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Deutschland: Feuerwehrchef verliert die Nerven -> Beratung eskalierte

Lengefeld (Deutschland): Bei einer Beratung im Feuerwehrgerätehaus ist der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, Matthias Tutzschky, auf den Kämmerer der Stadt, Holger Beyer, losgegangen und hat ihn angepackt.

Das musste am Mittwoch, dem 9. Februarr 2011, Bürgermeister Ingolf Wappler (CDU) auf Anfrage bestätigen. Verletzt worden sei keiner, da der Ausbruch von anderen Beteiligten schnell unterbunden werden konnte. Auch eine Anzeige sei nicht gestellt worden. Wappler bestätigte, dass Tutzschky, der Mitarbeiter der Stadtverwaltung ist, aufgrund des Vorfalls eine Abmahnung erhalten habe.

Neben dem Bürgermeister war noch Mario Steinert von der Wehrleitung bei dieser Zusammenkunft kurz vor Mitternacht dabei. Es sei in der Runde, die nach einer mehrstündigen Feuerwehrausschusssitzung am 26. Januar stattfand, eigentlich eine sachliche Diskussion um die strategische Ausrichtungen der Wehr gewesen, Festlegungen seien dabei keine getroffen worden. „Aber durch eine Wortwahl des Kämmerers fühlte sich Matthias Tutzschky offensichtlich provoziert“, vermutet Ingolf Wappler. Welches Wort dabei gefallen ist, wollte der Bürgermeister nicht sagen. Wichtig sei ihm vor allem gewesen, dass sich Tutzschky beim Kämmerer entschuldigt habe. Beyer habe diese Entschuldigung angenommen. Der Vorfall, über den Stillschweigen vereinbart wurde, macht jedoch die Runde. Vor allem der anschließende Rücktritt Tutzschkys als Wehrleiter, über den auf der jüngsten Stadtratssitzung informiert wurde, hatte Fragen in der Stadt und bei benachbarten Wehren aufgeworfen.

„Der Rücktritt war eine persönliche Entscheidung Tutzschkys, die ich akzeptiert habe“, so der Stadtchef. „Ich habe Respekt vor seinem ehrenamtlichen Engagement. Er hat die Wehr über acht Jahre geleitet und sich sehr, sehr stark für seine Kameraden eingesetzt.“ Der Vorfall sei sehr bedauerlich, aber man müsse sich eben bei einem Disput auch in der Gewalt haben können.

Tutzschky sagte am Mittwoch gegenüber der „Freien Presse“ nur, dass er keinen Sinn mehr in seiner Funktion gesehen habe. Denn die Stadtverwaltung in Lengefeld habe nicht erkannt, was für eine verantwortungsvolle Arbeit die Feuerwehr für die Stadt leistet.

Damit erfolgte der plötzliche Wehrleiterwechsel in einem für die Lengefelder Floriansjünger bedeutungsvollen Jahr: 2011 soll endlich der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses beginnen. Die Landkreisbehörde hatte im Herbst signalisiert, dass die Förderung von 50 Prozent eingeordnet werde. Der Stadtrat hatte die Weichen dafür gestellt. Über einen Zeitraum von vier Jahren sollen in mehreren Bauabschnitten mehr als eine Million Euro investiert werden.

Geplant ist ein Funktionsgebäude mit drei Stellplätzen – ein vierter ist mit Eigeninitiative der Wehr noch im Gespräch. Gerade Tutzschky hatte seit fünf Jahren auch persönlich um das neue Feuerwehrgerätehaus immer wieder gekämpft. Denn das alte entspricht offenbar im Interesse der Sicherheit bei Unfällen in der Nähe der beiden Trinkwassertalsperren nicht mehr den Anforderungen.

In der dem Vorfall vorausgegangenen Sitzung des Feuerwehrausschusses hätten sich laut Wappler zudem alle Teilnehmer dazu bekannt, dass sich die Lengefelder Feuerwehr weiter in der Abc-Abwehr im Katastrophenschutz im Landkreis engagiert. Ausgewertet worden seien auch die vielen Einsätze zur Schneeberäumung auf den Dächern in der extremen Wetterlage um den Jahreswechsel herum. Ebenso seien Schlussfolgerungen aus dem Unfall gezogen worden, bei dem ein Feuerwehrmann am Neujahrstag schwer verletzt wurde. Der Ausschuss habe sich darauf geeinigt, dass solche Einsätze künftig nur bei Gefahr in Verzug stattfinden werden. Zudem soll noch mehr in die Sicherung der Feuerwehrleute bei derartigen Einsätzen investiert werden.

Freie Presse

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