Bayern: Feuerwehr München erhält Hightech-Schutzbekleidung auch aus Österreich → Kräfte ab März 2021 mit Texport & S-Gard unterwegs

MÜNCHEN (BAYERN): Die Feuerwehr der Landeshauptstadt München erhält eine neue, speziell auf ihre Anforderungen zugeschnittene Schutzbekleidung. Die neuen Anzüge, bestehend aus Brandschutzjacke und -hose, wurden von einem Ingenieurbüro konzipiert und haben ein komplett eigenständiges Design. Im Anschluss finden Sie in Wort, Bild und Video einen ausführlichen Einblick.

Mit der Produktion der Schutzbekleidung wurden zwei führende Hersteller für Feuerwehrschutzbekleidung in Europa beauftragt: die österreichische Firma TEXPORT und das deutsche Unternehmen S-GARD. Während TEXPORT die Brandschutzhose fertigt, stellt S-GARD die Jacke mit dem integrierten Rettungs-Gurtsystem (IRS) her. Neben sehr hohen Material- und Normanforderungen hatten die beiden Konfektionäre auch genaue Schnittvorgaben zu beachten. Anlässlich des Europäischen Tag des Notrufs am 11. Februar 2021 stellt die Feuerwehr München ihre neue Schutzausrüstung im Rahmen des bundesweiten Feuerwehr-Twittergewitters erstmals vor.

Ab März auf den Straßen

Ab März 2021 wird die neue Schutzkleidung auf Münchens Straßen zum Einsatz kommen. Oberbranddirektor Dipl.-Ing. Wolfgang Schäuble der Feuerwehr München erklärt dazu: „Die neue Schutzkleidung bietet unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr München den nach aktuellem Stand der Technik bestmöglichen Schutz bei ihrer gefährlichen Arbeit. Neben einem hervorragenden Isolationsvermögen haben wir großen Wert auf perfekten Nässeschutz, effiziente Atmungsaktivität und einen möglichst großen Tragekomfort gelegt.

Zusammenarbeit mit zwei Konfektionären

Die Zusammenarbeit mit zwei Konfektionären an einem gemeinsamen Schutzanzug war für uns alle ein Novum. Das Ergebnis beider Hersteller ist herausragend und entspricht, sowohl was die Qualität der eingesetzten Materialien als auch deren Verarbeitung angeht, genau unseren aktuellen Anforderungen.“ Sowohl S-GARD als auch TEXPORT verarbeiten hochwertige Materialien der neuesten Generation. So setzen sie als Nässesperre und Isolation die Parallon® System 600 Membrantechnologie von Gore® ein.

Hightech-Membran

Die Hightech-Membran bietet sehr guten thermischen Schutz und gleichzeitig sehr hohe Atmungsaktivität. Die Technologie gilt derzeit als State-of-the-Art und schützt im nassen Zustand besser als alle anderen aktuell erhältlichen Systeme. Ergänzt wird dies durch den Einsatz von Saugsperren. Durch eine spezielle Verarbeitungstechnik, die nach eigenen Angaben nur wenige Firmen umsetzen können, stellen die Hersteller sicher, dass der geforderte, hundertprozentige Nässeschutz in der Bekleidung gewährleistet wird.

Einmalige Doppelvergabe

Beide Konfektionäre zeigten sich von der Zusammenarbeit an der neuen Schutzbekleidung für die Münchner Feuerwehr angetan: „Die einmalige Konstellation einer Doppelvergabe einer so anspruchsvollen Ausschreibung hat uns sehr erfreut. Gemeinsam haben wir das wichtigste Ziel – den Einsatzkräften der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr München höchstmögliche Sicherheit bei ihrer Arbeit zu bieten – vollends erreicht!“

Fachinformation zur neuen Schutzausrüstung

Die neue persönliche Schutzausrüstung ist ein technisches Wunderwerk mit hohem Wiedererkennungswert im typischen „Münchner Design“.

Die Berufsfeuerwehr wird ab dem 1. März mit der neuen Schutzausrüstung zu Einsätzen im Münchner Stadtgebiet ausrücken. Dann werden 4.200 neue Einsatzjacken, 5.700 Einsatzhosen, 3.000 Rettungsgurte und 3.000 Flammschutzhauben in der Landeshauptstadt unterwegs sein – aber natürlich niemals gleichzeitig.

Neue Dienstkleidung seit Jahresbeginn 2021

15 „Münchner Kindl“ schmücken jede neue Schutzausrüstung, unter anderem auf Kragen und Hosenträger. Seit Jahresbeginn 2021 tragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tagesdienstes bereits die schicke neue Dienstkleidung im Büro. Die Kleidung der Freiwilligen Feuerwehr wird voraussichtlich ab April umgestellt.

Um die bestmögliche Ausrüstung zu erhalten, hat die Münchner Feuerwehr einen ungewöhnlichen Weg beschritten. Nach umfangreichen Tests von Schutzanzügen „von der Stange“ beauftragte die Branddirektion ein technisches Beratungsbüro mit der Entwicklung der bestmöglichen Schutzausrüstung zwischen Komfort und Schutz. Und im leicht wiedererkennbaren, in Feuerwehrkreisen sogenannten „Münchner Design“.


