Deutschland: Hochwasser in Wertheim überrascht auch Feuerwehr
Wertheim (Deutschland): An Main und Elbe nimmt das Hochwasser weiter zu. In Wertheim stiegen die Pegel schneller und höher, als von der Feuerwehr erwartet. Leichte Entspannung gibt es zumindest an der Oder.
Für die vom Hochwasser heimgesuchten Bürger in Wertheim im Main-Tauber-Kreis ist der Rückgang der Fluten in ihrer Stadt auch am Mittwochmorgen, 12. Jänner 2011, noch nicht absehbar gewesen. Auch in Sachsen-Anhalt und in Teilen Brandenburgs herrscht angesichts weiterhin hoher Pegelstände noch immer Anspannung. In Wertheim kletterte der Pegelstand des Mains um 5.00 Uhr auf 5,72 Meter, berichtete ein Sprecher der Feuerwehr. Damit wurde der ursprünglich erst für Mittwochmittag oder -nachmittag erwartete Höchstwert von 5,70 Metern bereits überschritten. Die Einsatzleitung rechnet nun damit, dass bis zum Mittag ein Höchstwert von etwa 5,90 Metern erreicht werde. Die Scheitelpunkt-Prognose wurde 20 Zentimeter nach oben korrigiert.
In der Nacht zum Mittwoch war das Wasser schon gut einen Tag in die historische Altstadt geflossen. In der 24.000 Einwohner zählenden Stadt ganz im Norden Baden-Württembergs herrschte in der Nacht trotz der zunehmenden Überschwemmung relative Ruhe. Rund 450 Häuser mit etwa 1000 Bewohnern sind betroffen. 70 Einsatzkräfte leisteten Hilfe. Die betroffenen Anlieger hätten einen Pendelverkehr aus neun Booten vor allem tagsüber genutzt, teilte die Einsatzleitung mit.
Keine Entwarnung in Sachsen-Anhalt
Die Menschen in Wertheim sind die Fluten seit Jahren gewohnt und hatten diesmal rechtzeitig vorgesorgt. Anwohner und Geschäftsleute sicherten ihre Häuser und Wohnungen so gut es ging und räumten alles Bewegliche aus der Gefahrenzone. Viele Läden haben mobile Warenständer und Fliesen statt Teppichböden. Da die Fluten das Leben in der Stadt aber manchmal mehrmals im Jahr tagelang lähmen, bedeutet jedes größere Hochwasser Umsatzausfall für die Geschäftsleute.
Auch an den Flüssen in Sachsen-Anhalt ist die ersehnte Entwarnung noch nicht näher gerückt. Die Hochwasserwelle laufe zwar ab, sagte Peter Hasdorf von der Landeshochwasserzentrale am Morgen. Angesichts der Vorhersage für Tauwetter und Regen könne es aber noch einmal kritisch werden. Weiterhin Probleme mache die Saale in Halle. Am Pegel Trotha sei der Wasserstand in der Nacht zum Mittwoch noch einmal um zehn Zentimeter auf 6,67 Meter gestiegen. Auch die Elbe steigt langsam weiter. Für den Pegel Barby (Salzlandkreis) gelte die Alarmstufe 2. Ursache seien vor allem starke Zuflüsse aus der Saale und der Mulde, sagte Hasdorf.
Entspannung an der Oder
In Brandenburg sind die Pegel an der Oder nach dem Einsatz von Eisbrechern hingegen deutlich gesunken. Am Morgen sanken die Fluten an der Messstelle Hohensaaten-Finow (Kreis Märkisch-Oderland) auf die Marke von 5,58 Metern und es galt nur noch die zweitniedrigste Alarmstufe 2, wie das Hochwassermeldezentrum Frankfurt (Oder) berichtete. Am Dienstagmorgen hatte der Pegelstand noch bei knapp 7 Metern gelegen, also beinahe anderthalb Meter höher und damit locker in der höchsten Alarmstufe.
Im weiteren Verlauf der Oder staute sich das Wasser allerdings wieder und die Behörden verzeichneten teils sogar leicht steigende Pegelstände. Eisbrecher sollen tagsüber nach wie vor dafür sorgen, dass das Wasser die Oder abwärtsfließen kann, hatte am Dienstag der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, angekündigt. An anderen Flüssen in Brandenburg scheint der Höhepunkt des Hochwassers noch nicht überschritten.
Schwarze Elster vor höchster Alarmstufe
Die Lage an der Schwarzen Elster bleibt weiterhin kritisch: Ihr Pegel erreichte in Herzberg (Landkreis Elbe-Elster) den Richtwert der höchsten Alarmstufe 4. Allerdings wurde sie offiziell noch nicht ausgerufen, weil mit Entspannung gerechnet wird. So galt dort mit Stand vom Mittwochmorgen wie auf anderen Flussabschnitten noch die zweithöchste Alarmstufe 3. An der Spree hat sich die Lage entspannt. An der Elbe wird mit leicht steigendem Wasser gerechnet. An der Mittleren Elbe könnte die niedrige Alarmstufe 1 am Donnerstag erreicht werden. In der Prignitz im Norden gilt sie bereits. Dort wird am Freitag, 14.1.2011, mit dem Höhepunkt des Hochwassers gerechnet.
