Übungen

Bayern: Angenommener Ammoniak-Austritt auf Firmengelände in Waging am See

WAGING AM SEE (BAYERN): „ABC 3 – Gasaustritt im Gebäude – Mehrere Personen vermisst“, lautete die Meldung einer groß angelegten Einsatzübung in Waging am See im Herbst 2026. Örtlichkeit des Schadenszenarios war die Eiswasseranlage der Bergader Privatkäserei an der Weixlerstraße.

Von Thomas Pfeffer, FF Waging am See

Das in der Anlage befindliche Ammoniak wird als Kältemittel zur Eiswassererzeugung benötigt. Sofort nach dem Eintreffen der ersten Kräfte am Übungsobjekt begann die Erkundung der Einsatzstelle durch Kommandant Michael Schramke. Erste Maßnahmen waren die Personensuche der Vermissten durch die eingesetzten Atemschutzgeräteträger, sowie der Aufbau und Betrieb einer Dekonstelle.

Fachliche Unterstützung kam durch Martin Pöllner als Fachberater Gefahrgut bei der Waginger Feuerwehr und Fachkreisbrandmeister im Landkreis Traunstein. Wie sich bei der weiteren Erkundung herausstellte, kam es zu einem schlagartigen Austritt von rund 5 000 Kilogramm Ammoniak aus einer etwa 10 cm großen Leckage.

Die Besatzung des Waginger Einsatzleitwagens (ELW 1) übernahm dabei neben der Einsatzleitung auch die Dokumentation des Einsatzgeschehens sowie die erste Ausbreitungsabschätzung. Zur besseren Organisation wurde das angenommene Schadensgebiet in drei sogenannte Einsatzabschnitte aufteilt. Im Abschnitt „Schaden“ arbeitete die Besatzung des Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuges (HLF 20/16). Diese hatten die schnelle Personenrettung und den Aufbau der Sofortdekontamination als Aufgabe.

Den Einsatzabschnitt „Dekon“ übernahmen die Besatzungen des Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25) und des Gerätewagens Logistik (GW-L2) mit der umfangreichen Ausstattung des mitgeführten Umweltschutzanhängers. Der im weiteren Verlauf der Übung eingerichtete Abschnitt „Messen“ lag in den Händen des Messzuges Süd des Landkreises Traunstein unter der Leitung von Maximilian Schubert. Dieser bestand aus dem Einsatzleitwagen (ELW 1), des Gerätewagens-Atemschutz (GW-A/S) der Freiwilligen Feuerwehr Traunstein und dem Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF-L) der Wehr aus Kammer.

Neu im Messzug integriert ist der CBRN-Erkunder (CBRN-ErkW) der Feuerwehr Traunreut, welcher für den Zivil- und Katastrophenschutz vom Bund zur Verfügung gestellt wurde. Dieser dient dazu, chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren aufzuspüren, zu messen und zu melden. Dies ist sowohl während der Fahrt als auch im Stand möglich. Drei Monteure konnten im Verlauf der Übung gerettet werden. Durch das Team des Waginger Einsatzleitwagens wurde eine vorläufige Ausbreitungsabschätzung vorgenommen. Mit aktuellen Wetterdaten konnte diese durch den Messzug anschließend noch detaillierter durchgeführt werden. Messungen durch den CBRN-Erkunder fanden während der Messfahrten und auch fußläufig statt.

Um sich von der Arbeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte zu überzeugen, war Sepp Röckenwagner in seiner Funktion als Leiter Instandhaltung der Firma Bergader vor Ort. Dieser bedankte sich für das Engagement und die Tätigkeit der Feuerwehren. Im Anschluss an die Übung stellte Wolfgang Haas, der Anlagenbauer der gleichnamigen Kältetechnikfirma die Anlage vor. Als Übungsbeobachter waren auch Leiter Julian Heigenhauser und Claudia Zaunick vom Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung vom Landratsamt Traunstein anwesend. „Ein großer Dank geht an die Firma Bergader für die Möglichkeit zum realistischen Üben und auch für die abschließende kulinarische Stärkung“, lobte Fachberater Martin Pöllner. Dieser zeigte sich mit dem Übungsverlauf sehr zufrieden. Die Feuerwehren aus Kammer, Traunreut, Traunstein und Waging am See waren mit insgesamt neun Einsatzfahrzeugen und rund 50 Kräften an der über zweistündigen Übung beteiligt.

Gefahrguteinsatzübungen für sogenannte ABC-Einsätze (mit atomaren, biologischen oder chemischen Stoffen) sind für die Feuerwehren wichtig, da solche Szenarien zu den komplexesten, gefährlichsten, aber auch seltenen Einsätzen im Alltag gehören. „Derartige Einsätze mit gefährlichen Stoffen und Gütern kommen im Feuerwehralltag glücklicherweise selten vor“, wie Pressesprecher Thomas Pfeffer von der Waginger Feuerwehr erklärt: „Durch regelmäßige Übungen geraten diese Kenntnisse sowie die wichtigen Handgriffe nicht in Vergessenheit“. Die Einsatzkräfte trainieren das standardisierte Vorgehen nach der sogenannten GAMS-Regel. Dies sei die Abkürzung für „Gefahr erkennen“, Absichern, Menschenrettung durchführen, sowie Spezialkräfte zu alarmieren. „Im Ernstfall müssen die Menschenrettung, das Abdichten von Lecks, das Umpumpen von Flüssigkeiten und der Aufbau einer Dekontamination oft parallel und unter Zeitdruck ablaufen“, so Pfeffer zu Fireworld.at.

Der Umgang mit schwerer Spezialausrüstung wie einem Chemikalienschutzanzug mit einer eigenen Atemluftversorgung über Atemschutzgeräte führt dabei zu hoher körperlicher Belastung, da die Sicht und auch die Beweglichkeit beim Träger eingeschränkt ist. Die Träger dieser gasdichten Chemikalienschutzanzüge sind dabei vollständig von der Umwelt isoliert. Dabei haben sie einen umfassenden Schutz gegen verschiedenste Gefahrstoffe. Gefahrenschwerpunkte sind in der Region hauptsächlich der Transport von Gefahrgütern über das stark frequentierte Straßennetz in Verbindung mit den großen Chemieunternehmen im Umkreis. Aber auch landwirtschaftliche Betriebe mit der Lagerung von Dünge- und Pflanzenschutzmittel stellen eine Herausforderung für die Feuerwehren im Ernstfall dar.

Freiw. Feuerwehr Waging am See

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