Bayern: Giftgaswolke durch Chemikalienbrand – Gefahrguttransporter in Flammen
Kirchroth (Bayern): Der Brand eines Gefahrguttransporters hat am Mittwoch, den 22. November 2006, auf der A 3 Regensburg-Passau eine Giftgaswolke erzeugt. Der Lkw hatte die leicht entzündliche Chemikalie Dithionid geladen, wie ein Polizeisprecher vor Ort sagte.
Die Behörden riefen die Bevölkerung nahe gelegener Ortschaften auf, Türen und Fenster zu schließen und die Häuser nicht mehr zu verlassen. Flammen schlugen Dutzende von Metern hoch aus dem rumänischen Lkw. Explosionsgefahr bestand nach Angaben der Polizei aber nicht. Der 39-jährige Lkw-Fahrer wurde mit Verdacht auf Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht.
Ein Polizeisprecher berichtete von einem „flammenden Inferno“. Zeitweise musste die Feuerwehr wegen der Hitze und des giftigen Qualms mehrere hundert Meter Abstand halten. „Wie aus einem Flammenwerfer spritzte das Feuer aus den Transportbehältern“, schilderte der Sprecher die Situation. Der Wind wehte die Chemikaliengase in Richtung der etwa zwei Kilometer entfernt gelegenen Orte Tiefenthal und Hofdorf im Landkreis Straubing-Bogen. Experten der Umweltbehörden waren mit Messgeräten im Einsatz, um die Gefahr besser einschätzen zu können. Informationen über weitere Verletzte gab es zunächst nicht.
Dithionid wird als Bleichmittel in der Papierproduktion verwendet. Es wurde als weißes Pulver in kristalliner Form transportiert. Der Lkw hatte 17 Behältnisse zu je 950 Kilo geladen. Der Stoff neigt zur Selbstentzündung bei Kontakt mit feuchter Luft. Er verbrennt unter Bildung giftiger Gase. Unter anderem entsteht Schwefeldioxid. Die Chemikalie verursacht starke Reizungen von Augen und Atemwegen. Vergiftungssymptome können den Behörden zufolge auch erst nach Stunden auftreten. Die Hersteller-Firma BASF aus Ludwigshafen schickte per Hubschrauber Experten ihrer Werksfeuerwehr zum Brandort nach Niederbayern. Sie sollten die örtlichen Kräfte beraten und unterstützen.
Der Lkw war bei regnerischem Wetter gegen 10.40 Uhr auf der Autobahn in Richtung Österreich unterwegs, als der Fahrer die Flammen bemerkte. Er steuerte sein Fahrzeug auf einen Parkplatz bei Kirchroth und alarmierte die Polizei, die wiederum die Feuerwehren informierte. Beim Eintreffen der ersten Rettungskräfte stand bereits eine große Rauchwolke über dem Parkplatz. Sie konnten noch den Anhänger des Lkw abkoppeln und in Sicherheit bringen. Die Brandursache war zunächst unklar.
Nach Angaben der Polizei war der Gefahrguttransport offenbar genehmigt und rechtmäßig unterwegs. Die Autobahn wurde an der Brandstelle in beiden Richtungen voll gesperrt. Im Umkreis von mehreren hundert Metern riegelten die Sicherheitskräfte den Ort ab.
