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Deutschland: Waschbär bringt Augsburger Feuerwehr ins Schwitzen

Augsburg (Deutschland): 8 Uhr am Dienstag, dem 25. Mai 2010. Bei der Feuerwehr melden Bauarbeiter, dass ein Waschbär auf dem Gerüst des Theaters sitze.

Friedhelm Bechtel und Kollegen vermuten allerdings eher eine große Katze, denn einen Waschbären mussten sie noch nie einfangen. Es wäre eine Premiere der etwas anderen Art beim Musentempel. Eingepackt in eine dicke Hose plus Überhose, in festen Schuhen, Handschuhen und Helm mit Gesichtsschutz macht sich das Retter-Quartett auf den Weg.

Und siehe da, ein Waschbär sitzt auf dem Gerüst. Er entpuppt sich als ausgesprochen bissiges Wesen mit viel Temperament und Energie. Als sich die Helfer mittels Drehleiter auf sechs Meter Höhe vorgearbeitet haben, springt er mit einem Riesensatz auf den Parkplatz, geht hinter einer Tafel in Deckung. „Der kennt sich gut aus“, vermutet Bechtel, denn als die Männer mit dem Kescher anrücken, hechtet er zurück auf das Gesims und balanciert Richtung Kennedyplatz. Dort, nachdem die Feuerwehr bereits über eine gute Stunde darum kämpft, das Wildtier zu fassen, werden diesem die gespannten Taubendrähte zum Verhängnis. Wieder fährt die Feuerwehr die Drehleiter hoch, wieder nähert sich der Mann mit dem großen Korb dem Tier und wieder nimmt der Bär Reißaus und springt in die Tiefe. Diesmal peilt er das Kunstwerk Ostern an.

Doch die Flucht ist zu Ende. Hinkend versucht er ein letztes Mal zu fliehen, die Feuerwehr ist schneller, der Waschbär im Netz. Vom Kampfgeist des vitalen Tiers ist Bechtel fasziniert. „Der konnte vom Gerüst runterrutschen wie wir.“ Verletzt hat sich der Bär trotz gewagter Sprünge nicht, stellt die Tierklinik in Gessertshausen fest. Wie geht es weiter? Der Zoo winkt ab. Man habe kein Gehege dafür. Zoo-Direktorin Barbara Jantschke ist sicher, dass das Tier ausgebüxt ist.

Jetzt entscheidet Amtstierärztin Dr. Felizitas Wiater über seine Zukunft. „Vielleicht trägt er einen Chip, dann suchen wir den Besitzer“, sagt sie. Auch die Tierklinik Gessertshausen sucht nach einer liebevollen Unterkunft und hat, so Feuerwehrmann Bechtel, offenbar sogar etwas in Aussicht.
13 Prozent aller Einsätze der Berufsfeuerwehr sind Tierrettungen. Meist Katzen, aber auch Korallennattern, Vogelspinnen oder Skorpione. Auch Wildtiere wagen sich in die Großstadt. Marder und Biber sind fast schon Alltag.

Vor ziemlich genau einem Jahr machten sich sogar fünf Wildschweine auf den Weg vom Siebentischwald Richtung City und sorgten für ein Verkehrschaos. In Panik flüchteten die Tiere in den Proviantbach, wo sie den Tod fanden.

Augsburger Allgemeine

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