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Deutschland: Großbrand in Chemiewerk in Dormagen – Ethylenleitung platzte

Dormagen (Deutschland): Eine geplatzte Leitung mit dem hochentzündlichen Gas Ethylen hat am Montag, dem 17. März 2008, einen Großbrand in einem Chemiewerk in Dormagen bei Köln ausgelöst. Die etwa 15 Meter hohe Stichflamme brachte einen mit giftigem Acrylnitril…

… gefüllten Tanker zum Explodieren. Es entstand eine riesige Rauchwolke.

Verletzt wurde zunächst niemand. Die Löscharbeiten könnten sich aber noch über Stunden hinziehen, sagte Feuerwehrsprecher Markus Fertig. Messungen ergaben keine Schadstoffbelastung. Zwei Anwohner mit Augenreizungen seien lediglich vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Sprecher des betroffenen Ineos-Chemiewerks. «Acrylnitril verbrennt vollständig in der Atmosphäre, wir hatten Glück», betonte er. Für die Anwohner bestehe keine unmittelbare Gefahr. Dennoch sollten sie wegen der starken Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen halten. Eine riesige Rauchwolke zog in 500 Metern Höhe Richtung Köln.

Die Feuerwehr kämpft mit etwa 200 Kräften seit dem Nachmittag gegen die zum Teil haushoch lodernden Flammen. Der Gastank wurde mit Wasser gekühlt, angrenzende Gebäude evakuiert. Wann die Produktion wieder aufgenommen werden kann, ist ebenso wie die Schadenshöhe noch unklar.

Aus Sicherheitsgründen stoppte die Deutsche Bahn den Zugverkehr auf der Strecke zwischen Köln-Worringen und Dormagen. Auch eine angrenzende Autobahn musste wegen starker Sichtbehinderung auf einem Teilstück gesperrt werden.

Neue Züricher Zeitung

Update – FAZ
Nach dem Großfeuer in dem Kölner Chemiewerk Ineos sind an drei Stellen in der Umgebung der Fabrik Grenzwerte für das giftige Acrylnitril leicht überschritten worden. Dies hatten Messungen in den frühen Morgenstunden ergeben. Vorsorglich wurden die Anwohner aufgefordert, auch am Dienstagvormittag noch Fenster und Türen geschlossen zu halten. „Im Grunde genommen sehen wir hier keine Gefährdung, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen“, sagte Hans Hagen von der Werksfeuerwehr.

Der Geschäftsführer des Unternehmens, Patrick Giefers, sagte am Dienstag auf einer Pressekonferenz: „Wir bedauern diese Unannehmlichkeiten und verstehen sehr gut die Angst, die die Bevölkerung hat“. Einen Tag nach dem Brand stehen die Ursache und die Höhe des Schadens noch nicht fest.

Am Morgen letzte Flammen erstickt:Der Brand war am Morgen gelöscht worden. Die letzten Flammen seien mit Hilfe eines Schaumteppichs erstickt worden, teilte die Stadt Köln mit. Ein durch den Brand stark erhitzter Tank mit hochgiftigem Acrylnitril sei die ganze Nacht über gekühlt worden. Das am Montag wegen starker Rauchentwicklung gesperrte Teilstück der Autobahn 57 sowie die S-Bahn-Strecke zwischen Neuss und Köln wurden wieder freigegeben. Den Großbrand ausgelöst hatte am Montag eine 15 Meter hohe Stichflamme in einer undichten Ethylen-Gasleitung. Die entsetzten Menschen in der Umgebung sahen, wie die gigantische Flamme aus einer undichten Ethylen-Gasleitung in die Luft schoss. Es habe aber keine Explosion gegeben, sagte die Feuerwehr. Das Feuer griff auf den Acrylnitril-Tank über.

Krach so laut wie ein Düsenantrieb: Zunächst hatten die Feuerwehrleute die Flammen aus der Ethylen-Leitung nicht löschen können, weil sie sonst womöglich explodiert wäre. Das heftige Austreten des Gases verursachte nach Angaben der Feuerwehr aber einen „düsenwerk-ähnlichen Krach“. Techniker stellten deshalb die Pipeline von Antwerpen nach Marl im Kölner Raum ab und ließen die Reste an Ethylen bis zum Abend kontrolliert verbrennen. Danach erst konnten die Feuerwehrleute mit Wasser löschen und den Acrylnitril-Tank kühlen.
Gegen Mitternacht war es der Feuerwehr gelungen, das Feuer in der Ethylen-Leitung zu löschen. Zur gleichen Zeit war ein Schaumteppich um den Tank gelegt worden. Hierzu waren nach Angaben der Stadt Köln mehrere Zehntausend Liter Wasser pro Minute nötig.

Keine gefährlichen Messwerte: Insgesamt drei Menschen wurden am Montag wegen Hautreizungen ärztlich behandelt, teilte die Stadt weiter mit. Zwei Mitarbeiter eines nahegelegenen Supermarktes wurden in einem Krankenhaus untersucht, konnten die Klinik aber wieder verlassen. Bei ihnen seien keine Schadstoffe im Urin und im Blut festgestellt worden, hieß es. Ein weiterer Betroffener sei von einem Hausarzt untersucht worden – ebenfalls ohne Befund.
Nach Angaben von Experten wurden sowohl das freigesetzte Acrylnitril als auch das Ethylen nahezu vollständig verbrannt. Dennoch hielten sich Ärzte für etwaige Notfälle in Bereitschaft. Die Produktion sei aus Sicherheitsgründen heruntergefahren worden, die Schadenshöhe noch unklar, hieß es bei Ineos.

FAZ

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