Technisch

Deutschland: 36-Jähriger nach schwerem Lkw-Auffahrunfall eingeklemmt und getötet

Sittensen (Deutschland): Erneut kam es am 10. Juni 2009 kurz nach 12.30 Uhr auf der Hansalinie in der Nähe von Sittensen in Fahrtrichtung Hamburg zu einem schweren Unfall. Ein schwedischer Kraftfahrer fuhr infolge Unachtsamkeit auf einen Silo-Sattelzug aus Gelsenkirchen auf.

Dabei starb der 36-jährige Schwede aus der Nähe von Göteborg noch am Unfallort. Der Silozug wurde durch die Wucht des Unfalls auf zwei weitere Fahrzeuge geschoben. Auch der 31-jährige Gelsenkirchener am Steuer des Silozuges wurde schwer verletzt. Die anderen Beteiligten blieben unverletzt. Bei dem Unfall entstand ein Sachschaden von insgesamt 250 000 Euro. Der Schwede fuhr nach ersten Ermittlungen der Polizei auf, weil er vermutlich beim Fahren aß. Die A 1 musste voll gesperrt, der Verkehr umgeleitet werden. Die Folge: Über 10 Kilometer Stau und erhebliche Störungen auf der Umleitungsstrecke.

Kurz nach einem engen Baustellenabschnitt hatte der Schwede seinen Sattelzug aus Norwegen, der mit Betonfertigteilen beladen war, beschleunigt. Ein hinterher fahrender Zeuge sah, wie der norwegische Lkw zunächst schneller, dann wieder langsamer und schließlich wieder schneller wurde. Als der Zeuge bereits den wegen einer Tagesbausstelle stehenden Verkehr vor sich wahr nahm, fuhr der Schwede immer noch mit voller Geschwindigkeit.

Völlig ungebremst fuhr der Skandinavier auf den auf dem Hauptfahrstreifen stehenden Silozug aus dem Ruhrgebiet auf. Das Führerhaus des norwegischen Lkw war nur noch ein unförmiger Schrotthaufen, in dem der schwedische Fahrer mit schwersten Verletzungen eingeklemmt war. Die für einen Stall bestimmten Betonspaltenböden auf der Ladefläche des Aufliegers waren nach vorn gerutscht und hatten das Führerhaus völlig zertrümmert. Die schnell eintreffenden Notärzte hatten selbst mithilfe der mit schwerem Rettungsgerät ausgerüsteten Feuerwehr aus Sittensen alle Not, an den Fahrer heran zu gelangen, um ihn am Leben zu halten.

Als die Retter den Fahrer aus dem Wrack befreit hatten, verstarb der Schwede noch an der Unfallstelle. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder. Ermittler fanden in den Trümmern die mögliche Ursache des Unfalls: Auf dem Boden lag ein angebissenes Würstchen, am Mund des Fahrers waren noch Essensreste zu erkennen.

Aus dem beschädigten Heck des Silozug ergossen sich Mengen von weißem Kunststoffgranulat auf die Autobahn. Auch der 31-jährige Gelsenkirchener am Steuer des Silozuges wurde durch den Aufprall schwer verletzt und musste mit einem Rettungshubschrauber in das Rotenburger Diakoniekrankenhaus geflogen werden.

Der Gelsenkirchener Sattelzug wurde durch den Aufprall auf einen mit Fleisch beladenen Kühl-Sattelzug aus dem Bereich Osnabrück geschoben. Dieser wiederum touchierte noch leicht den Adria-Wohnwagen eines 53-jährigen Passat-Fahrers aus Heide in Holstein. Hier wurden nur die Rücklichter beschädigt.

Nur wenige hundert Meter hinter der Unfallstelle hatte die Autobahnpolizei in den letzten Tagen mit einem neuen Lichtschrankenmessgerät über 700 Raser in vier Tagen gemessen. Der schnellste Autofahrer war mit fast 200 km/h gemessen worden, obwohl in diesem Bereich der Autobahn nur 100 km/h erlaubt sind. Nachdem in diesem Jahr wenige Kilometer weiter in Richtung Hamburg bereits ein Pole mit seinem Sattelzug beim Schreiben einer SMS schwer verunglückte, fordern die Autobahnpolizisten in Sittensen, dass beim Fahren verkehrsfremde Tätigkeiten unbedingt zu unterlassen sind. Besonders die Routine der Brummifahrer verleitet immer wieder dazu, beim Fahren Kaffee zu kochen, elektronischen Geräten etwas einzustellen oder die Frachtpapiere vor dem Abladen noch mal kurz anzuschauen. Wer am Steuer eines schweren Lasters sitzt, sollte vorausschauend und aufmerksam unterwegs sein, Abstand halten und Geschwindigkeitslimits einhalten, raten die Beamten.

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