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Deutschland: Schwere Vorwürfe gegen Feuerwehr nach Kellerbrand

Gelbensande (Deutschland): Nach dem Brand am Montag, 31. Mai 2010, im Keller eines Wohnhauses erheben die Anwohner schwere Vorwürfe gegen die Feuerwehr.

Eine böse Überraschung hat Jan Heinig am Montagabend erlebt. Schwarzer Rauch schlug aus den Kellerfenstern des Wohnblocks im Rosinenberg in Gelbensande. Blitzschnell alarmierte er die Leitstelle der Feuerwehr. Diese rückte auch sofort mit vier Fahrzeugen an. „Dann haben die sich erst mal beratschlagt“, sagt Heinig. „Das sah aus, als wollten die noch einen Grill dazustellen und Würstchen braten. So viel Zeit haben die sich gelassen“, fügt der Familienvater kopfschüttelnd hinzu.

Er erhebt weitere schwere Vorwürfe: „Von den ungefähr 30 Feuerwehrleuten sind nur zwei ins Haus gegangen. Die haben nicht mal an die Tür geklopft, um uns zu retten“, sagt der gelernte Isoliertechniker, der im fünften Stock wohnt. „Das Treppenhaus war voll von schwarzem Rauch. Zu mir und meiner Familie ist kein Feuerwehrmann gekommen“, fährt er fort.

Ehefrau Cindy Heinig erzählt immer noch schockiert: „Ich habe meinen kleinen Sohn auf den Arm genommen und ihm ein Tuch vor den Mund gepresst. Ich bin dann mit ihm durch das Treppenhaus geflüchtet.“ Im vierten Stock habe sie dann einen Feuerwehrmann getroffen, der gerade dabei gewesen sei, einen Wellensittich zu retten. Er habe sie nur angeblafft, als sie um Hilfe bat. „Draußen hat sich dann auch niemand um uns gekümmert“, fährt Cindy Heinig fort. „Wir sind selber zum Arzt gegangen“, sagt die junge Mutter.

Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Gelbensande, Hans-Adolf Lüth, weist die Vorwürfe entschieden zurück: „ Im Keller hat eine Matratze gebrannt. Obwohl keine akute Gefahr für die Bewohner des Hauses bestanden hat, haben wir an alle Türen geklopft und insgesamt drei Personen aus dem Haus gerettet.“ Auch die Frau mit dem Kind auf dem Arm, sagt er. „Sie hat um eine Decke gebeten, und wir haben sie dann zum Krankenwagen geschickt.“ Die Frau habe ziemlich unter Schock gestanden, erinnert sich Lüth.

Unmöglich finden die Heinigs, die über eine Zivilklage gegen die Feuerwehr nachdenken, auch, dass das Haus noch am gleichen Abend wieder für die Bewohner freigegeben wurde. „Bei den ganzen Schadstoffen, die entstanden sind, kann man das doch nicht einfach machen“, sagt Cindy Heinig, deren fünfjähriger Sohn eine Rauchvergiftung erlitten hatte. „Muss denn da kein Toxikologe kommen?“ „Nein, so ist das nicht“, sagt Feuerwehrmann Lüth: „Die Freigabe des Hauses erfolgt durch die Polizei.“ Brandursachenermittler Holger Liedtke stimmt den Heinigs teilweise zu: „Wenn man durch das Treppenhaus muss, ist das sicherlich unangenehm und belästigend.“ Nur ein längerer Aufenthalt im Treppenhaus sei wirklich bedenklich für die Gesundheit. Bevor nicht renoviert würde, seien Ruß und Schwebeteile in der Luft, die sich auf die Lunge setzen könnten.

Zur Brandursache möchte der Sachverständige jedoch nichts sagen. „Sie dürfen aber wild spekulieren.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen schwerer Brandstiftung.

Ostsee Zeitung

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