USA – Californien: Verheerende Brände testen die Behörden
Californien (USA): Die Berichterstattung der amerikanischen Medien zur Feuerkatastrophe in Kalifornien ist trotz düsterem Hintergrund optimistisch. Hervorgehoben werden Technologien zur Brandbekämpfung, mutige Bürgerjournalisten und das «Anti–Phänomen».
Über eine halbe Million Menschen haben auf der Flucht vor den außer Kontrolle geratenen Brandherden in Südkalifornien ihre Häuser verlassen. Wer nicht bei Bekannten, Verwandten oder in einem Hotel Unterschlupf findet, übernachtet im Auto oder im Schlafsack unter freiem Himmel. Rund zehntausend Personen fanden im Qualcomm-Sportstadion bei San Diego eine vorläufige Bleibe. Tausende von Feuerwehreinheiten aus allen Teilen des amerikanischen Westens stehen mit Nationalgardisten und Marines im Einsatz. Erstmals getestet werden auch technologische Neuheiten der Brandbekämpfung wie unbemannte Flugdrohnen. Ob es aber gelingen wird, die durch die anhaltenden Böen entfesselten Brände bald einzudämmen, ist noch ungewiss. Die Meteorologen sind gedämpft optimistisch.
Erinnerungen an «Katrina»: Die Bilder aus Südkalifornien von zerstörten Häusern, fliehenden Menschen und einem zur Notunterkunft für Zehntausende umfunktionierten Sportstadion wecken Erinnerungen an ein ähnliches Szenario vor zwei Jahren in Louisiana. Im Unterschied zu damals, als in New Orleans die Dämme brachen und die Bundesbehörden ihre Katastrophenhilfe lange hinauszögerten, scheint die Situation in den sieben von den Brandherden betroffenen Counties Südkaliforniens unter Kontrolle zu sein.
Dass im Westküstenstaat die Uhren anders ticken als in Louisiana und die Bevölkerung seit Jahrzehnten gewohnt ist, mit den Auswirkungen des «Atems des Teufels», wie der in den Wüstengebieten des Westens entstehende Santa-Ana-Wind hier genannt wird, fertig zu werden, zeigte sich bereits in den Anfängen der Katastrophe. Dank einem telefonischen Frühwarnsystem, das im Notfall automatisch alle Bewohner rechtzeitig zum Verlassen ihrer Häuser auffordert, und einem ausgedehnten Polizeinetz blieben Szenarien wie von Flammen eingekesselte Bewohner glücklicherweise aus. Im Unterschied zu vielen Bewohnern von New Orleans, die der untersten sozialen Schicht angehören und im Sommer 2005 wegen fehlender Transportmittel nicht selbständig die Stadt verlassen konnten, ist der überwiegende Teil der betroffenen Anwohner Südkaliforniens gut situiert.
Anders als der gegen Windmühlen kämpfende Bürgermeister von New Orleans wurde der Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger, seinem Image als «Terminator» gerecht. Er gab bereits wenige Stunden nach Ausbruch der ersten Feuer in Malibu eine Pressekonferenz und rief für die betroffenen Gebiete nach zwei Tagen den Notstand aus. Präsident Bush besann sich angesichts des bevorstehenden Wahljahres ebenfalls auf die Prioritäten, sicherte dem Westküstenstaat ohne Zögern Bundeshilfe zu und änderte kurzfristig sein Programm, um am Donnerstag persönlich ins Katastrophengebiet zu kommen.
Dass sich die Kalifornier von den ausser Kontrolle geratenen Wald- und Buschbränden nicht in die Knie zwingen lassen, wird auch durch die vorwiegend optimistische Berichterstattung der TV-Stationen deutlich. CNN nutzte die «Gunst» der Stunde und schickte lokale Bürgerjournalisten in deren Wohnquartiere, wo sie vor laufender Kamera die Zerstörung ihrer eigenen Häuser kommentierten: «In jenem Schlafzimmer, das jetzt gerade von den Flammen gefressen wird, wurde meine Tochter geboren», hiess es beispielsweise. Dies sei einer der bisherigen Höhepunkte des sogenannten «citizen journalism», berichtete CNN. Optimismus prägte auch die aus dem Qualcomm-Sportstadion gesandten Bilder. Künstler, Jongleure und Komiker sorgten für die Unterhaltung der Kinder, und die freiwilligen Helfer berichteten, man verfüge inzwischen über zu viele gespendete Wolldecken, Esswaren und Spielzeuge.
Angst vor der Zukunft: Ein düstereres Bild vermittelte indes die Berichterstattung von National Public Radio (NPR). Mehrere Personen im Stadion, deren Häuser in San Diego County nur noch aus Kohle und Asche bestünden, gaben ihrer Besorgnis vor der Zukunft Ausdruck. Ihre Häuser seien nicht in einer sogenannten Brandzone gewesen, und die Versicherung werde deshalb möglicherweise nicht zahlen. Sie fürchteten zudem, dass die Bundesbehörde Fema (Federal Emergency Management Agency) ihre Finanzhilfe gleich langsam anlaufen lassen werde wie damals nach «Katrina». Nach den Interviews publizierte das NPR eine Statistik, wonach mehr als die Hälfte aller «Katrina»-Gesuchsteller auch zwei Jahre nach der Katastrophe noch keine Entschädigungen erhalten hätten.
