Deutschland: Papa rettet Vogel, Feuerwehr rettet Papa
Chemnitz (D): Es ging um die Ehre eines Vaters: Thomas Graf (48) riskierte Kopf und Kragen, um den entwischten Wellensittich seines Sohnes Johnny (15) aus einem Baum zu retten.
Das lieb gewonnene Federvieh hatte Frühlingsluft geschnuppert, als die Balkontür in der Parkstraße offen stand. Der 48-Jährige spürte den Wellensittich auf einem Baum unweit der Wohnung auf, kletterte hinauf – aber am Ende mussten beide von der Feuerwehr gerettet werden.
„Ich war gerade mit dem Auto in der Werkstatt, als mich Johnny anrief und sagte, dass sein Wellensittich Peter weggeflogen sei. Ich bin sofort nach Hause gefahren, um den Vogel zu suchen“, sagt Thomas Graf. Sein Sohn war aufgelöst. Schließlich hängt er sehr am Federvieh – zumindest im übertragenen Sinne. „Es bahnte sich eine Familientragödie an, der Haussegen hing schief wegen des verschwundenen Krawallsacks“, sagt der Vater. Der 48-Jährige versprach, Peter zu finden – koste es, was es wolle. „Nach zweistündiger Suche entdeckte ich den Ausreißer nicht weit entfernt vom Haus auf einem Baum in der Parkstraße. Weil ich nicht ohne Hilfe hinaufkam, hievte mich ein Nachbar hoch. In sechs Meter Höhe schnappte ich Peter schließlich.“ Sieg auf ganzer Linie – dachte Thomas Graf. Aber: Dummerweise kam er vom Baum nicht wieder runter. „Ich hatte ja nur eine Hand zum Klettern frei. Zudem bin ich nicht mehr der Jüngste.“ Also musste die Feuerwehr mit der Drehleiter zur Rettung beider anrücken. „Ein großer Dank an die Feuerwehr. Es ist nun mal so, dass man sich als Vater vor manchen Dingen nicht drücken kann. Nun bin ich der Held für Johnny und meine Frau“, sagt Thomas Graf schmunzelnd. Übrigens: Bezahlen muss der Vogel-Retter den Blaulicht-Einsatz nicht: Personenrettungen sind bundesweit kostenlos.
Sächsische Zeitung, 26. März 2012
