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Deutschland: 7,5 Tonnen Führerschein -> Feuerwehren werden Fahrschulen

Landkreis Augsburg (Deutschland): Vom neuen Führerschein profitieren vor allem kleine Wehren und Rettungsdienste. Kommandanten sehen das nicht nur erfreut.

Die kleinen Wehren atmen auf: Ein neuer Führerschein ermöglicht Feuerwehrleuten, größere Einsatzwagen zu steuern, auch wenn sie keine Lkw-Faherlaubnis besitzen. Entscheiden, wer fahren darf und wer nicht, müssen die Wehren aber selbst.

Den Fahrlehrer möchte Horst Kügler eigentlich nicht spielen. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Stettenhofen freut sich zwar über den neuen Führerschein, jedoch müsse man beide Seiten der Medaille betrachten. Es sei „sehr problematisch“ den Kommandanten über die Vergabe der Führerscheine entscheiden zu lassen. Alfred Reiner, Kommandant in Gablingen, sieht dies genauso: „Ich halte nicht viel davon, dass ich jetzt Fahrstunden geben soll.“

Seit 1. September 2011 gibt es den sogenannten „Feuerwehrführerschein“. Dieser ermöglicht es Feuerwehrleuten und Sanitätern, schwere Lösch- und Rettungsfahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen auch ohne Lkw-Führerschein zu fahren. Nur wer seinen Führerschein vor 1999 erworben hatte, konnte bisher die schweren Einsatzwagen steuern. Laut neuer Regelung soll die Fahrerlaubnis organisationsintern vergeben werden. Die Feuerwehren können jedoch auch mit Fahrschulen zusammenarbeiten. Auf diese Weise möchte Wolfgang Baumeister, Kommandant in Gersthofen, vorgehen. „Dann wird kein Kollege mit dieser Verantwortung belastet.“

Die meisten Einsatzfahrzeuge sind schwerer als 7,5 Tonnen
Den neuen Führerschein hält Baumeister für eine „gute Sache“, obwohl die Gersthofer Feuerwehr davon kaum profitieren werde. Fünf der sieben Fahrzeuge der Truppe sind schwerer als 7,5 Tonnen. Zudem besitzt der Großteil der Feuerwehrleute einen Lkw-Führerschein. Bis zu 3000 Euro kostet dieser. 1500 Euro Zuschuss gibt es von der Stadt Gersthofen.

Auch die Gemeinde Dinkelscherben fördert ihre Feuerwehrleute. 700 Euro bekommt, wer einen 7,5-Tonner oder mehr fahren möchte. „Dafür muss man sich dann aber auch verpflichten, sieben Jahre bei der Feuerwehr zu bleiben“, erklärt Erwin Gumpinger, Kreisbrandmeister und Kommandant in Dinkelscherben. Durch den Feuerwehrführerschein ändere sich in Dinkelscherben kaum etwas, da in ländlichen Gegenden sowieso viele im Besitz eines C-Klasse-Führerscheins seien, um Traktoren zu steuern.

Von der neuen Regelung profitieren vor allem kleine Wehren. „Wir haben viele gute, junge Leute, die bisher nicht fahren durften“, sagt Horst Kügler aus Stettenhofen. Klemens Krebs, Kommandant aus Zusmarshausen, freut sich darüber, dass nun auch die jungen Feuerwehrleute, die kleineren Einsatzfahrzeuge fahren können. Von 64 Aktiven in Gablingen haben 23 den Lkw-Führerschein. Für die Jungen sei die neue Regelung durchaus sinnvoll, erklärt Alfred Reiner, dennoch bleibe die Frage der Ausbildung.

Bereits Erfahrung damit, den eigenen Leuten Fahrstunden zu geben, hat man beim Bayerischen Roten Kreuz im Augsburger Land. Der Kreisverband setzt auf Schulung seiner Mitarbeiter. Seit 2009 gibt es den „kleinen Führerschein“. Dieser erlaubt die Vergabe einer Fahrerlaubnis für Einsatzautos bis zu 4,75 Tonnen.

Viele Rettungswagen sind 4,6 Tonnen schwer. Daher, erklärt der Leiter des Rettungsdiensts, Manfred Rupprecht, habe das Rote Kreuz vom kleinen Feuerwehrführerschein stark profitiert. Mit 7,5 Tonnen sind nun auch Intensivtransportwagen mit eingeschlossen.

Seit 2009 vergibt der Kreisverband Führerscheine. Acht Fahrstunden und die Einweisung in die Funktionsweise der Rettungswagen reichen aus, erklärt Manfred Rupprecht. Doch auf die Straße lasse man nicht jeden.

Augsburger Allgemeine

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