USA: 9/11: Stimmen aus dem Inferno
New York (USA): Neu veröffentlichte Notrufe aus dem World Trade Center belegen, dass die Behörden am 11. September 2001 denkbar unglücklich agierten.
Die Stimme der jungen Frau kommt aus dem Inferno im 83. Stock des World Trade Centers. „Es ist sehr, sehr, sehr heiß“, sagt Melissa Doi (32) dem Vermittler in der New Yorker Notrufzentrale 911 in Panik. „Werden Sie jemanden hier heraufschicken können?“ „Natürlich“, antwortet der Beamte. „Wir kommen zu Ihnen hinauf.“ Der Mitschnitt vom 11. September 2001 gehört zu 19 Notrufen aus den Zwillingstürmen, die die Stadtbehörden jetzt freigegeben haben. Aus rechtlichen Gründen sind nur bei zwei Bändern auch die Stimmen der Anrufer zu hören, bei den übrigen wurden lediglich die Antworten der Notruf-Beamten veröffentlicht.
Keine Koordinierung: Sie zeigen nach Einschätzung der „New York Times“, dass die beteiligten Behörden bei den dramatischen Ereignissen unkoordiniert nebeneinanderher gearbeitet haben. Die Anrufer hätten ihre Geschichte oft mehrmals erzählen müssen, wenn sie von der Polizeizentrale zur Feuerwehr oder zum medizinischen Notruf weitergestellt wurden. „Und niemand im ganzen Notrufsystem hat die vielleicht lebensrettende Anweisung ausgegeben, die die Feuerwehrleute vor Ort verfolgten: die Gebäude zu evakuieren“, schreibt die „Times“.
Die Zeitung hatte die Stadt auf die Herausgabe der Bänder verklagt. Nach einer höchstrichterlichen Entscheidung im Jahr 2005 waren im vergangenen März bereits Mitschnitte der Feuerwehr veröffentlicht worden. Die Polizei hatte zunächst erklärt, ihr Material sei von der Entscheidung nicht betroffen. Bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren allein in New York fast 2800 Menschen ums Leben gekommen.
