Nö: Schrecken mit dem Schranken
Kitzendorf (Nö): Der Schranken in der Badgasse stellt ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar. Bis zu 18 Minuten kann er zu sein – und ist dann auch für Einsatzfahrzeuge unpassierbar.
VON CHRISTOPH HORNSTEIN
Das Rotlicht blinkt, der Schranken ist geschlossen. Am Horizont steigen dichte Rauchschwaden auf – ein Sommerhaus im Kritzendorfer Strombad steht in Vollbrand. Drei Minuten nach dem Alarm rückt die örtliche Feuerwehr mit vier Einsatzfahrzeugen aus. Und doch vergehen lange 18 Minuten, ehe die Löschmannschaften beim Brandherd eintreffen. Grund: Der Bahnschranken – er blieb über zehn Minuten geschlossen. „Das ist ein enormes Sicherheitsrisiko“, warnen Siedlerobmann, Ortsvorsteher, Feuerwehr und Rotes Kreuz. Sie planen jetzt ein Sicherheitskonzept.
Egal, ob es in der Siedlung brennt oder ein Herzpatient auf den Notarzt wartet: Bei einem Hilferuf aus der Kritzendorfer Sommersiedlung wissen die Einsatzkräfte, dass jede Minute zählt. „Meldet unsere Alarmzentrale einen Einsatz im Strombad, nimmt die Nervosität automatisch zu. Man will schnell helfen und weiß, beim Bahnübergang in die Siedlung kann es damit vorbei sein. Denn mehrmals pro Jahr stehen wir mit rotierenden Blaulichtern vor dem gesperrten Bahngleis und müssen oft mehr als zehn Minuten warten, ehe der Schranken wieder aufgeht“, schildert Kritzendorfs FF-Kommandant Peter Dussmann.
„Nicht auszudenken, wenn der Textil Müller brennt“
Doch nicht nur die Donausiedlung ist in diesem Zusammenhang großen Gefahren ausgesetzt. Auch die Firma Textil-Müller in der Durchstichstraße kann nur über den Bahnübergang erreicht werden. In dem Gewerbebetrieb werden nicht nur viele hunderte Tonnen Stoff gelagert, während der Einkaufszeiten wird das Firmenareal auch von Kunden regelrecht gestürmt. Dussmann: „Nicht auszudenken, wenn dort ein Brand ausbricht und wir stehen über zehn Minuten vor dem Bahnschranken.“
Um zumindest rasch Erste Hilfe leisten zu können, hat Siedlerobmann Johann Caha – er war selbst Feuerwehrkommandant in Kritzendorf – bereits vor längerer Zeit einen sogenannten Defibrillator angekauft: „Wir mussten auf die langen Schließphasen der Schrankenanlage reagieren. Jeder weiß, dass bei einer Herzattacke innerhalb von vier Minuten eingegriffen werden muss. Deshalb haben sich zehn Siedler und mehrere Feuerwehrleute zu einer Einsatzgruppe zusammengeschlossen, die bei einer Herzattacke vom Roten Kreuz alarmiert wird“, so Caha.
Obmann Caha: „Wenn‘s brennt, sind wir machtlos“
Ist einer der Helfer im Strombad, kann dieser den Defibrillator von seinem Standort holen und zum Patienten eilen. Caha: „Die Gruppe wurde schon mehrmals von der Einsatzzentrale der Rettung verständigt. Das System funktioniert gut, ist aber noch ausbaufähig. Bei Herz- und Kreislaufproblemen können wir uns mehr oder weniger schon selbst helfen. Wenn’s brennt, sind wir eher machtlos. Denn ein Feuerlöscher reicht bei einem Brand im Strombad in den meisten Fällen bei Weitem nicht aus.“ Aus diesem Grund will nun Caha, gemeinsam mit Ortsvorsteher Franz Resperger und der Feuerwehr Kritzendorf ein Sicherheitskonzept ausarbeiten. Resperger: „Erst vor wenigen Wochen ist in der Donausiedlung ein Haus ausgebrannt. Und wieder standen die Feuerwehrautos minutenlang vor dem geschlossenen Bahnschranken. Die Situation war auch deshalb so dramatisch, da befürchtet wurde, dass sich noch eine Mutter mit Kind im brennenden Haus befindet. Das war zum Glück nicht der Fall.“
Caha, Resperger und die Feuerwehr wollen nun gemeinsam ein Sicherheitskonzept erarbeiten, wie es der Feuerwehr künftig möglich sein könnte, rascher mit der Brandbekämpfung im Strombad zu beginnen. Die Bahn wird zu einer Lösung wenig beitragen können. Dort war zu erfahren, dass es gesetzliche Vorgaben gibt, wann ein Schranken zu schließen und wieder zu öffnen ist. Das gebe es keinen Spielraum für Verhandlungen.
