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Bayern: Nachfrage nach Lkw-Spezialausbildung des KFV Traunstein doppelt so hoch wie das Platzangebot

SIEGSDORF (BAYERN): Schwere Verkehrsunfälle mit Lastkraftwagen stellen die Feuerwehren vor besondere Herausforderungen. Massive Fahrzeugstrukturen, große Höhenunterschiede und komplexe Rettungssituationen erfordern spezielles Wissen und praktische Erfahrung. Um die Einsatzkräfte auf solche Situationen vorzubereiten, veranstaltete der Kreisfeuerwehrverband (KFV) Traunstein erneut einen Lehrgang „Technische Hilfeleistung – Lkw-Unfall“. Insgesamt 36 Feuerwehrleute nahmen an den beiden Ausbildungstagen 2026 teil. Beide Termine waren vollständig ausgebucht. Die Zahl der Anfragen war sogar etwa doppelt so hoch wie die verfügbaren Teilnehmerplätze.

Von Hubert Hobmaier, Kreisfeuerwehrverband Traunstein

Die organisatorische Leitung des Lehrgangs lag bei Matthias Seidenfuß vom Kreisfeuerwehrverband Traunstein. Für die fachlichen Inhalte und die praktische Durchführung zeichnete erneut Axel Topp von der Berufsfeuerwehr Nürnberg verantwortlich. Veranstaltungsort war das Firmengelände der Firma RIGRA in Siegsdorf. Dort standen zwei ausgediente Lastkraftwagen als Übungsobjekte zur Verfügung, an denen die Teilnehmer verschiedene Rettungstechniken ausprobieren und deren Einsatzmöglichkeiten kennenlernen konnten.

Von der Theorie zur praktischen Rettung

Zu Beginn vermittelte ein theoretischer Unterrichtsblock die wichtigsten Grundlagen zur Fahrzeugbeschaffenheit und zu den besonderen Gefahren und Herausforderungen bei LKW-Unfällen. Dieses Wissen bildete die Grundlage für die anschließenden praktischen Übungen.

Dabei kamen unterschiedliche Rettungsmittel zum Einsatz. Neben einer Rettungsplattform arbeiteten die Feuerwehrleute unter anderem mit Rettungssägen, hydraulischer Rettungsschere und Spreizer sowie Rettungszylindern. An den beiden Übungsfahrzeugen wurden verschiedene Unfallszenarien durchgespielt und unterschiedliche technische Vorgehensweisen erprobt. Dabei ging es nicht nur darum, Fahrzeugstrukturen zu öffnen, sondern für die jeweilige Situation geeignete Lösungswege zu finden. So wurde beispielsweise der Einsatz einer Seilwinde getestet, um das Fahrerhaus gezielt auseinanderzuziehen und dadurch zusätzliche Möglichkeiten für die technische Rettung zu schaffen.

„Entscheidend ist, dass die Einsatzkräfte verschiedene Möglichkeiten kennenlernen und einschätzen können, welches Vorgehen zur jeweiligen Situation passt. Gerade bei schweren Nutzfahrzeugen müssen wir häufig andere Wege gehen als bei einem PKW“, so beschreibt Axel Topp die fachliche Zielsetzung der Ausbildungstage.

Die Teilnehmer konnten unterschiedliche Techniken praktisch ausprobieren und deren Nutzen für mögliche Einsatzsituationen beurteilen. Gerade bei schweren Nutzfahrzeugen sind eine sorgfältige Erkundung, die sichere Stabilisierung und ein abgestimmtes Vorgehen entscheidend. Die massiven Bauteile und die besondere Bauweise der Fahrzeuge erfordern häufig andere Lösungsansätze als bei einem herkömmlichen PKW-Unfall.

Auch Kommandanten setzen auf Spezialwissen

Unter den 36 Teilnehmern waren Feuerwehrleute aus zahlreichen Feuerwehren im Landkreis Traunstein. Auch Kommandanten, beispielsweise aus Haslach und Tittmoning, nutzten die Gelegenheit, ihre Kenntnisse zu vertiefen und unterschiedliche Rettungsmöglichkeiten kennenzulernen. Ihre Teilnahme unterstreicht, dass die spezialisierte Ausbildung nicht nur für einzelne Einsatzkräfte, sondern auch für die Weiterentwicklung der Ausbildung in den Feuerwehren von Bedeutung ist.

