Deutschland: Netzpython unter der Motorhaube
Obergelpe (Deutschland): Da bekam Manfred Bindewald im wahrsten Sinne des Wortes einen tierischen Schreck: Eine riesige Netzpython hatte sich in der Motorhaube seines Wohnmobils versteckt. Wahrscheinlich wurde das Tier bewusst ausgesetzt und ist dann an den erfroren.
Eigentlich will Manfred Bindewald im Motorraum seines Wohnmobils Dienstagabend, 22. Februar 2011, nur einen Scheinwerfer überprüfen. „Nanu, der dicke Schlauch war doch sonst nicht da“, denkt er im ersten Moment. Dann erst erkennt er, was sich da hineingewunden hat: eine überraschend lange und über zehn Zentimeter dicke Riesenschlange. Ehefrau Erna Bindewald wagt nur einen kurzen Blick auf das imposante Reptil mit der glänzenden Haut und will dann, dass die Schlange möglichst schnell verschwindet. „Wir haben die Schlange bestimmt nicht aus dem Urlaub mitgebracht. Wir waren mit unserem Wohnmobil ja nie in Gebieten, in denen solche Schlangen heimisch sind“, versichert Bindewald. Doch wie entfernt man eine Riesenschlange? Wer ist überhaupt dafür zuständig? Manfred Bindewald versucht es bei der Feuerwehr Gummersbach. Frank Feldmann und Markus Sondermann von der Feuerwache kommen sofort nach Obergelpe. „Die ist aber nicht von hier“, meint Feuerwehrmann Feldmann spontan.
Schnell wird klar, dass die Schlange schon lange nicht mehr lebte. „Vermutlich hatte sie sich ein warmes Plätzchen gesucht. Da das Wohnmobil aber nicht täglich bewegt wird, ist sie dann erfroren“, vermutet Bindewald. Markus Sondermann macht mit seinem Handy Fotos von dem Kadaver und schickt sie ans Kreisveterinäramt und ans Kreisumweltamt.
„Bei dem Tier handelt es sich mit 99-prozentiger Sicherheit um einen Netzpython“, sagt Jörg Grüber vom Kreisumweltamt. Ursprünglich lebt die Schlange in den feuchten Sümpfen und Regenwäldern Südostasiens. Sie erreicht regelmäßig eine Gesamtlänge von über 7 Metern und ein Gewicht von über 100 Kilogramm.
„Vielleicht ist das Tier aufgrund der Nachlässigkeit eines Halters entwischt. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Schlange bewusst ausgesetzt worden ist. Sie ist für Hobby-Reptilienhalter schwer zu halten, da sie etwas aggressiv ist“, sagt Grüber. In der Nachbarschaft der Osterhofstraße ist allerdings kein Schlangenfreund oder Reptilienhalter bekannt. „Schlangen dieser Art haben wir nur ein- bis zweimal im Jahr im Oberbergischen“, erklärt Jörg Grüber.
Die fast noch gefrorene Schlange wurde in mehrere Teile zerlegt, aus dem Motorraum geborgen und schließlich fachgerecht entsorgt.
