Deutschland: Wehr muss Fahrzeug gegen 10 Jahre älteres Modell eintauschen
Scharfenstein (Deutschland): Nach Neuordnung der Katastrophenschutzzüge bleibt Scharfensteiner Feuerwehr nur das Nachsehen – sie muss eines ihrer Fahrzeuge gegen ein 10 Jahre älteres Modell eintauschen!
Die Neuausrichtung des Katastrophenschutzes in Sachsen hat von der Freiwilligen Feuerwehr Scharfenstein einen hohen Tribut gefordert. Zu Wochenbeginn – 17.1.2011 – wurde der zwölf Jahre alte Rüstwagen (RW1) der Truppe ins vogtländische Reichenbach verlegt. Dafür erhielten die Scharfensteiner von dort ein Ersatzfahrzeug, das schon 22 Jahre auf dem Buckel hat. „Wahrscheinlich auch nur, damit wir ruhig halten“, vermutet Wehrleiter Jens Fichtner.
Im Februar 2010 erhielt er ein Schreiben vom Landratsamt. Darin stand, dass der Vertrag zwischen Kommune und Freistaat zur Nutzung des Rüstwagens zum 31. Dezember 2010 ausläuft und das Auto von dem Zeitpunkt an nicht mehr bewegt werden darf.
„Für mich ist das nicht nachvollziehbar. 1998 hatten sich noch alle mit der In-Dienst-Stellung des Fahrzeugs gegenseitig auf die Schulter geklopft – heute will keiner davon mehr etwas wissen“, schimpft Fichtner. Er schrieb an alle möglichen Verantwortlichen im Landkreis und im Freistaat – bis auf den CDU-Landtagsabgeordneten Günther Schneider habe er kaum offene Ohren gefunden. Enttäuscht sei er vom Landrat. Frank Vogel habe sich eine bestehende Struktur in seinem Landkreis einfach kaputt machen lassen.
Darauf angesprochen, wehrte Pressesprecherin Jutta Leonhardt ab: „Der in Scharfenstein stationierte Rüstwagen ist Eigentum des Freistaates. Auf die Neustrukturierung der Katastrophenschutzzüge haben die Landkreise keinen Einfluss.“ Zugleich betonte die Sprecherin, dass die Übergabe der Fahrzeuge zwischen der Scharfensteiner und Reichenbacher Feuerwehr in beiderseitigem Einvernehmen stattgefunden habe.
Dennoch ist Jens Fichtner unzufrieden. „Gemeinde und Feuerwehr haben so viel investiert, soll das jetzt alles umsonst gewesen sein?“,fragt er sich. Für den Rüstwagen seien damals extra das Scharfensteiner Gerätehaus aus- und umgebaut und die Absauganlage angepasst worden. Die Kameraden hätten ungezählte Lehrgänge besucht, um sich mit der neuen Technik vertraut zu machen. Zudem habe die Kommune das bisherige Fahrzeug technisch aufgerüstet, um die Katastrophenschutz-Ausrüstung zu optimieren. „Aus unserem Fahrzeugbestand war der RW 1 das Fahrzeug mit den meisten Einsätzen. Wir halfen überörtlich beim Hochwasser, beim Sturmtief Kyrill und bei vielen Verkehrsunfällen“, zählt Fichtner Einsätze auf.
Das bisherige Auto war mit einer großen Rettungsschere ausgerüstet. „Daran orientierten sich die benachbarten Wehren in Drebach und Venusberg. Sie schafften selbst nur die kleineren Kombischeren an“, so der Wehrleiter. Wenigstens habe die Wehr Landesmittel bekommen, mit denen diese Technik nun nachgerüstet werden soll. Das 22 Jahre alte Fahrzeug bereitet ihm allerdings Kopfzerbrechen. Denn normalerweise liege die Laufzeit für ein Feuerwehrauto bei 25 Jahren. Danach dürften die Kosten für Reparaturen in die Höhe schnellen.
Der Oldie soll Fichtner zufolge noch für ein bis zwei Jahre in Scharfenstein im Rahmen des Katastrophenschutzes Dienst tun, dann eventuell zum Nulltarif an die Gemeinde übergehen. „Damit wäre dann das endgültige Aus unseres Katastrophenschutzzuges besiegelt.“
