Das HLF für die engen Gassen von Bad Vöslau

BAD VÖSLAU (NÖ): Im Herbst 2019 stellte die Freiw. Feuerwehr der Stadt Bad Vöslau (Niederösterreich) einen regelrechten Shootingstar in den Dienst. Das neue Hilfeleistungsfahrzeug der Nö. Baurichtlinie 2. Die wohl größte Besonderheit ist das MAN TGM 16.290 EURO 6 Fahrgestell mit Allison Vollautomatikgetriebe. Dank der Fahrzeugbreite von 2,30 m und dem 3,70 m Radstand eignet es sich perfekt für die vielen engen Gassen in Bad Vöslau. Daniel Wirth, Mitglied der Bad Vöslauer Wehr, hat es dann auch noch verstanden, den Neuling perfekt in Szene zu setzen.

Text und Fotos von Daniel Wirth, Beitrag freundlicherweise vom Feuerwehrmagazin Brennpunkt zur Verfügung gestellt, wo der Artikel im Dezember 2019 zu finden war.

Im September 2019 konnte die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Bad Vöslau im niederösterreichischen Werk Neidling ein neues Fahrzeug von Rosenbauer übernehmen. Das Hilfeleistungsfahrzeug der Nö. Baurichtline HLF-2 ersetzt das 32 Jahre alte Tanklöschfahrzeug.

Aufmachung des Brennpunkt-Artikels für das Fahrzeug in der Ausgabe 6 / 2019 im Dezember.

Enger Radstand für die Gass‘ln

Als Trägerfahrzeug für den feuerwehrtechnischen Aufbau dient ein MAN TGM 16.290 mit moderner EURO 6 Abgastechnologie und Allison Vollautomatikgetriebe.
Der Lastwagen wiegt 16 Tonnen, ist 2,30 m breit, 7,30 m lang und 3,30 m hoch. Durch den engen Radstand von 3,70 m sind auch engste Kurven oder schmale Gassen keine Herausforderung. Mit der Abgasstufe EURO 6 erfüllt der neue Bad Vöslauer die letzten und strengsten Abgasrichtlinien und ist damit umweltfreundlich unterwegs.
Die 213 kW aus dem Dieselmotor werden über ein Allison–Vollautomatik Wandlergetriebe mit Retarder, permanent auf alle vier Räder übertragen. Zusätzlich sind ein Längsausgleich und zwei Differenzialsperren für Geländefahrten vorhanden.

Umfassendes Equipment für viele Einsatzanlässe

Die niederösterreichische Baureihe HLFA 2 sieht ein modernes, kompaktes Universalfahrzeug mittlerer Baugröße vor, das von Rosenbauer mit dem feuerwehrtechnischen Aufbau „AT3 – Neu“ umgesetzt worden ist. Der Besatzung von acht Feuerwehrmitgliedern stehen 2.000 Liter Löschwasser und 100 Liter Mehrbereichsschaummittel sowie umfangreiche Gerätschaften zur Brandbekämpfung, für den Schadstoffersteinsatz und für Unwetterereignisse zur Verfügung.

Über die Feuerlöschkreiselpumpe Type N35 können bis zu 3.500 Liter Löschwasser pro Minute bei 10 bar Ausgangsdruck abgegeben werden. Das Schaumzumischsystem FixMix ermöglicht des Weiteren die Zugabe von Schaummittel in den Zumischraten von 0,5 %, 3 % und 6 %. Im Einsatzfall kann das Löschwasser bzw. das Schaummittel-Wassergemisch über eine Normaldruckschnellangriffshaspel, vier Seitendruckausgänge oder einen Frontdruckausgang abgegeben werden.

Zur Beladung des Hilfeleistungsfahrzeuges 2 Bad Vöslau zählen unter anderem zwei Unterwassertauchpumpen, ein tragbarer, oszillierender Wasserwerfer mit einer Literleistung von bis zu 2.000 Liter pro Minute, ein Sprungkissen für eine Rettungshöhe von bis zu 16 Metern, ein akkubetriebener Hochleistungslüfter sowie ein leistungsstarker, benzinbetriebener Hochleistungslüfter mit Leichtschaumaufsatz. Außerdem verfügt das Fahrzeug über ein Halligan- sowie TNT-Tool, eine Rettungskettensäge, einen Motortrennschleifer, umfangreiches Schlauchmaterial und ein 30 Meter C-Schlauchpaket. Weiters finden sich ein Absturzsicherungsset, ein hydraulischer Türöffner mit 720 bar Hydraulikdruck, LED-Lichtfluter und ein LED-Akkulichtfluter, umfangreiches Handwerkzeug, ein Notfallrucksack mit Defibrillator und ein Spineboard mit Korbschleiftrage an Bord.

