Hupende Autos sollen vor Katastrophen warnen
Deutschland: Mit einem Konzert aus Autohupen wollen Forscher in Zukunft lautstark vor Katastrophen warnen. Das ab dem kommenden Jahr in allen Neuwagen installierte Notrufsystem eCall, das eigentlich die Zahl der Unfalltoten reduzieren soll, soll das Sirenengeheul früherer Zeiten ersetzen,…
… wie das Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen in Euskirchen am 2. Juli 2009 mitteilte. Mit einem automatisch ausgelösten Hupkonzert parkender Autos soll die Bevölkerung so flächendeckend auf Gefahren aufmerksam gemacht werden.
Die Forscher verweisen darauf, dass es in Deutschland kein flächendeckendes Warnsystem mehr gibt, seit nach dem Ende des Kalten Kriegs in den 90er Jahren die meisten Sirenen abgebaut wurden. Davor konnte das flächendeckende Sirenensystem großflächig vor Katastrophen wie Großfeuer, Überschwemmungen oder Chemieunfällen warnen. Inzwischen soll das satellitengestützte Warnsystem SatWaS die Bevölkerung per Funk und Fernsehen über drohende Gefahren informieren. Allerdings bekommen solche Warnungen nur diejenigen mit, die Radio oder Fernseher eingeschaltet haben.
Auch bei weiteren Einzellösungen, etwa der Versendung von Massen-SMS oder von Rauchmeldern oder Funkuhren ausgelöstem Alarm, vermissen die Forscher in Euskirchen die flächendeckende Warnung. So könnten nur Einzelpersonen und einzelne Haushalte gewarnt werden – und auch das nur, wenn die Geräte täglich und rund um die Uhr eingeschaltet seien. Eine Wiedereinführung der Sirenen, die sich Feuerwehr und Katastrophenschutz wünschten, würde allerdings 100 Millionen Euro kosten.
Elektronikmodul bringt parkende Autos zum Hupen:
Die Lösung sehen die Forscher des Fraunhofer-Instituts in der Nutzung des Notrufsystems eCall. Dieses soll ab September 2010 zur Ausrüstung jedes Neuwagens gehören, um die Zahl der Unfalltoten zu reduzieren. Auf Initiative der EU-Kommission soll jedes Auto mit einem Elektronikmodul ausgestattet werden, das aus einem GPS-Sensor und einer Mobilfunkkomponente besteht, die etwa Unfallzeitpunkt, Koordinaten und Fahrtrichtung an eine Notfallzentrale übermitteln können.
Diese Infrastruktur wollen die Euskirchener Forscher zur flächendeckenden Warnung der Bevölkerung nutzen. Die Idee ist, dass Melde- und Lagezentren an die Fahrzeuge etwa folgendes Signal senden: «An alle Fahrzeuge mit dem Warnempfänger, die sich innerhalb der Grenzen folgender GPS-Koordinaten befinden: Ist der Motor abgestellt, fangt an zu hupen!» Bereits 14 Prozent der zugelassenen Autos reichten aus, um eine flächendeckende Alarmierung auszulösen, erklärt Guido Huppertz, der an dem System mitarbeitet.
«Wenn ab Ende 2010 alle neuen Fahrzeuge mit eCall ausgerüstet werden, könnte das Warnsystem nach einer Aufbauphase von zwei bis vier Jahren einsatzfähig sein», sagte Huppertz. Die Fraunhofer-Forscher reichten Ende Januar ein Patent für ihre Technologie der Katastrophenalarmierung ein. Das neue System soll aber nicht die anderen Alarmsysteme ersetzen, sondern diese ergänzen. «Der Aufwand beschränkt sich darauf, ein kleines elektronisches Modul in Neufahrzeuge zu integrieren», sagte Huppertz. «Die gesamte behördenseitige Infrastruktur ist bereits vorhanden.»
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Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen
