Stmk: Arbeiter stiegen in Senkgrube – 2 Tote – Zu hohe toxische Dosis
Feldbach (Stmk): In der oststeirischen Lederfabrik Lindenau in Feldbach sind Montag früh, 2. Juli 2007, zwei Arbeiter tot und einer schwer verletzt in einer Senkgrube aufgefunden worden.
Von den Männern konnte nur einer erfolgreich reanimiert werden, berichtete Josef Schaffler, Einsatzleiter des Roten Kreuzes Feldbach. „Als wir angekommen sind, haben sich die drei Arbeiter noch im Gefahrenbereich befunden. Die Feuerwehr hat die Männer dann mit Atemschutz geborgen“, so Schaffler zur APA. „Ich bin sehr betroffen, weil unter den Toten auch einer unserer Mitarbeiter ist.“ Bei einem der Toten soll es sich um den 46-jährigen Firmenchef handeln.
Wie es genau zum Unfall gekommen ist, sei noch nicht klar. Vermutlich seien die Arbeiter durch Gase bewusstlos geworden und konnten sich nicht mehr selbst befreien, so der Einsatzleiter. Angefordert wurden auch die Rettungshubschrauber Christophorus 16 und 12 – letzterer brachte den 60 Jahre alten Schwerverletzten in das LKH Graz, teilte der ÖAMTC mit.
Update per 3. Juli 2007:
Nach dem Unfall am Montag in einer Sickergrube in der oststeirischen Gerberei Lindenau & Lindenau GmbH S.M.G in Feldbach, bei dem der Firmenchef und ein 37-jähriger Mann getötet wurden, laufen nun Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Offenbar seien keine Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, erklärte Anton Kiesl vom Landeskriminalamt Steiermark. Der Betrieb sei still gelegt worden, da eine hohe toxische Dosis im „Loch“ vorhanden sei.
Unglückliche Faktoren: Der Chefinspektor erklärte, dem Gesetz nach wäre es fahrlässige Tötung. „Aber wen wollen wir anklagen, wenn der Hauptverantwortliche selbst zu Schaden gekommen, also getötet worden ist?“, meinte Kiesl. Es seien mehrere Faktoren zusammengekommen, die zum Unfall geführt hätten. So sei z.B. jener Mann, der sonst immer in der Sickergrube gearbeitet hatte, gerade im Krankenstand gewesen: „Die Männer sind gestern eingesprungen und dürften offenbar zu wenig gewusst haben“, so der Kriminalist.
Fehlende Messungen: „Sie hätten vor dem Einsteigen Messungen durchführen müssen, dann hätten sie gemerkt, dass die toxische Dosis weit über der erlaubten gewesen ist“, erklärte Kiesl. „Nicht einmal der Feuerwehr war es gestern möglich, mit schwerem Atemschutz in die Luke zu steigen.“ Es seien Spezialisten von der Feuerwehrschule Lebring angefordert worden. Die Geräte hätten bis zur höchsten Stufe angeschlagen. Genaue Berechnungen sowie Untersuchungen an Schlammresten würden noch durchgeführt; die Sachverständigen seien an Ort und Stelle.
Jenem 60-Jährigen, der nach dem Unfall mit lebensgefährlichen Verletzungen ins LKH Graz eingeliefert worden war, gehe es sehr schlecht, berichtete der Kriminalist. Er befinde sich im Koma und habe eine massive Gehirnschwellung erlitten: „Er war ja längere Zeit nur mäßig mit Sauerstoff versorgt.“ Die Prognose sei laut den Ärzten „leider sehr schlecht“.
Schwefelwasserstoff-Gase: Am Montag waren die drei Männer in einer Sickergrube der Gerberei leblos aufgefunden worden. Ersten Erhebungen zu Folge hatten sich in dem nur rund 60 Zentimeter großen Schacht Schwefelwasserstoff-Gase gebildet, die zum Unglück geführt hatten. Ein 37-jähriger Arbeiter war hinein geklettert, um Reinigungsarbeiten durchzuführen. Als der Mann bewusstlos wurde, war der 46 Jahre alte Firmenchef ebenfalls in die Grube gestiegen. Da auch dieser das Bewusstsein verlor, versuchte schließlich der 60-Jährige erfolglos, seine Kollegen zu retten.