Das beste Material auf dem Markt

Die figurbetonte Kombination aus Brandschutzjacke und -hose wurde mit Hilfe vieler aktiver Feuerwehrleute aus den Erfahrungen und typischen Belastungen des Feuerwehr-Alltags entwickelt. Das führte zu einem hohen Tragekomfort bei allen Bewegungs- und Einsatzarten.

Die High-Tech-Membran des GORE® PARALLON® System 600 vermeidet Hitzestress bei gleichzeitiger Wärmeisolation; bietet eine Nässesperre, die Löschwasser und Chemikalien abhält, und schützt dadurch vor Verbrühungen.

Die Molekularstruktur der Membran filtert außerdem krebserregende Stoffe, kontaminiertes Blut und Krankheitserreger heraus und dient damit gleichzeitig der Gesundheitsvorsorge. Mit der Produktion der Schutzbekleidung wurden zwei führende Hersteller für Feuerwehrschutzbekleidung in Europa beauftragt: die österreichische Firma TEXPORT und das deutsche Unternehmen S-GARD. Während TEXPORT die Brandschutzhose fertigt, stellt S-GARD die Jacke mit dem integrierten Rettungs-Gurtsystem (IRS) her.

Münchner Design

Seit jeher ist die Münchner Feuerwehr stolz auf den Wiedererkennungswert ihrer Uniformen. Diese Tradition wird auch bei der neuen Generation der Schutzausrüstung weitergeführt. Figurbetont, im vertrauenserweckenden Dunkelblau sowie den Stadt- und Feuerwehr-Farben Gelb und Rot und verziert mit dem Stadtwappen, dem Münchner Kindl. Der gelbe Abriebschutz im Schulterbereich ist beispielsweise dem alten Koller nachempfunden.

Die roten Besätze finden sich nicht nur bei der Dienstkleidung im Büroalltag wieder – auch die Schnalle des integrierten Rettungsgurt-Systems ist im gleichen Rotton gehalten. Die schrägzulaufenden Leuchtstreifen geben der neuen Münchner Schutzkleidung auch im Dunkeln ihren dynamischen Look.
Und das Münchner Design schmückt dazu eine pfiffige Neuerung, auf die sich Feuerwehrleute schon lange freuen: Einer Spezialtasche am unteren Hosenbein für Holzkeile, die Feuerwehrleute häufig kniend benötigen, um damit Türen aufzuhalten.

Form und Funktion

Bei vielen Features ergänzen sich Form und Funktion nahtlos: Der körpernahe Schnitt erschwert es Rauchgasen an Ärmeln und Hosensäumen einzudringen und kreiert gleichzeitig den modernen Look. Er wird weitergeführt von der Schulterlinie über die hüfthohe Schutzhose im Jeans-Schnitt, deren Sitz über den Schnellzug des Hosenträgers und der verstellbaren Hüftbreite kontrolliert wird.

Am Fußteil der Hose dient ein Reißverschluss als Einstiegshilfe und Beinweitenverstellung. Die Patten aller Taschen sind so mit einem griffigen Abriebschutz verdickt, dass sie sich leicht beim Einsatz mit Arbeitshandschuhen öffnen lassen.

Die neue Schutzbekleidung in Bewegung und O-Ton Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble

In jede Hose und Jacke ist ein kleiner RFID-Chip eingenäht. Das hilft nicht nur dabei, die jeweilige Schutzausrüstung nach dem Reinigen seinem Besitzer oder seiner Besitzerin einfacher zuzuordnen. Sondern damit lässt sich auch die Häufigkeit der Wäschen und somit der Verschleiß und der Zeitpunkt der Ausmusterung ermitteln.

Gut zu wissen:

• Feuerwehrleute lieben Abkürzungen. Die neue persönliche Schutzausrüstung heißt im Insider-Jargon daher „PSA“.
• Insgesamt 91.350 Quadratmeter Stoff (Oberstoff und Spezialstoff) wurden für die neue Schutzausrüstung vernäht.
• Jeder PSA wurden knapp acht Meter Reflexband (7,80m) verpasst. Insgesamt mehr als 37 Kilometer!
• Insgesamt ein Meter und 20 Zentimeter an Hosenträgern wurden pro Einsatzhose vernäht, knapp dreieinhalb Kilometer rotes Gummiband insgesamt.
• 15 „Münchner Kindl“ schmücken jede neue Schutzausrüstung. Ab dem 1. März 2021 werden insgesamt 84.400 Hoheitsabzeichen auf der Kleidung der Berufsfeuerwehr im Einsatz sein.


• 9.180 Kilometer Nähfaden halten die neue Schutzausrüstung zusammen. Für jede Einsatzjacke wurden 1,1 Kilometer Faden vernäht und die Nähte mit 30 Meter Spezialband versiegelt.
• Feuerwehrleute müssen sekundenschnell in ihre Schutzausrüstung schlüpfen: 28.200 Druckknöpfe, knapp 43 Kilometer Klettband und 16,5 Kilometer Reißverschlussband helfen dabei.

Das Grillthermometer-Experiment

Im Video führt die Berufsfeuerwehrmünchen den Grillthermometer-Test in der Brandsimulationsanlage durch, der alte und neue Schutzkleidung im Praxistest vergleicht. Im zweiten Teil fnden sie eine Präsentation von S-Gard über die neue Schutzjacke.

Berufsfeuerwehr München

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