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Deutschland: Experten widmen sich dem Martinshorn-Problem

Deutschland: Ulrich Obst ist ausgebildeter Physiker und Mitarbeiter beim Landesbergamt. Verstimmt hat ihn ein Beitrag in der RUNDSCHAU vom Mittwoch, 13.10.2010, der das wissenschaftliche Phänomen des Doppler-Effekts beleuchtete.

Unter dem Titel »Akustik-Zauber des Martinshorns« beschrieb der Artikel, worüber sich ein früherer Musiker des Cottbuser Staatstheaters, Dieter Glosemeyer, wundert: »Warum ändert sich die Tonhöhe beim Martinshorn von Polizei oder Feuerwehr, wenn die Fahrzeuge näher kommen?« Die Antwort verriet Prof. Dr.-Ing. Ennes Sarradj, Fachmann für Aeroakustik an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU): Wahrgenommene Frequenzen ändern sich, während sich Quelle und Beobachter einander nähern oder voneinander entfernen.

So weit, so richtig. Doch dann geschah der Fehler, der den Physiker Ulrich Obst auf die Palme bringt: Der Zeitungsbeitrag schloss daraus, bei diesem Effekt handle es um eine Sinnestäuschung – und Ulrich Obst kann nur den Kopf schütteln. »Der Dopplereffekt ist keine Sinnestäuschung«, schreibt er, »sondern eine physikalische Erscheinung, die dazu führt, dass bei der Bewegung einer Schall- oder auch Lichtquelle eine Frequenzverschiebung stattfindet, die von den Sinnesorganen objektiv wahrgenommen wird.«

Nun ist der Autor des Beitrags irritiert: Das würde ja bedeuten, dass sich die Tonhöhe des Martinshorns tatsächlich ändert, wenn der Krankenwagen an einem Spaziergänger vorbeifährt. Wie geht das denn?

Vielleicht kann eine Nachfrage bei Ulrich Obst die Verwirrung auflösen. So schreibt der gescholtene Autor des Beitrags an den Physiker: »Wir haben also die Schallquelle. Nehmen wir an, es handelt sich um ein D, das auf einer Flöte gespielt wird. Selbst wenn der Flötenspieler sich auf den Zuhörer zubewegt, ändert sich die Tonhöhe der Quelle nicht, ebenso wenig die Frequenz. Nur der Zuhörer meint, aus dem D sei ein anderer Ton geworden. In meinen Ohren handelt es sich damit für den Zuhörer um eine Illusion.«

Für Ulrich Obst wird nun klar: Er hat es wirklich mit einem Laien zu tun. Dennoch zeigt er sich geduldig und schreibt zurück: »Und es ist doch keine Illusion. Wenn sich Sender und Empfänger annähern, findet eine objektive Frequenzänderung statt. Ich kann es nicht ändern.«

Der Sache muss endgültig auf den Grund gegangen werden. Ein Anruf beim Cottbuser Uni-Wissenschaftler Ennes Sarradj, der den Doppler-Effekt erläutert hatte. »Tja«, sagt Ennes Sarradj. »Sie haben da etwas falsch verstanden, denn wenn ein Krankenwagen mit hoher Geschwindigkeit und eingeschaltetem Martinshorn an Ihnen vorbeifährt, findet tatsächlich eine messbare Änderung von Tonhöhe und Frequenz statt – es ist keine Illusion.« Denn, so erklärt er weiter, die Frequenz eines Tonsignals stehe in Beziehung zur Geschwindigkeit, in der sich Sender und Empfänger zueinander bewegen.

Verzagt hakt der Autor des Beitrags beim Wissenschaftler nach: »Nehmen wir an, dass ich am Ufer eines Flusses sitze, und ein Dampfer fährt schnell an mir vorbei, auf dem eine Kapelle für die Passagiere musiziert – das hieße ja, dass ich vom Ufer aus sogar mit Messinstrumenten eine andere Tonhöhe wahrnehme als die Reisenden auf dem Dampfer.«

Ennes Sarradj entgegnet: »Genau so ist es.«

Und so bleibt nur ein schmerzhafter Schluss: Indem der Autor des Beitrags annahm, bei diesem Effekt handle es sich um eine Sinnestäuschung, erlag er selbst einer Illusion.

Lausitzer Rundschau

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