Deutschland: Explosion verwüstet Wohnungen in Großräschen
Großräschen (Deutschland): Aus bislang unbekannter Ursache kam es am Montagmorgen, 25. Oktober 2010, in einer Plattenbauwohnung der Rosa-Luxemburg-Straße in Großräschen zu einer Explosion. Eine 50-jährige Bewohnerin wurde mit Brandverletzungen an Kopf und im Gesicht von der Polizei geborgen und mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen.
Gegen 10.20 Uhr erschüttert ein gewaltiger Knall das Wohngebiet. Jürgen Manthey schreckt im Wohnzimmer auf und eilt auf den Balkon. Dort steigt ihm beißender Geruch die Nase. Aus der Wohnung zwei Etagen höher schlagen Flammen. Fensterrahmen sind durch die Explosion in die Sträucher geschleudert worden. Glassplitter liegen vor dem Mehrgeschosser in der Rosa-Luxemburg-Straße. Autos sind lädiert. Geistesgegenwärtig schnappt Jürgen Manthey den Hund und läuft in Latschen und ohne eine wärmende Jacke aus dem Haus. Auch andere Mieter verlassen das Gebäude fluchtartig. Entsetzt schauen sie draußen nach oben, wo die fensterlose Wohnung lichterloh brennt. Die Wucht der Explosion hat die Giebelwand des Neubaublocks nach außen geschoben.
Mieterin verletzt geborgen: Den Knall hat auch Polizeihauptkommissar Jürgen Schubert vernommen, der im Nachbarblock einen Einbruch aufnimmt. Der Revierpolizist eilt zur Brandwohnung, tritt die Tür ein und findet die schwer verletzte Mieterin (50). Gemeinsam mit einem Mann zieht er die Frau, die augenscheinlich Brandverletzungen am Kopf und im Gesicht hat, aus der Wohnung. Mit dem Rettungshubschrauber wird sie später in eine Spezialklinik nach Leipzig geflogen.
Warten auf die Feuerwehr: Für die fassungslosen Mieter des Aufganges dauert es scheinbar eine Ewigkeit, bis die erste Feuerwehr anrückt. Um 10.31 Uhr geht die Meldung von der Großräschener Explosion in der Leitstelle Lausitz in Cottbus ein. »Flammen und Rauchentwicklung in einer Wohnung« entnimmt Schichtführer Michael Barufka später dem Protokoll. Die Feuerwehren Großräschen Nord und Ost, Neupetershain, Freienhufen, Allmosen und Altdöbern werden alarmiert. Wenige Minuten darauf treffen die ersten Einsatzkräfte ein. Die Drehleiter wird in Stellung gebracht. Wasser muss über eine lange Schlauchleitung zugeführt werden.
Kein Wasser aus Hydrant: Der nächstgelegene Hydrant gibt keines her. Rauch steigt aus den Fenstern im vierten Geschoss auf. »Bloß gut, dass die obere Wohnung leer steht und der linke Nachbar nicht zu Hause ist«, stellt Jürgen Manthey fest. Inzwischen ist seine Frau Manuela eingetroffen. »Ein Bekannter hat mich bei der Arbeit an der Kasse aufgeschreckt«, sagt sie – zunächst sichtlich erleichtert darüber, dass ihr Mann wohlauf ist. »Mach‘ Dich nach Hause. Bei Euch hat es eine Explosion gegeben«, sei sie informiert worden. »Ich weiß gar nicht, wie ich es bis hierher geschafft habe«, erzählt Manuela Manthey, die ihre Kasse im Penny-Markt sofort verlassen hat.
Stadtbrandmeister Wolfgang Klatt fordert indes weitere Brandbekämpfer an, die unter Atemschutz arbeiten können. Nur wenige Minuten können die jeweils zwei Helfer angesichts der enormen Rauchentwicklung in der Brandwohnung löschen. Dann muss das nächste Team ran.
Entsetzen über Löschwasser: Der Menschenauflauf vor dem Haus wird größer. Die betroffenen Mieter blicken entsetzt auf das Löschwasser, das in Strömen an den Innenseiten der Fenster herunterläuft. »Da wird wohl nichts mehr zu retten sein«, stellt Manuela Manthey fest. Drei Stunden später steht sie in den eigenen vier Wänden knöcheltief im Wasser. Die Feuerwehrleute lassen die Mieter kurz hinein, damit sie einige persönliche Sachen ins Notquartier mitnehmen können. Die Einrichtung ist hin.
Aufgang evakuiert: Zehn Mietparteien müssen bei Verwandten oder in einer der Gästewohnungen der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft »Glück Auf« (GWG) untergebracht werden. Erst dort realisiert Manuela Manthey, dass ihr liebevoll eingerichtetes Heim futsch ist. Die Tränen strömen der couragierten Frau über die Wangen. Zitternd vor Kälte und geschockt wird sie von der Gewissheit übermannt. »Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weiter gehen soll«, sagt sie.
