Oö: Todesangst – Hilfe für betroffene Feuerwehrleute
Linz (Oö): Bergung von Toten, Todesangst bei Einsätzen – Feuerwehrleute sind oft enormen psychischen Belastungen ausgesetzt. Zu deren Nachbetreuung wurden nun 30 oberösterreichische Feuerwehrkuratoren ausgebildet.
Der Tod eines Kameraden im Einsatz, persönlich bekannte Opfer oder eine große Anzahl Schwerverletzter sind Szenarien, die ungewöhnlich starke Reaktionen bei Feuerwehrleuten hervorrufen können. „Zwar haben Einsatzkräfte ein höheres Stresspotenzial als die Normalbevölkerung, trotzdem gibt es auch für sie Situationen, die sehr schwer zu verarbeiten sind“, sagt Landesfeuerwehrarzt Lothar Leitner. Immer wiederkehrende Bilder, Handlungsunfähigkeit, Gefühlsschwankungen oder Schlafstörungen sind nur einige der Symptome, die nach besonders belastenden Einsätzen auftreten können. „Den Leuten muss vermittelt werden, dass das vollkommen normale und menschliche Reaktionen auf abnormale Situationen sind“, so Leitner.
Zehn Prozent der Feuerwehrleute, die 1998 beim schweren Zugunglück von Eschede vor Ort waren, wiesen posttraumatische Symptome auf. 101 Menschen hatten damals ihr Leben verloren. „Manche meistern solche Situationen alleine, andere verarbeiten sie in Gesprächen mit Kameraden. Dann gibt es welche, die eine spezielle Betreuung benötigen“, sagt Leitner.
Um Beistand nach traumatischen Erlebnissen zu ermöglichen, haben 30 oberösterreichische Feuerwehrkuratoren, Geistliche im Feuerwehrdienst, eine professionelle Ausbildung unter der Leitung von Silvia Breitwieser von der Notfallseelsorge der Diözese Linz absolviert. „Wichtig ist, dass den Feuerwehrleuten jemand aus den eigenen Reihen zur Verfügung steht, der auch den Bezug hat“, so Breitwieser.
Notfallseelsorger: Die Begleitung nach schweren Einsätzen erfolgt durch die speziell ausgebildeten Feuerwehrkuratoren und Notfallseelsorger. Ziel ist, den Feuerwehrleuten zur Verfügung zu stehen und ihnen zu helfen, wieder in die Normalität zurückzukehren. Vier Wochen dauert es im Normalfall, bis Reaktionen wie Schlafstörungen, sich immer wieder aufdrängende Bilder oder Gefühlsschwankungen abklingen. „Ist dies nicht der Fall, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden“, so Leitner. (awe)
