Oö: Feuerwehr lässt Jagd nach „Nessie“ kalt
Ternberg (Oö): Der Sommer zog verfrüht ins Land samt zugehörigem „Loch“: Die Jagd nach einer Echse, die ein zwölfjähriger Bub an der Enns gesehen hat, beschäftigt seit 3. Mai 2007 mäßig die Feuerwehr und sehr die Sensationshungrigen.
Das 30 bis 50 Zentimeter große Reptil, das der Schüler Stefan F. am Staatsfeiertag vom Ennsufer ins Gras flüchten sah, wuchs sich zum Ennstaler „Nessie“ aus. Als erste Spur des rätselhaften Tieres hat der Bub angebissene Blindschleichen und Reste von einem Schlangenkadaver entdeckt. Angeblich macht sich jetzt auch die Feuerwehr in Booten auf die Suche nach dem Wesen. Die Neugierde nach einer immerhin einen halben Meter großen „Riesenechse“ steigerte sich gestern nach einem Trommelfeuer im Funk stündlich.
Nur die Einsatzkräfte bewahrten ruhiges Blut. Auf der Ternberger Polizeiwache hatte man Wichtigeres zu tun wie auch im Feuerwehrhaus. „Wollen wir einmal sehen“, brummte ein Feuerwehrmann. Dass Echsen ausbüchsen, kommt all-enthalben vor. René Hofer-Hörndler, der eine Tierhandlung hat und ein Nachbar des Buben ist, hat sich von Stefan den Fundplatz zeigen lassen. Die Bissstellen an den Schlangenresten – Ringelnattern kommen an der Enns häufig vor – deuten auf einen Marder oder eine Katze hin. Dass ein Waran dort gefressen haben kann, ist schwer denkbar. „Warane verschlingen ihre Beute im Ganzen“, erklärt Hofer-Hörndler.
Was beileibe nicht heißt, dass der Junge geflunkert hat. Manches Mal werden Steppenwarane, die es auf Börsen billig zu kaufen gibt und die von Kopf bis zur Schwanzspitze eineinhalb Meter Körperlänge messen, ihren Besitzern einfach zu groß.
Gewissenlose Leute setzen immer wieder die harmlosen Reptilien in freier Wildbahn aus, die außerhalb ihres Terrariums schwer überleben. Bei gegenwärtigen Nachttemperaturen unter zehn Grad dürfte die Echse längst erfroren sein, wenn sie nicht in einer Mauerspalte Zuflucht gefunden hat. „Wegen der Körperstarre wird sie längst ein Marder gefressen haben“, sagt Hofer-Hörndler. Aber vielleicht taucht „Nessie“ im „Sommerloch“ wieder auf.
Der Beamte und Onkel des Buben glaubt schon, dass sein Neffe eine Echse gesehen hat, versteht aber das Mordstrara deswegen nicht.
