Deutschland: Letzte Rettung bei Brand -> Sprung durch Küchenfenster in 5m Höhe
Kutzleben (Deutschland): Sein Unterhemd hatte Feuer gefangen. Nur ein Sprung aus dem Fenster rettete einem 49-Jährigen aus Kutzleben vor den Flammen, die am Morgen des 4. Februar 2011 seine Wohnung im Gutshaus zerstörten.
Beim Fall aus fünf Meter Höhe zog sich der Mann Knochenbrüche zu. Der Brand wütete drei Stunden.
Allein das Küchenfenster war als Ausweg geblieben. Nur mit Unterwäsche bekleidet, die Schuhe lose an den Füßen, stürzte sich ein 49-Jähriger gestern aus seiner brennenden Wohnung im ersten Stock des Gutshauses. Hinter ihm hatten Flammen alle anderen Räume erfasst. Beim Sturz auf die Natursteintreppe fünf Meter unter dem Fenstersims brach sich der Kutzlebener mehrere Knochen. Er wird im Krankenhaus Bad Langensalza behandelt. Sogar sein Unterhemd musste schon Feuer gefangen haben, bevor das Brandopfer sprang.
Halb im Fallen habe er sich das Kleidungsstück vom Leib gerissen, schildert der Bewohner der Nachbarwohnung die dramatischen Ereignisse am frühen Morgen um etwa 3.45 Uhr. Vom Garten des Gutshauses aus sah er den verzweifelten Fenstersprung. Zuvor hatte er bereits die Feuerwehr alarmiert. „Ich war von lauten Geräuschen im Heizkörper in meinem Schlafzimmer wach geworden. Wahrscheinlich waren die von platzenden Rohren in der brennenden Wohnung nebenan verursacht worden“, erinnert er sich. Tatsächlich sah er den Flammenschein durchs Fenster und roch Brandgeruch, als er seinen im Nebenzimmer schlafenden Bruder weckte.
Unter dem Geheul der Feuerwehrsirene gelangten beide unversehrt über einen separaten Treppenaufgang nach draußen. Die Mieterin aus der Wohnung unter dem Brandherd war verreist, wussten die Brüder. Minuten später trafen die Feuerwehren aus Kutzleben, Lützensömmern und Bad Tennstedt ein. Sanitäter kümmerten sich um den Verletzten, der schmerzverkrümmt unter dem Fenster lag, aus dem Flammen schlugen. „Der Versuch, durch das Haus zum Brandherd vorzudringen, endete zunächst an einer Feuerwand im Flur“, schilderte Einsatzleiter Frank Hoberg den Vollbrand, den er mit seinen Kameraden vorfand.
Von außen rückten die inzwischen von Wehren aus Herbsleben, Kirchheilingen und Bad Langensalza verstärkten Einsatztrupps dem Feuer zu Leibe. Später drangen sie durch die Leichtbauwände aus der Nachbarwohnung zur Brandstelle vor. Die Flammen loderten bereits aus dem geborstenen Dach und hatten fast halbmeterdicke Deckenbalken durchgebrannt. Nach drei Stunden hatten fast 70 Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle. Am etwa 400 Jahre alten Gutshaus entstanden durch Feuer und Löschwasser mindestens 100 000 Euro Schaden. In der ausgebrannten Wohnnung gingen neben Möbeln, Kleidung und Geräten eine Schallplatten- und Büchersammlung in Rauch auf.
