Deutschland: Viele Verletzte bei Chlorgasaustritt in Frankfurt
Frankfurt (D): Bei einem Chlorgas-Unfall in Frankfurt sind am Freitag, dem 5. Oktober 2007, 70 Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwer. Der Vorfall ereignete sich auf einem Firmengelände im Stadtteil Fechenheim.
Das Chlorgas trat gegen 10.30 Uhr beim Umfüllen der Chemikalie von einem Lastwagen in einen Tank aus. Ursache des Unfalls ist vermutlich menschliches Versagen, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr.
Aus einem Tanklastwagen sei Salzsäure versehentlich in einen Behälter mit Chlorlauge (Hypochlorit) gefüllt worden. Bei der heftigen Reaktion trat eine größere Wolke extrem reizendes Chlorgas aus. Wegen der geringen Windgeschwindigkeit löste sich die Wolke nur langsam auf, so dass etliche Menschen starke Atembeschwerden und Husten erleiden mussten. Feuerwehrchef Reinhard Ries lobte die Umsicht der Arbeiter, die Schlimmeres verhindert hätten. Der Austritt der Dämpfe sei recht schnell gestoppt worden.
Ein Mann erlitt schwere Verletzungen. Es handelt sich um den Mann, der möglicherweise den verheerenden Fehler begangen hat. Wegen seiner Verletzungen konnte er zunächst nicht vernommen werden, wie ein Polizeisprecher erklärte. Der Mann schwebe aber nicht in Lebensgefahr. Die 70 Verletzten wurden zunächst von Notärzten und Sanitätern vor Ort behandelt. 27 von ihnen wurden dann in umliegende Krankenhäuser verlegt. Zwei der Verletzten werden stationär behandelt, die übrigen wurden inzwischen wieder entlassen. Einige Verletzte waren aus Atemnot zusammengebrochen.
Nach dem Unfall waren umliegende Gebäude wurden geräumt und die Gegend weiträumig abgesperrt worden. Davon waren auch mehrere Hauptverkehrsstraßen im Frankfurter Osten betroffen, so dass sich schnell größere Staus bildeten. Über Rundfunk-Warnmeldungen wurde die Bevölkerung aufgefordert, die Häuser nicht zu verlassen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Warnungen wurden nach etwa zwei Stunden aufgehoben.
Die Frankfurter Berufsfeuerwehr war mit rund 120 Leuten vor Ort. Sie trugen bei ihren Arbeiten Vollschutzanzüge und schweres Atemschutzgerät. Auch mehrere freiwillige Feuerwehren waren alarmiert worden. Dazu kamen Mitarbeiter von mehreren Hilfsorganisationen, darunter der Malteser Hilfsdienst und der Arbeiter-Samariterbund. Die Polizei beobachtete das Geschehen auch mit einem Hubschrauber. „Wir sind an einem deutlich schlimmeren Unfall vorbeigeschrammt. Es hätten leicht auch doppelt so viele Verletzte werden können“, meinte ein Polizeisprecher. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Rettungsorganisationen habe hervorragend geklappt.
CHLORGAS: Chlorgas ist giftig beim Einatmen und verursacht – auch in geringen Mengen – eine Reizung der Haut, der Schleimhäute, der Augen und der Atemwege. In hohen Mengen führt die Chemikalie zu schweren Atemwegserkrankungen bis hin zu Lungenödemen. Betroffene sollten auf Grund der toxischen Wirkung ärztlich behandelt werden. Chlorgas entsteht durch die Verbindung von Salzsäure und Hypochloritlösung, ist unsichtbar, wasserlöslich und nur am typischen Chlorgeruch zu erkennen.
