Technisch

Stmk: Katastrophenalarm in Graz-Umgebung: Der Tag danach

Steiermark: Insgesamt waren am Sonntag, dem 21. August 2005 in der Zeit von 12.00 Uhr Mittag bis 3.00 Uhr in der Früh des Montags 70 Feuerwehren mit über 1.000 Einsatzkräfte aus Graz-Umgebung mit den Unwetterschäden beschäftigt.

Unterstützt wurden sie zur Abendstunde des Sonntages von Einheiten aus Hartberg und Voitsberg. Am Montag, dem 22. August 2005 waren noch 230 Feuerwehrleute, die ab 6.30 Uhr (FF Fernitz) mit den ersten Hochwasserarbeiten begannen und über den Tag verteilt bis Mitternacht im Einsatz waren. Insgesamt waren am Montag 27 Feuerwehren mit Pump-, Kontroll- und Sicherungsarbeiten beschäftigt. Die letzte Feuerwehr rückte diesbezüglich um 22.45 Uhr (FF Wundschuh) aus und kurz vor Mitternacht ein.

Der Tag danach zeigte erst so richtig das Ausmaß der Unwetterkatastrophe, so kann man das Schadensgebiet von Sonntag in drei Haupt-Einsatzregionen unterteilen, wobei sich die Schadenslage Montagfrüh in die vierte Region südlich von Graz, entlang der Mur verlegte.

• Region A: „Liebochtal“ – Abflussbereich der Lieboch in die Kainach
• Zuständige Feuerwehren: Stiwoll, Steinberg-Rohrbach, Hitzendorf, Berndorf, Lieboch, Dobl und Zwaring-Pöls
• Einsatzdaten: 14 Stunden gesamt Einsatzzeit, 370 Einsatzkräfte und 205 Alarmadressen abgearbeitet

• Region B: „Großraum Gratwein“
• Zuständige Feuerwehren: Eisbach-Rein, Gratwein, Judendorf-Straßengel, Gratkorn-Markt und Stattegg
• Einsatzdaten: 15 Stunden gesamt Einsatzzeit, 339 Einsatzkräfte und 204 Alarmadressen abgearbeitet

• Region C: „Graz-Süd-Ost“ – Abflussbereich des Raaba- und Feilbaches in die Mur
• Zuständige Feuerwehren: Hart bei Graz, Raaba, Grambach, Thondorf, Gössendorf, Vasoldsberg, Hausmannstätten und Fernitz
• Einsatzdaten: 11 Stunden gesamt Einsatzzeit, 261 Einsatzkräfte und 104 Alarmadressen abgearbeitet

• Region D: „Staubereich Murkraftwerk Mellach“
• Zuständige Feuerwehren: Fernitz, Mellach, Werndorf und Kalsdorf bei Graz
• Einsätze im lokalen Bereich:

Region A: „Liebochtal“ – Abflussbereich der Lieboch in die Kainach
Begonnen hat das Einsatzszenario in dieser Region in Hitzendorf. Sonntag ab 10.15 Uhr standen 35 Mann der Feuerwehr Hitzendorf bereit um Keller und Garagen auszupumpen, Straßen zu sperren und diese nach dem Abzug der Wassermassen zu reinigen. Insgesamt mussten 41 Alarmadressen angefahren werden. Einsatzende für die FF Hitzendorf war 22.00 Uhr. Als nächste Feuerwehr wurde um 11.30 Uhr Steinberg-Rohrbach verständigt. Hier war das Schadensausmaß sehr gravierend. So wurden die Feuerwehrmitglieder aus Steinberg-Rohrbach für ihre 95 Einsatzaufträge von den Feuerwehren Neuhof (6 Mann), Übelbach (6 Mann), Kleinstübing (9 Mann) und der FuB/KHD-Einheit aus Voitsberg (105 Mann) unterstützt. Die Feuerwehr Steinberg-Rohrbach hatte 24 Kräfte eingesetzt und rückte um 24.00 Uhr aus diesem Einsatzgebiet ab. Um 12.00 Uhr wurde die FF Berndorf alarmiert. Die Berndorfer Feuerwehrmitglieder rückten zu 20 Einsatzadressen aus und wurden von den Mitgliedern der FF Kleinstübing unterstützt. Um 21.30 Uhr konnten die letzten Einsatzaufträge beendet werden, wobei 30 Mann aus Berndorf und 14 Kräfte aus Kleinstübing im Einsatz waren. Dann um die Mittagszeit ging es Schlag auf Schlag: Stiwoll war mit 20 Mann bei 15 Einsatzadressen 6-Stunden im Einsatz. Die Kameraden aus Lieboch hatten entlang der „Lieboch“ bis in die späten Abendstunden zu tun. Die FF Dobl verzeichnete 20 diesbezügliche Hochwassereinsätze im Gemeindegebiet und setzte insgesamt 65 Mann der vier Löschzüge ein. Die Feuerwehr Zwaring-Pöls unterstützte Anfangs mit 13 Mann die Feuerwehr Raaba und musste zu Mitternacht in ihrem Gemeindegebiet Pumparbeiten durchführen.

