Ohne Freiwillige steht Kärnten still
Kärnten: Unverzichtbar, unersetzlich, unbezahlbar: Die Freiwilligen halten das Land am Laufen. Die EU hat für 2011 das „Jahr der Freiwilligkeit“ ausgerufen. Die Kleine Zeitung stellt daher die Frage, was Kärnten ohne die Ehrenamtlichen wäre.
Wie viele Freiweillige gibt es, wie viele Stunden arbeiten sie im Jahr und was würde diese Arbeitszeit – im Schnitt – kosten?
Sie kommen in keiner Arbeitsmarkt-Statistik vor, und doch leisten sie einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Wertschöpfung. Nach aktuellsten Berechnungen haben die rund drei Millionen freiwillig Engagierten in Österreich wöchentlich 14,7 Millionen Arbeitsstunden 2006 angesammelt. Damit stellen Ehrenamtliche 425.000 Vollzeitbeschäftigte, würde man ihre Arbeitszeit in 40-Stunden-Wochen aufrechnen. Das wären 13 Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen. Männer sind etwas aktiver bei der Freiwilligkeit als Frauen. Rund 27 Prozent der Österreicher ab 15 sind ehrenamtlich in Vereinen tätig. Kärnten liegt mit knapp 30 Prozent etwas über dem Bundesschnitt.
Feuerwehr: 282 Menschenleben gerettet
Die 200.000 Stunden der Feuerwehren sind die reinen Einsatzstunden. Mit Ausbildung, Übungen und Wartung kommen noch 1,8 Millionen Arbeitsstunden dazu. 2010 retteten Feuerwehrleute 282 Menschen und sicherten Vermögenswerte von 40 Millionen Euro. „Die Mitgliederzahlen sind seit Jahren leicht ansteigend. Ohne Freiwillige würde sich die Anzahl der Feuerwehren reduzieren“, sagt Oberbrandrat Oskar Grabner.
Pro Mente Hilfe beim Meistern des Lebens
„Mir ist es wichtig, dass unsere Klienten mit Würde und Respekt behandelt werden. Der Dank für meine Arbeit ist, zu sehen, wie psychisch Erkrankte sich verändern und ihr Leben meistern“, sagt Christa Zettl. Sie ist eine von 35 Ehrenamtlichen, die bei Pro Mente in der Nachbetreuung arbeiten. Ohne diese freiwilligen Helfer könnte der Verein sein flächendeckendes Angebot in allen Bezirksstädten nicht ohne enorme Kosten aufrechterhalten.
Bildungswerk: Vom Ehrenamt zum flexiblen Einsatz
Spielenachmittage für Kinder, Altenbetreuung, Bildung für Erwachsene – das sind nur einige der Felder, in dem das Kärntner Bildungswerk sich sozial engagiert. 600 Mitgliedsvereine werden unter diesem Dach betreut. Leiter Michael Aichholzer: „Dass es mehr werden, merken wir nicht. Das freiwillige Engagement hat sich vom lebenslangen Ehrenamt zur flexiblen Mithilfe gewandelt. Darauf müssen sich klassische Vereine einstellen.“
Rotes Kreuz: „Personalkosten würden explodieren“
Jedes Jahr steigt die Anzahl der Freiwilligen beim Roten Kreuz (RK) um drei Prozent. Würde es diese engagierten Mithelfer nicht geben, gäbe es einige Leistungen wohl nicht mehr: „Die Besuchsdienste oder die Krisenintervention müssten wohl eingestellt werden. Unverzichtbar ist natürlich der Rettungsdienst, dort würden die Personalkosten aber explodieren“, sagt RK-Präsident Peter Ambrozy. „Ohne Freiwillige wäre die Arbeit unserer Organisation im derzeitigen Umfang einfach nicht machbar.“
Caritas: „Immer mehr Junge wollen helfen“
Seit ihrer Gründung baut die Caritas auf die Hilfe von Freiwilligen. Sie betätigen sich bei der Telefonseelsorge, der Hospizbegleitung oder bei der Durchführung von Sammlungen. Das Engagement lässt nicht nach – Caritas-Sprecherin Cornelia Leitner: „Immer mehr junge Menschen sehnen sich nach einer sinnvollen Tätigkeit und sind bereit, ihre Freizeit zu investieren.“
