Wien: Streit um Brandschutz in Niederflurstraßenbahnen beendet
Wien: Die Niederflurstraßenbahnen (ULF) in Wien werden mit einem neuen Brandschutz versehen. Die Wiener Linien und die Herstellerfirma Siemens haben damit einen sechs Monate dauernden Streit beendet.
Nach einem Brandunfall in einer Niederflurstraßenbahn war es im Juli 2009 zu Unstimmigkeiten zwischen den Wiener Linien und Siemens gekommen. Im hinteren Teil eines Zuges der Linie 67 war damals Feuer ausgebrochen. Wie sich später herausgestellt hat, dürfte eine Schall-Schutz-Matte durch eine Zigarette Feuer gefangen haben. Die Wiener Linien hatten nach dem Unfall einen Auftrag über 105 ULF-Garnituren storniert. Neue Sicherheitslösungen für die Straßenbahnen wurden verlangt, dafür wollten die Wiener Linien aber nicht mehr bezahlen.
Wiener Linien und Siemens teilen Kosten: Die am Donnerstag, dem 4. Februar 2010, präsentierte Lösung sieht eine Teilung der Kosten von rund 400.000 Euro vor. 45 Garnituren, die bereits im Einsatz sind, werden in diesem Jahr nachgerüstet. Die 105 neuen Niederflurstraßenbahnen werden serienmäßig mit dem neuen Brandschutz versehen. Brandhemmende Schallisolierungsmatten sowie zusätzliche Bleche sollen Brandzwischenfälle verhindern.
152 ULF-Straßenbahnen eines älteren Modells werden von den Wiener Linien mit Platten über den Schutzmatten ausgestattet. Das ist laut Wiener Linien für den Brandschutz ausreichend.
Kritik von Grünen und ÖVP: Die Wiener Grünen kritisieren die Maßnahmen als verspätet. „Sich jetzt feiern zu lassen, dass nach 12 Jahren ULF ein optimierter Brandschutz nachgeholt wurde, kann nur ein Faschingsscherz sein“, heißt es in einer Aussendung der Grünen. Auch ÖVP Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl wirft den Wiener Linien ein zu langsames Handeln vor. Zudem verlangt Gerstl eine Verbesserung der Sicherheit bei alten Straßenbahngarnituren durch Rückspiegel.
Zwei neue ULF-Linien im Jahr 2010: Ab März 2010 wird der ULF auch auf der Linie 38 zwischen Schottentor und Grinzing fahren. Für dieses Jahr ist auch der Beginn des ULF-Einsatzes auf der Linie 18 zwischen Stadthalle und Schlachthausgasse geplant. Die schon bisher mit Niederflurstraßenbahnen geführten Linien werden nach mit neuen Garnituren verstärkt. Bis zum Jahr 2015 sollen von den etwa 400 Straßenbahnen rund 300 ULFS sein.
