sind.“ Vor allem in der Hallenmitte, wo das Dach am Samstag, 28. Jänner 2006, um 17.15 Uhr direkt auf den Boden der Messehalle stürzte, dürfte so gut wie niemand überlebt haben.

Überlebenschancen sinken: Spürhunde suchten bisher vergebens nach Überlebenden. In 16 Krankenhäusern Oberschlesiens wurden 141 Verletzte behandelt, viele mit Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen. Bei Temperaturen von minus 15 Grad wurden die Rettungsarbeiten zum Wettlauf gegen die Zeit. Mit jeder Stunde sinke die Chance, Überlebende zu finden, sagte Andrzej Kuszewski, der Leiter des Bergbaurettungswesens, im Nachrichtensender TVN 24.

Weiterer Einsturz droht: Die Retter konnten kein schweres Gerät einsetzen, da dies die Überlebenschancen der unter den Stahlbalken in der Falle sitzenden Menschen gefährden könnte. Auch Heißluft konnte nicht zu den Eingeschlossenen geblasen werden, da die Rettungskräfte befürchteten, dies könne zu weiteren Einstürzen führen.
Polizei und Feuerwehrleute machten die große Schneelast für den Kollaps verantwortlich. Augenzeugen berichteten, auf dem Dach hätten etwa eineinhalb Meter Schnee gelegen. Der Manager des Gebäudes sagte Fernsehjournalisten jedoch, der Schnee sei regelmäßig von dem Dach geräumt worden.

„Eine solche Katastrophe hat es in Polen noch nicht gegeben“, sagte Andrzej Urbanski, der Leiter der polnischen Präsidentenkanzlei, in der Nacht zum Sonntag vor Journalisten in Kattowitz. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen 500 bis 1000 Menschen während einer Brieftaubenschau in der Halle gewesen sein. Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz eilte noch am späten Samstagabend zum Unglücksort und versprach schnelle und unbürokratische Hilfe für die Opfer. Staatspräsident Lech Kaczynski ordnete Staatstrauer an. Eine Sonderkommission soll die Unglücksursache ermitteln. Auch die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Kälte als größtes Problem: Angehörige der Messebesucher kamen ebenso zum Unglücksort wie hunderte von Rettungskräften und freiwilligen Helfern. Einigen gelang es, per Mobiltelefon Kontakt mit den Eingeschlossenen aufzunehmen. „Eines unserer größten Probleme ist die Kälte“, sagte Jaroslaw Wojtasik, Sprecher der Feuerwehr in Kattowitz.
Auf der internationalen Messe „Taube 2006“, die noch bis Sonntag dauern sollte, stellten nach Veranstalterangaben auch Brieftaubenzüchter aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und der Ukraine aus. Die Messe hat jedes Jahr mehr als 12.000 Besucher. Die eingestürzte Halle ist mit einer Länge von 150 Metern die größte auf dem Kattowitzer Messegelände.

Österreichischer Rundfunk

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