Tirol: Felsbrocken erfasste Reisebus bei Pfunds – Fahrer getötet
Pfunds (Tirol): Tödliche Naturgewalten am 29. März 2012 oberhalb der Engadiner Straße: Im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet unweit von Martina (CH) stürzten kurz nach 14 Uhr …
… riesige Felsbrocken und Bäume ab. In diesem Moment war ein deutscher Reisebus von Pfunds kommend in Richtung Scoul (Engadin) unterwegs.
Drei Augenzeugen, die in einem Pkw hinter dem Bus fuhren, schilderten die dramatischen Sekunden so: Der Bus soll mit 70 bis 80 km/h auf der kurvenreichen Straße gefahren sein. „Plötzlich haben wir eine Staubwolke oberhalb der Straße gesehen.“ Der Bus sei dann von den Felsbrocken zertrümmert und über die Gegenfahrbahn hinausgeschoben worden. Der vordere Teil hing in der Luft, der Bus drohte über den steilen Hang abzustürzen. „Wir haben voll gebremst und den Retourgang eingelegt“, erzählten die Augenzeugen, die mit dem Schrecken davongekommen waren.
Eine grenzüberschreitenden Such- und Hilfsaktion mit starker Beteiligung aus dem Bezirk Landeck wurde eingeleitet. Etwa 150 Einsatzkräfte von Bergrettung, Feuerwehr und Rotem Kreuz sowie vier Hubschrauber waren vor Ort. Der deutsche Buslenker, der aus dem Fahrzeug geschleudert wurde, konnte am Innufer nur noch tot geborgen werden. Der Mann, der allein unterwegs war, hätte dem Vernehmen nach eine Gruppe Urlauber aus Livigno abholen sollen.
Fast zeitgleich zum tödlichen Felssturz an der Tiroler Grenze sah sich Landesgeologe Gunther Heißel einen Hangrutsch in Oberhofen an. Am Tag zuvor musste er wegen kleinerer Blockstürze nach Kappl. Der Boden kommt nicht zur Ruhe. Und abgesehen von dem durchnässten Hang oberhalb der Mautstelle Schönberg, durch den eine Stützmauer auf einen Lkw gestürzt war, beschäftigt den Landesgeologen derzeit ein zweiter Bereich entlang der Brennerautobahn.
Die Erde rutscht oberhalb des Westasts, bei der Verbindung von der Inntalautobahn in Richtung Süden. Zwar nur ein bis zwei Millimeter pro Stunde, „aber auch das summiert sich“, gab Heißel zu bedenken. Wie erst jetzt bekannt wurde, begannen sich die etwa 5000 Kubikmeter Erde etwa vor zwei Wochen – zeitnah zum Unglück in Schönberg – zu bewegen. Laut Tirols Asfinag-Chef Klaus Fink habe ein Spaziergänger es bemerkt. Mit Anker und Ankerbalken sowie einer Plane versucht die Asfinag verschiedene Sicherungsmaßnahmen. „Vor drei Tagen wurde auch noch sicherheitshalber die rechte Spur gesperrt“, sagte Fink.
Der wasserempfindliche Hang verfügt eigentlich seit 2009 über eine bewehrte Erdkonstruktion und ein Steinschlagnetz. Genau das könnte durch den Erdrutsch mitgerissen werden, wenn die Witterung ungünstig sei, so Heißel: „Jetzt ist die Frage, wer schneller ist. Die Arbeiter mit den Sicherungsmaßnahmen oder die Natur.“
Weitere Ereignisse können außerdem nicht ausgeschlossen werden. „Ich fürchte schon, dass man in den nächsten Wochen noch mit dem einen oder anderen Hangrutsch oder Blocksturz rechnen muss“, sagte Heißel, als er noch nichts von dem tödlichen Felssturz nahe Pfunds wissen konnte.
Tiroler Tageszeitung (Fotostrecke)
