Deutschland: Banale Einsätze nerven die Feuerwehren im Landkreis Freising
Landkreis Freising (Deutschland): Die Feuerwehr hilft immer: Wenn die Waschmaschine leckt, Äste auf der Straße liegen oder das Essen angebrannt ist. Solche Lappalien allerdings nerven die Einsatzkräfte. Die Kommandanten beklagen die mangelnde Eigeninitiative der Bürger.
Reinhold Kratzl, Kommandant der Neufahrner Floriansjünger, ist genervt von den „Aufträgen“, die seine Wehr teilweise von den Bürgern erhält. „Ein Drittel unserer Einsätze sind keine Aufgaben der Feuerwehr“, sagt Kratzl. „Ein weiteres Drittel würde sich mit etwas handwerklichem Geschick ebenfalls ohne uns lösen lassen.“ Nur die verbleibenden 33 Prozent rechtfertigen aus seiner Sicht den Notruf. Der „Blödsinn“, wegen dem bei der FFW Neufahrn viel zu oft das Telefon klingele, reiche von heruntergefallenen Ästen, „die auch ein Kind wegtragen kann“, über eine Supermarkt-Umwälzpumpe, „die halt a bisserl heiß geworden ist“, bis zu überaufmerksamen Fußgängern: „Da lüftet einer sein Fenster, weil ihm etwas angebrannt ist, und unten geht ein anderer vorbei, der gleich bei der Feuerwehr anruft.“
„Früher haben Autofahrer halt auch mal nach einem Sturm ein paar Äste selbst von der Straße geräumt, heute wird da gleich die Feuerwehr alarmiert“: Freisings Kommandant, Stadtbrandinspektor Anton Frankl spricht vom vielen „Kleinzeug“, bei denen er und seine Mannen anrücken müssten: „Es hat da ein Selbstverständnis um sich gegriffen, dass für alles und jedes gleich die Feuerwehr gerufen wird.“ Der Mut zur Eigeninitiative werde immer weniger. Zu dem „Kleinzeug“ gehört in der Freisinger FFW-Historie eine übergelaufene Waschmaschine, deren Wasserfilm am Kellerboden nicht der Besitzer, sondern die fix gerufenen Floriansjünger aufsaugen mussten: „Wir haben’s auch getan, aber den Eigentümer darauf hingewiesen, das nächste Mal doch bitte den Putzlappen selber in die Hand zu nehmen.“
Eines will Frankl ausdrücklich betonen: „Wir sind eine freiwillige Wehr, keine Berufsfeuerwehrmänner.“ Diesen Umstand würden vor allem Zuzügler, die aus Städten mit Berufs-Floriansjüngern nach Freising kommen, vergessen: „Bei uns hat jeder noch einen Hauptberuf.“ Und deswegen kann es für den engagierten Ehrenamtlichen heikel werden, wenn er am Arbeitsplatz fehlt, merkt der Stadtbrandinspektor an.
Auch die Feuerwehr Moosburg muss „immer mal wieder“ zu banalen Fällen ausrücken. Beispiele: Eine Dachrinne ist verstopft, oder im Keller steht ein Wasserfilm von einem Zentimeter. Kommandant Gerhard Hochleitner: „Die Hemmschwelle, zuerst die Feuerwehr zu Hilfe zu rufen, sinkt immer weiter. Obwohl die Anrufer sich meist selbst helfen könnten.“ Aber: „Wir sind die Feuerwehr, und wenn wir alarmiert werden, rücken wir aus.“ Im schlimmsten Fall bekämen die Hilfesuchenden im Nachhinein eine Rechnung von der Wehr.