Region B: „Großraum Gratwein“
Hier begann um 12.00 Uhr die FF Eisbach-Rein lokal mit den Hochwasserarbeiten. Insgesamt arbeiteten die 25 Feuerwehrmitglieder innerhalb von 6-Stunden 15 Einsatzaufträge ab. Um 12.20 Uhr wurde Judendorf-Straßengel alarmiert. Das Hochwasserrückhaltebecken drohte überzulaufen. Zusätzlich mussten noch 23 Alarmadressen abgearbeitet werden. Um diese Aufgaben zu erledigen wurden die 28 Kameraden aus Judendorf-Straßengel von den Feuerwehren Hart-Albersdorf, Haselbach, Eggersdorf und Kumberg mit insgesamt 41 Mann bis 22.30 Uhr unterstützt. Als nächste Feuerwehr dieser Region rückte die FF Gratwein aus. Sie leistete von 12.45 Uhr bis 23.30 Uhr gemeinsam mit den Wehren Hausmannstätten, Fernitz, Großstübing, Kumberg, Hart bei Graz und St. Radegund diverse Pump- und Sicherungsarbeiten. Insgesamt mussten 17 Einsatzadressen abgearbeitet werden. Hiefür waren in diesem Bereich 73 Einsatzkräfte tätig. Fast zur gleichen Zeit um 12.50 Uhr begann das Einsatzszenarium für die FF Stattegg. Sie wurde von der BtF Maschinenfabrik Andritz unterstützt und musste 76 Einsatzadressen bearbeiten. Die Arbeiten der 36 Mann starken Feuerwehreinheit dauerte bis 23.00 Uhr. Um 13.00 Uhr verständigte man die FF Gratkorn-Markt. Das Einsatzausmaß nahm mit zunehmender Einsatzzeit so stark zu, dass die eigenen 37 Einsatzkräfte das Einsatzaufkommen von 72 Alarmadressen nicht mehr bewältigt konnte. So wurden anfangs drei Feuerwehren, darunter Röthelstein und Sappi-Gratkorn mit insgesamt 19 Kräften angefordert. Am späten Nachmittag erfolgte dann der Einsatz der FuB/KHD-Bereitschaft des Bezirkes Hartberg, wobei hier ein Zug mit 55 Mann in Gratkorn eingesetzt wurde. Im Laufe des Abends stellte man fest, dass ein Trinkwasser-Hochbehälter beim Auslass beschädigt wurde und das Wasser fast ausgelaufen ist. Daher 400 Haushalte in kürzester Zeit ohne Trinkwasser sind. Hiefür wurden vier TLF 4000 Besatzungen mit insgesamt 25 Mann aus dem Bezirk Voitsberg (Söding, Köflach, Ligist und Voitsberg) für die Befüllung des Trinkwasserbehälters angefordert worden. Der Einsatz in Gratkorn dauerte für die einsatzleitende Wehr bis 3.00 Uhr in der Früh.

