Deutschland: Problematischer Großbrand in Photovoltaikanlage in Thaden

Thaden (Deutschland): Ein Großbrand in dem Hallenkomplex des ehemaligen Klinkerwerkes in Thaden bei Hanerau-Hademarschen hat über 100 Feuerwehrleute am Samstagmorgen, dem 16. Mai 2009, vor große Probleme gestellt.
Denn auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Dach ist eine Photovoltaikanlage installiert, die aus Sonnenlicht rund 20.000 Volt Strom erzeugt und in das Mittelspannungsnetz der E.ON einspeist. Die Kollektoren erzeugen permanent Strom und lassen sich nicht abschalten. Daher konnte die Feuerwehr zunächst nicht an den Brandherd herankommen.
Gegen 5 Uhr am Samstagmorgen wurde das Feuer von einem Passanten bemerkt, der über Notruf 112 die Feuerwehr alarmierte. Mit dem Alarmstichwort „Scheunenbrand“ wurde die Freiwillige Feuerwehr Hanerau-Hademarschen alarmiert. „Doch als wir hier eintrafen, sahen wir das wahre Ausmaß“, berichtete Amtswehrführer Klaus-Hinrich Paulsen. Es brannte eine Dachfläche von rund 30 mal 30 Metern mittig des 8000 Quadratmeter großen Hallenkomplexes direkt über dem alten Trocknungsofen der ehemaligen Ziegelei. Dort gibt es einen Zwischenboden, in dem auch die gesamte Elektrik der Photovoltaikanlage zusammenläuft und wo sich der Haupttrafo der Anlage befindet. Was genau an dieser Stelle brannte, war nicht einsehbar. Die Hallen stehen seit der Produktionseinstellung des Hademarscher Ziegelwerkes vor einigen Jahren leer. Lediglich ein Teil ist an ein Unternehmen vermietet, das dort LKW und Containermulden einstellt. Dieser Gebäudeteil war aber nicht betroffen.

Unterstützung kam von den Freiwilligen Feuerwehren Thaden, Gokels, Steenfeld und Lütjenwestedt. Aufgrund der Tatsache, dass von den Gebäudeseiten nicht an den Brandherd heranzukommen war, forderten Amtswehrführer Paulsen und Hademarschens stellvertretender Wehrführer und Einsatzleiter Klaus-Jürgen Rehse die Teleskopmastbühne der Freiwilligen Feuerwehr Rendsburg an. Mit diesem Spezialgerät hatten die Hademarscher bereits bei anderen Großbränden in jüngster Zeit gute Erfahrungen gemacht. Mit dem 42 Meter langen Teleskoparm konnten die nicht zugänglichen Stellen des Daches problemlos erreicht werden.
Unklar war lange Zeit, ob und wo noch Spannung auf den unversehrten Kollektoren herrschte. Daher war der unmittelbare Einsatz von Wasser verpönt. Aufgrund der Einsturzgefahr war auch ein Innenangriff nicht möglich. Erst nachdem ein Techniker der Herstellerfirma vor Ort war und alle 90 Wechselrichter der Anlage abgeschaltet sowie noch funktionsfähige Kollektoren von den so genannten „Strings“ (Zusammenschluß mehrerer Kollektoren) im Brandbereich abgetrennt hatte, konnte relativ gefahrlos im unmittelbaren Brandbereich gearbeitet werden.

Dennoch entpuppten sich die Löscharbeiten als Sysiphusarbeit. Ein Herankommen an Glutnester war ausschließlich über die Teleskopmastbühne möglich. Auf dem Bauch liegend im Korb der Bühne sägten Atemschutzgeräteträger Löcher in das Blechdach und fluteten die Hohlräume mit Schaum – eine Zeit- und Kräftezerrende Arbeit.
So konnte aber gegen 11 Uhr „Feuer aus“ gemeldet werden und alle Wehren rückten wieder ein. Lediglich die Kameraden aus Thaden blieben vor Ort und stellen noch den ganzen Samstag eine Brandwache.
Im Einsatz waren sechs Freiwillige Feuerwehren mit über 100 Einsatzkräften, Polizei und zur Absicherung der Atemschutzgeräteträger eine Rettungswagenbesatzung. „Das Zusammenspiel der verschiedenen Wehren hat sehr gut geklappt. Die Problematik der Photovoltaikanlagen zeigt aber wieder einmal das Spannungsfeld zwischen moderner Technik und den dadurch immer wieder anzupassenden Ausbildungen für die Freiwilligen Feuerwehren“, so der stellvertretende Kreiswehrführer und Pressesprecher Holger Bauer.
Die Brandursache ist noch unbekannt. Die Schadenshöhe liegt deutlich im sechsstelligen Bereich. Die Kripo wird noch am Samstag die Ermittlungen aufnehmen.
