Wien: Zentralfeuerwache: Sanierung bis Ende 2012
Wien, Innere Stadt: Die Sanierung der Zentralfeuerwache am Hof geht in die Zielgerade: Die Häuser 7 und 10 wurden bereits bis Mai 2011 fertiggestellt, das Haus 9 soll bis Ende 2012 fertig sein.
Die Kosten des Projekts waren allerdings explodiert.
Branddirektor: Keine Kostensteigerung mehr
„Wir liegen voll im Zeitplan und sollten bis Ende 2012 alle Gebäude saniert haben“, versicherte der Wiener Branddirektor, Gerald Hillinger, bei einer Begehung des Hauses. Auch eine weitere Erhöhung der Kosten schloss Hillinger derzeit aus.
Das Sanierungsvorhaben Zentralfeuerwache hat bereits das Kontrollamt beschäftigt. Dieses stellte 2010 fest, dass die ursprünglich veranschlagten Kosten von 16,8 Millionen Euro auf rund 50 Millionen Euro regelrecht explodiert sind.
ÖVP und FPÖ brachten daraufhin einen Misstrauensantrag gegen Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) ein, der von der damals noch alleinregierenden SPÖ im Gemeinderat abgelehnt wurde.
Brauner: Projekt hat sich verändert
Der Branddirektor betonte, dass die Kostenabweichung auf mehrere Faktoren zurückzuführen sei. So hätte man zum einen in der Anfangsphase ein anderes Projekt eingereicht, das deutlich kleiner gewesen wäre. Zum anderen hätten Ereignisse wie der Papstbesuch, für den eine Baustelle früher habe fertiggestellt werden müssen, und intensivere archäologische Grabungsarbeiten zu höheren Ausgaben geführt.
Auch Brauner versicherte: „Das Projekt hat sich im Laufe der Zeit verändert und es wäre unverantwortlich gewesen, weiterhin am alten Plan festzuhalten, obwohl sich weitere notwendige Sanierungsbereiche aufgetan haben.“
Man hätte nämlich schon nach wenigen Jahren wieder sanieren müssen und so habe man gleich alles in einem gemacht und höhere Kosten in Kauf genommen, bekräftigte die Stadträtin. Auf die Frage, ob nochmals eine weitere Kostensteigerung zu erwarten sei, versicherte der Branddirektor, dass man derzeit nicht davon ausgehe.
Gesamtkosten liegen bei 49,8 Millionen Euro
Insgesamt werden am Standort der Wiener Zentralfeuerwache 21.000 Quadratmeter Gesamtfläche saniert und über 300 Kilometer Kabeln – das entspricht in etwa der Strecke von Wien nach Salzburg – für Elektro-, Nachrichten- und Computerleitungen neu verlegt. Die Gesamtkosten betragen laut derzeitigem Stand inklusive Steuern 49,8 Millionen Euro.
Haus 9 wird drezeit generalsaniert
Zurzeit werde das Haus 9 generalsaniert. Bis Dezember 2011 werden die Stockwerke vier bis sechs, inklusive Nachrichtenzentrale, fertiggestellt. In der zweiten Bauphase, die bis November 2012 dauern soll, werden die Untergeschoße plus Keller saniert. In den letzten Wochen vor dem geplanten Bauende soll noch die Hoffläche bearbeitet werden.
Durch die schon fertiggestellten Sanierungsarbeiten wurde bereits mehr Raum geschaffen. Nicht genutzte Bereiche wie Dachboden oder Keller wurden damit zugänglich.
Zudem wurden laut Feuerwehr die teils schon großen technischen Mängel in der Elektronik behoben und alle Installationen erneuert. Die technische Ausstattung für Alarmierungs-und Notstromeinrichtungen wurde auf den letzten Stand gebracht, hieß es.
Haus 7 aus dem Jahr 1730
Die Anlage besteht aus drei einzelnen Bauten. Das Gebäude Am Hof 7 aus dem Jahr 1730 wurde 1935 übernommen und wurde bereits fertiggestellt. Hier findet sich auch das neue Feuerwehrmuseum, das mit Artefakten aus vier Jahrhunderten Brandbekämpfungsgeschichte aufwartet.
Im Haus Nr. 9 befanden sich bereits 1686, dem Gründungsjahr der Wiener Berufsfeuerwehr, die ersten vier Feuerknechte.
Tragischer Kranunfall im Juni 2007
Das nebenliegende Gebäude Nr. 10 wird hingegen seit 1884 von der Feuerwehr genutzt. Dieses wurde bis 2007 von der markanten Figurengruppe „Tapferkeit und Beharrlichkeit“ gekrönt, welche die vergoldete Weltkugel samt kaiserlichem Monogramm auf ihren Schultern trug.
Sie wurde jedoch bei dem tragischen Kranunfall im Juni 2007 zerstört, als während eines schweren Unwetters das gigantische Arbeitsgerät auf das Gebäude stürzte, wobei der Kranführer getötet wurde.
Die Skulpturen werden rekonstruiert. Dies ist ein Grund, weshalb sich die Kosten für den Umbau gegenüber den ersten Schätzungen empfindlich verteuert haben.
