Deutschland: Explosion in Brühl ->Feuerwehr sucht weiter in Trümmerbergen
Brühl (D): Samstagabend, 21:30 Uhr, in Brühl bei Köln: Wie aus dem Nichts zerreißt eine verheerende Explosion das Idyll der Wohnsiedlung – und löscht den Großteil einer Familie aus.
In den Trümmern der Doppelhaushälfte aus der Jahrhundertwende starben der Familienvater (45), die Mutter (47) und die zehnjährige Tochter.
Zuletzt wurde am Sonntagabend das Mädchen aus den Trümmern geborgen. Seinen leblosen Körper fanden Spürhunde.
Daraufhin gruben Feuerwehrleute es mit bloßen Händen aus dem Keller des eingestürzten Hauses aus.
Ihre beiden Brüder, der 15-jährige Marc, der sich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht im Haus befand und der zwölfjährige Tobias – sie überlebten die Tragödie. Der jüngere konnte noch am Samstagabend leicht verletzt von der Feuerwehr aus den Trümmern gerettet werden.
DAS HAUS WURDE DURCH DIE WUCHT HALBIERT
Im Regal steht noch eine DVD-Kollektion mit Sissi-Filmen, auf der Hülle lächelt Romy Schneider. Sonst ist alles weg. Der Großteil des Hauses ist verschwunden, ist mit einem dumpfen Knall in sich zusammengefallen.
Man hat einen freien Blick ins Schlafzimmer, ein Stück davon ist stehen geblieben. Holzbett mit blauem Bezug. Daneben das Bad, die Toilettenrolle hängt noch.
DIE FEUERWEHR REISST DIE RUINEN EIN
Auf der Suche nach dem zehnjährigen Mädchen entscheidet sich die Feuerwehr dazu, die restlichen Ruinen des Hauses einzureißen. Eine Sicherheitsmaßnahme. Man wollte zunächst den Schutt abtragen, um dann ungefährdet nach ihr schauen zu können.
EINE FAMILIE WIRD AUSGELÖSCHT
Um 9.55 Uhr wird mit der Frau die erste der vermissten Personen gefunden, tot, wie sich herausstellt. Ein Notarztwagen fährt vor, doch jede Hilfe kommt zu spät.
Nur wenige Stunden später dann die traurige Gewissheit: Auch der 45-jährige Familienvater kam bei der Tragödie ums Leben – er konnte nur tot geborgen werden.
Nun das kleine Mädchen – die Explosion löschte die gesamte Familie aus.
Klar ist nach Einschätzung des Notarztes Hubert Titz, dass der geborgene Mann und die Frau nach der Explosion sofort tot gewesen sein müssen.
Die Frau sei wohl im Erdgeschoss von der Explosion überrascht worden, während der Mann sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Keller aufgehalten habe. „Sie haben durch die Trümmer multiple Knochenbrüche und schwere Kopfverletzungen davongetragen“, berichtet Titz.
DIE FEUERWEHR LEISTET ÜBERMENSCHLICHES
Die Suche nach den Verschütteten ist eine psychisch belastende Arbeit: „Das nimmt jeden hier mit, aber das müssen wir verkraften“, sagt deren Sprecher Stefan Spinnen.
Seit der Nacht waren mehr als 200 Einsatzkräfte vor Ort im Einsatz, am Sonntag waren noch etwa 100 im Einsatz – Feuerwehrleute aus Brühl und den angrenzenden Gemeinden Frechen und Kerpen.
BIS ZULETZT HOFFNUNG
Vom Keller des Nachbarhauses aus hatte die Feuerwehr zunächst Bohrungen zu dem zerstörten Gebäude unternommen, um mit Videokameras nach Hohlräumen in den Trümmern zu suchen.
„Solche Hohlräume hat es gegeben“, berichtet der leitende Notarzt Hubert Titz.
Voller Hoffnung sagte er: „Wenn das noch vermisste Kind in einem dieser Hohlräume sitzt, gibt es eine Überlebenschance.“
„Es sieht hier aus wie nach einem Bombenangriff“, sagt ein Nachbar beim Blick auf das zerstörte Haus.
Kaum zu glauben, dass das angrenzende, gelb gestrichene Haus unversehrt zu sein scheint.
An den Häusern der Umgebung hat die Explosion unterdessen keine Schäden verursacht. Viele Bewohner stehen an den Fenstern ihrer Wohnungen und beobachten die anhaltenden Bergungs- und Sicherungsarbeiten.
