USA: Motorradfahrer erhält 28,8 Mio. Dollar nach Kreuzungskollision mit Drehleiter in Los Angeles
LOS ANGELES (USA): Fast fünf Jahre nach einem folgenschweren Verkehrsunfall mit einem Fahrzeug des Los Angeles Fire Department (LAFD) hat eine Jury einem Motorradfahrer Schadenersatz in Höhe von rund 28,8 Millionen US-Dollar zugesprochen. Der Mann war 2021 während einer Einsatzfahrt mit einer Drehleiter kollidiert und hatte bei dem Unfall derart schwere Verletzungen erlitten, dass später ein Bein unterhalb des Knies amputiert werden musste.
Der Unfall ereignete sich am 2. September 2021 im Stadtteil East Hollywood. Robert Danbom war mit seiner Harley-Davidson auf der Vermont Avenue in nördlicher Richtung unterwegs. Für ihn zeigte die Ampel Grün, als ein Einsatzfahrzeug des Los Angeles Fire Department von der Sunset Boulevard kommend die Kreuzung querte.
Wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht, handelte es sich bei dem Feuerwehrfahrzeug um einen sogenannten Fire Tiller, also eine für die USA typische Drehleiter in Tiller-Bauweise („Tractor-Drawn Aerial“) mit einem gelenkten Nachläufer. Bei diesen Fahrzeugen wird die hintere Achse von einem zweiten Feuerwehrmann separat gelenkt.
Feuerwehr war auf Einsatzfahrt
Das Feuerwehrfahrzeug war zum Zeitpunkt des Unfalls auf dem Weg zu einem Einsatz bei einer nahegelegenen Einrichtung von Kaiser Permanente. Nach übereinstimmenden Medienberichten stellte sich der gemeldete Zwischenfall später als Fehlalarm heraus. Nach Darstellung Danboms tauchte das Feuerwehrfahrzeug so plötzlich vor ihm auf, dass ihm nur wenige Sekunden zum Reagieren geblieben seien. Bei der Kollision wurde das Motorrad weggeschleudert, während der Fahrer unter das schwere Einsatzfahrzeug geriet.
Danbom erlitt unter anderem eine ausgekugelte Schulter sowie schwerste Verletzungen an einem Bein. Dieses konnte letztlich nicht erhalten werden und musste unterhalb des Knies amputiert werden.
Streitpunkt: Stoppte die Drehleiter an der roten Ampel?
Ein zentraler Punkt des späteren Gerichtsverfahrens war die Frage, wie sich der Fahrer der Feuerwehr-Drehleiter beim Einfahren in die Kreuzung verhalten hatte. Nach Angaben der Klägerseite sah eine im Verfahren vorgelegte Dienstvorschrift des Los Angeles Fire Department vor, dass das erste Feuerwehrfahrzeug eines Verbandes an roten Ampeln beziehungsweise Stoppschildern anzuhalten hat. Auf Videoaufnahmen des Unfallbereichs soll nach Darstellung der Anwälte hingegen zu erkennen gewesen sein, dass die Drehleiter die Kreuzung passierte, ohne zuvor vollständig anzuhalten.
Der Maschinist des LAFD, Vincent Leong, stellte den Ablauf anders dar. In einer unmittelbar nach dem Unfall geführten Befragung, deren Niederschrift später als Beweismittel verwendet wurde, erklärte er, die Kreuzung sei schlecht einsehbar gewesen. Er habe daher abgebremst, angehalten beziehungsweise sich anschließend langsam in die Kreuzung hineingetastet und dabei kein herannahendes Fahrzeug gesehen. Die Klägerseite verwies demgegenüber auf die Videoaufzeichnungen und argumentierte, diese würden einen Stopp des Feuerwehrfahrzeuges nicht erkennen lassen.
Fünf Wochen Prozess – 28,79 Millionen Dollar
Fast fünf Jahre nach dem Unfall kam es schließlich zum Prozess. Nach einem rund fünfwöchigen Verfahren sprach die Jury Robert Danbom am 13. August 2026 insgesamt 28.792.385 US-Dollar Schadenersatz zu. Danboms Rechtsanwalt Filippo Marchino erklärte gegenüber der „Los Angeles Times“, dass es sich seines Wissens um die bislang höchste Jury-Entschädigung in Kalifornien im Zusammenhang mit einer Amputation unterhalb des Knies handle. Diese Einordnung stammt allerdings vom Anwalt des Klägers und wurde bislang nicht unabhängig als Rekord bestätigt.
Marchino kritisierte zudem die Stadt Los Angeles dafür, vor dem Prozess nicht ernsthaft über einen Vergleich verhandelt zu haben. Nach seinen Angaben wäre die Klägerseite bereit gewesen, den Fall für einen deutlich geringeren Betrag beizulegen. Das Los Angeles Fire Department sowie die Rechtsabteilung der Stadt reagierten auf entsprechende Anfragen der „Los Angeles Times“ nach Veröffentlichung des Urteils zunächst nicht.
Hohe Schadenersatzzahlungen belasten Los Angeles
Der Fall reiht sich in mehrere hohe Schadenersatzforderungen gegen die Stadt Los Angeles ein. Nach Angaben der „Los Angeles Times“ stiegen die jährlichen Aufwendungen der Stadt für Vergleiche und Gerichtsurteile innerhalb von rund zehn Jahren von etwa 64 Millionen auf zuletzt 289 Millionen US-Dollar.
Gerade bei Einsatzfahrten besitzt der aktuelle Fall auch für Feuerwehren eine besondere Bedeutung: Im Mittelpunkt des Verfahrens stand weniger die grundsätzliche Berechtigung des Feuerwehrfahrzeuges, eine rote Ampel zu passieren, sondern die Frage, ob die dafür vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen beim Einfahren in die Kreuzung tatsächlich eingehalten worden waren.
Quelle: Los Angeles Times / Firehouse.com / Superior Court of California, County of Los Angeles