Region C: „Graz-Süd-Ost“ – Abflussbereich des Raaba- und Feilbaches in die Mur
Das Szenario in dieser Region hatte schon am Vorabend des Sonntages begonnen, lokalisierte sich die Nacht hindurch und spitzte sich dann am Sonntag, dem 21. August 2005 um die Mittagszeit zu. Die betroffenen Feuerwehren Hart bei Graz, Raaba und Thondorf rückten um 13.30 Uhr zu Überschwemmungen, Verklausungen und Pumparbeiten aus. In Hart bei Graz wurde die dortige Feuerwehr von der FF Kalsdorf bei Graz, FF Feldkirchen bei Graz und FF Wagnitz unterstützt. Die Aufträge für Wagnitz lauteten: 1. Absichern der Grundmauer des Freibades Pachern; 2. Sichern eines Gastank im Freibad Pachern; 3. Abpumpen der Wassermassen auf einen Grundstückes im Ortsteil Pachern. In Raaba entfernte man Verklausungen entlang des Raababaches und führte zahlreiche Pumparbeiten durch. So musste eingedrungenes Wasser aus dem Archiv- und Lagerbereich eines Bürogebäudes gepumpt werden. Weitere Einsatzadressen folgten und so forderte die FF Raaba für die Bewältigung dieses Einsatzaufkommens die FF Zwaring mit 13 Mann, die FF Wundschuh mit 10 Mann, die FF Werndorf mit 12 Mann, die FF Wagnitz mit 12 Mann und die BTF Cargo Center mit 3 Mann an. In Grambach trat der Grambach-Bach im Ortszentrum über die Ufer. Die FF Grambach wurde kurz nach 14.30 Uhr alarmiert, um Absicherungen im Überschwemmungsbereich durchzuführen. Die Landesstraße musste wegen des Hochwassers im Bereich Gemeindeamt / Kreuzung Erlenstraße für den Verkehr gesperrt werden. Da der Bach auch in der Erlenstraße über das Ufer trat, kam es auch auf der Verbindungsstraße zwischen Grambach und Gössendorf zu Behinderungen. Die FF Grambach pumpte im Bereich Lutzäckerweg, Bucherlweg und Tischlerweg mehrere Keller aus. In der Marktgemeinde Gössendorf sind die Ortsteile Thondorf und Dörfla am stärksten betroffen. Beim dortigen im nordöstlichem Bereich befindenden Raababach gab es einen Dammbruch und das Hochwasser drang mit enormer Geschwindigkeit und in großen Massen über die Äcker in den Ortsteil nach vor. Straßen und Wege wurden zu so genannten Bachläufen und überschwemmten die angrenzenden Höfe, Nebengebäude, Garagen und Keller. Die Landesstraße B73 war im Bereich Thondorf bis Dörfla unpassierbar und für den gesamten Verkehr gesperrt. Zahlreiche Pumparbeiten mussten von den Feuerwehren Thondorf, Feldkirchen bei Graz, Werndorf und Gössendorf durchgeführt werden. In Gössendorf gab es um 13.45 Uhr Alarm. Hier musste um einen raschen und besseren Hochwasserabfluss zu erreichen, die Gemeindestraße aufgebrochen werden. Die 35 Einsatzkräfte aus Gössendorf waren einerseits mit Pumparbeiten und andererseits mit füllen und verlegen von Sandsäcken beschäftigt. Der Raababach sowie der Grambach-Bach sind über die Ufer getreten. Sämtliche Brücken in der Marktgemeinde sind gesperrt worden. Die Feuerwehren Vasoldsberg, Hausmannstätten und Fernitz hatten entlang des Feilbaches 25 Einsatzaufträge durchzuführen. Die FF Mellach hatte im lokalen Bereich an die 10 Einsatztätigkeiten zu bewältigen. So waren in dieser Region einige Feuerwehren bis kurz nach Mitternacht im Einsatz. In Thondorf und Dörfla arbeiteten an die 105 Einsatzkräfte, in Hausmannstätten und Fernitz waren 75 Feuerwehrmitglieder gegen die Wassermassen eingesetzt.

Einsätze im lokalen Bereich:
FF St. Pankrazen-Gschnaidt: sie wurde nach Thal bei Graz alarmiert, hatte dort sechs Einsätze zu bewältigen und waren von 11.40 Uhr bis 20.00 Uhr im Einsatz.

FF Pirka-Windorf: hatte Hochwasserarbeiten im Gemeindegebiet durchzuführen.

FF Frohnleiten: hier mussten einige Keller ausgepumpt, ein Hangrutsch in Laufnitzdorf gesichert und die unterspülte Verbindungsstraße nach Thyrnau gesperrt werden.

FF Tulwitz: rückte zu zahlreichen Hochwassereinsätzen im Gemeindegebiet aus.

FF Kalsdorf bei Graz: div. Auspumparbeiten in Sauerbrunn (Ortsteil Großsulz).

FF Deutschfeistritz: zahlreiche Wohngebäude im Einsatzgebiet waren überschwemmt bzw. von den Wassermassen akut gefährdet. Der Übelbach drohte im Ortszentrum Deutschfeistritz über die Ufer zu treten. Mittels Schaltafeln und Sandsäcken wurde ein Hochwasserschutz aufgebaut. Bei 21 Alarmadressen mussten die überfluteten Keller auspumpen bzw. Sandsäcke verlegen werden.

FF Kleinstübing: Hochwassereinsätze im Löschbereich.

Hinweis: Die Feststellung einer „Katastrophe“ nach dem Katastrophenschutzgesetz liegt in der Kompetenz des Bürgermeisters und des Bezirkshauptmanns und in höherer Instanz der Landesregierung. Mit ihrer Ausrufung einer „Katastrophe“ erhalten Bürgermeister bzw. Bezirkshauptmann weit greifende Rechte. So können Zwangsmaßnahmen ergriffen werden, wie die Beschlagnahmung von div. „Schwerem Gerät“ (Bagger, LKW, Kräne usw.) oder der verpflichtende Hilfseinsatz aller Bewohner.

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