Drei Löschlanzen an Bord

Um Schwelbrände in Bauteilfugen oder unter Blechkonstruktionen wirksam bekämpfen zu können, verfügt das HLFA2 über drei Löschlanzen, deren geschmiedete Spitze Materialien durchschlagen und in die Unterkonstruktion getrieben werden können.

Einweg-Körperschutz & mehr

Dem Atemschutztrupp, der aufgrund der mitgeführten Einweg- Körperschutzausrüstung auch einfache Schadstoffeinsätze und Menschenrettungen durchführen kann, steht eine druckluftbetriebene Doppelmembranpumpe zum Umpumpen von geringen Mengen Schadstoff, Erdungsmaterial, Auffangwannen bis zu 550 Liter und viele Abdichtmaterialien zur Verfügung. Im Fahrzeug wird ein 28 Volt- Akku der Firma Milwaukee geladen, mit dem ein leistungsstarker LED- Lichtstrahler, eine Schlagbohrmaschine, sowie eine Handkreissäge (z.B. zum Öffnen von Fußböden im Bereich von Rauchfängen) betrieben werden können.

LED-Technik durch und durch

Der gesamte feuerwehrtechnische Aufbau verfügt über modernste LED – Beleuchtungstechnik. Von den Blaulichtern über die Verkehrsleiteinrichtung, der Umfeldbeleuchtung, dem dreh- und schwenkbaren Lichtmast bis zur Mannschaftskabinenbeleuchtung wurde alles mit LED-Technik ausgestattet. Damit ist auch ein sicheres, effektives Arbeiten in der Nacht gewährleistet. Für den Fahrer werden alle wichtigen Informationen in einem CAN-Bus Terminal in der Fahrerkabine und am Pumpenbedienstand angezeigt. Eine Rückfahrkamera mit Mikrofon sorgt zusätzlich für Sicherheit.

Emerec unterstützt

Der Gruppenkommandant bekommt alle wichtigen Informationen eines Feuerwehreinsatzes auf ein Tablet mit der Rosenbauer- Lageführungssoftware „EMEREC“, auf welchem unter anderem Brandschutzpläne, Rettungskarten oder Gefahrgutdatenblätter gespeichert sind. Eine Einsatzdokumentation in Echtzeit ist damit ebenso möglich.

Blick in die Mannschaftskabine

In der Mannschaftskabine befinden sich drei Atemschutzgeräte. Die Ausrüstung für den Atemschutztrupp wie Funkgeräte, Feuerwehrgurte, Wärmebildkamera, Führungsleine und Handscheinwerfer ist im „Actiontower“ (=Werkzeugturm) untergebracht.

Was gibt‘s am Dach?

Auf dem Fahrzeugdach befindet sich eine zweiteilige Schiebleiter mit einer maximalen Rettungshöhe von zehn Metern. Ebenso sind eine Mehrzweckleiter und eine Teleskopleiter an Bord.

Tools für die Sauberkeit

Für die Einsatzkräfte ist eine Hygienewand verbaut. Hier kann eine Grobdekontamination vorgenommen werden. Auch ein Druckluftanschluss ist vorhanden. Ein besonderes Augenmerk wurde der Dekontamination und Einsatzhygiene gewidmet. Mit der erweiterten Hygienewand können grobe Verunreinigungen am Feuerwehrmann und dessen Ausrüstung beseitigt werden. Die verschmutzte Einsatzbekleidung kann in auflösbaren Wäschesäcken verpackt im Geräteraum 4 transportiert werden. Somit können keine Schadstoffe in den Mannschaftsraum gelangen. Für den Weg ins Feuerwehrhaus zur persönlichen Reinigung bzw. bei stark schmutzenden Arbeiten (zur Schonung der Einsatzbekleidung) wird eine Einwegbekleidung mitgeführt. Ein sauberes Arbeiten, Ablegen und Reinigen des Atemschutzgerätes erfolgt auf einer eigenen PVC-„Atemschutzplane“. Die Reinigung erfolgt mit handelsüblichen Gartenschläuchen und Bürsten, die ebenfalls am Fahrzeug mitgeführt werden.

Wärme im Winter

Für längere Einsätze in den Wintermonaten ist das Einsatzfahrzeug übrigens mit einer Standheizung ausgestattet.

Einsatztaktik

Das Hilfeleistungsfahrzeug 2 ist in der Ausrückeordnung der Bad Vöslauer Feuerwehr als erstes Fahrzeug bei Brandeinsätzen und Brandmelderauslösungen eingetragen. Ebenso rückt das HLFA2 in Ergänzung zum HLFA 3 bei Schadstoffeinsätzen aus. Bei ausgedehnten Unwetterlagen wird das neue Einsatzfahrzeug auch zum Auspumpen oder Beseitigen von Sturmschäden als drittes Löschgruppenfahrzeug der Bad Vöslauer Wehr eingesetzt.

Freiw. Feuerwehr Bad Vöslau
Feuerwehrmagazin Brennpunkt

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