„Wir müssen uns auch auf Einsatzlagen vorbereiten, die nicht alltäglich sind. Wenn es zu einem schweren LKW-Unfall kommt, müssen unsere Einsatzkräfte mit den Besonderheiten dieser Fahrzeuge umgehen können. Dafür brauchen sie neben der passenden Ausrüstung vor allem praktische Erfahrung“, so die Einschätzung von Klaus Kropp, dem Aktiven Chef der Feuerwehr Haslach.

Auch aus Sicht der Feuerwehrführung ist es wichtig, unterschiedliche technische Möglichkeiten kennenzulernen und die gewonnenen Erkenntnisse in die eigene Ausbildung einfließen zu lassen. „Der praktische Austausch und das Ausprobieren verschiedener Rettungswege sind besonders wertvoll. Dieses Wissen können wir mit in unsere Feuerwehr nehmen und dort für die weitere Ausbildung nutzen“, betont hingegen der Tittmoninger Kommandant Erwin Hirschpoltner.

Große Nachfrage bestätigt den Ausbildungsbedarf

Auch Matthias Seidenfuß sieht in der großen Nachfrage eine Bestätigung für das Ausbildungsangebot des Kreisfeuerwehrverbandes. „Dass beide Lehrgangstage vollständig ausgebucht waren und die Nachfrage die verfügbaren Plätze deutlich überstieg, zeigt, wie groß der Bedarf an dieser spezialisierten Ausbildung ist. Wir wollen unseren Feuerwehren die Möglichkeit geben, sich gezielt auf anspruchsvolle Einsatzlagen vorzubereiten“, so der Lehrgangsleiter des KFV Traunstein.

Unfälle mit schweren Nutzfahrzeugen gehören zwar nicht zum täglichen Einsatzgeschehen jeder Feuerwehr, können die Einsatzkräfte im Ernstfall jedoch vor erhebliche Herausforderungen stellen. Umso wichtiger ist es, verschiedene Vorgehensweisen zu kennen und diese unter möglichst realistischen Bedingungen trainieren zu können.

Mit dem Lehrgang „Technische Hilfeleistung – LKW-Unfall“ leistet der Kreisfeuerwehrverband Traunstein einen wichtigen Beitrag zur Aus- und Fortbildung der Feuerwehren im Landkreis. Die Verbindung aus theoretischen Grundlagen, fachkundiger Anleitung und intensivem praktischem Training stärkt die Handlungssicherheit der Einsatzkräfte und hilft ihnen, auch bei komplexen technischen Rettungseinsätzen geeignete Lösungen zu finden.

Dank an die Unterstützer

Ein besonderer Dank des Kreisfeuerwehrverbandes gilt der Firma RIGRA, die ihr Firmengelände, die Hallen und zwei ausgediente Lastkraftwagen für die Ausbildung zur Verfügung stellte. Darüber hinaus spendierte das Unternehmen die Getränke für die Teilnehmer und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Durchführung des Lehrgangs.

Auch die Feuerwehren Bergen und Übersee unterstützten die Ausbildungstage, indem sie Einsatzfahrzeuge und Gerätschaften bereitstellten. Matthias Seidenfuß dankte ihnen im Namen des Kreisfeuerwehrverbandes ausdrücklich. „Solche Kooperationen schaffen wichtige Voraussetzungen für eine praxisnahe und realitätsorientierte Feuerwehrausbildung für die Feuerwehren vor Ort“, so die Einschätzung des Fach-Kreisbrandmeisters für Sondereinheiten.

Die 36 Teilnehmer kamen aus zahlreichen Feuerwehren des Landkreises Traunstein sowie der Werkfeuerwehr BSH Traunreut. Vertreten waren Einsatzkräfte aus Altenmarkt an der Alz, Bergen, Chieming, Eisenärzt, Erlstätt, Haslach, Holzhausen, Inzell, Kammer, Nußdorf, Palling, Reit im Winkl, Rottau, Stein an der Traun, Surberg, Tittmoning, Traunreut, Traunstein, Traunwalchen, Übersee, Vachendorf, Vogling und Wonneberg. Die breite Beteiligung zeigt, dass die spezialisierte Ausbildung auf großes Interesse bei den Feuerwehren der Region stößt.

Kreisfeuerwehrverband Traunstein

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