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Nö: Gänserndorfer BFKDT: Die Zeit des Überflusses ist vorbei

Bezirk Gänserndorf (Nö): Er weiß, dass er sich damit nicht überall Freunde macht, trotzdem hält er an seinem Plan fest: Der neu gewählte Bezirks-Feuerwehrkommandant Ing. Georg Schicker will das gesamte Feuerwehrwesen im Bezirk Gänserndorf reformieren.

Kleine Feuerwehren zum Beispiel sollen fahrzeugtechnisch aufgewertet, mittlere Wehren hingegen abgespeckt werden.

Seit dem Jahr 2006 verfolgt Schicker dieses so genannte Bezirkskonzept. Damals einigten sich die Bürgermeister und Landtagsabgeordneten aus dem Bezirk darauf, einen Euro pro Einwohner jedes Jahr der Bezirksfeuerwehr zukommen zu lassen. Jährlich sind dies immerhin 97.000 Euro. Auch dem Landesfeuerwehrverband, der sich vor allem nach dem verheerenden March-Hochwasser im April 2006 spendabel zeigte, konnte Schicker eine beachtliche Geldsumme abringen: „Bisher haben wir insgesamt 1,6 Millionen Euro in das Konzept investiert.“ Mit dem Geld wurden Feuerwehrfahrzeuge und -geräte angeschafft, die dem gesamten Bezirk zugute kommen. Schicker: „Wir müssen endlich weg von der bisherigen Einstellung, dass jede einzelne Ortsfeuerwehr die selben Fahrzeuge und Geräte anhäuft. Das ist einfach kontraproduktiv.“

„Vier Brandeinsätze im Jahr, aber zwei Löschfahrzeuge“
Der FF-Bezirkschef gibt ein Beispiel: „Es gibt Ortsfeuerwehren, die haben maximal vier Brandeinsätze im Jahr, trotzdem wollen sie in ihrer Garage zwei Löschfahrzeuge stehen sehen. Die meinen es gar nicht böse, sie berufen sich einfach auf die Mindestausrüstungsverordnung, die es seit dem Zweiten Weltkrieg gibt. Und in dieser steht, dass sie ein bis drei Tankwägen haben können.“
Schicker und sein Team haben nun eine Vorlage für eine neue Feuerwehr-Ausrüstungsverordnung erarbeitet, die in ganz Österreich zum Einsatz kommen soll: „Es geht um die Effizienz. Das Ziel ist, die Fahrzeuge künftig vernünftig zu stationieren. Es darf nicht sein, dass jede Feuerwehr dasselbe Auto in der Garage stehen hat wie die Nachbarwehr. Dann fehlen nämlich andere wichtige Geräte.“
Der Plan lautet also: Jede Ortsfeuerwehr soll eine vernünftige technische Grundausstattung bekommen. „Alles, was aber darüber hinaus geht, wird die Bezirksfeuerwehr anschaffen und gezielt bei bestimmten Ortsfeuerwehren stationieren. Die übernehmen dann den Betrieb und Wartung der Fahrzeuge bzw. Geräte. Sie bleiben aber immer im Besitz der Bezirksfeuerwehr.“

„Jede der 97 Feuerwehren wird Sondergerät erhalten“
Über kurz oder lang wird jede der 97 Feuerwehren im Bezirk ein Sonderfahrzeug bekommen. Schicker: „Die FF Rutzendorf ist ein gutes Beispiel. Die hatte früher drei Einsätze im Jahr. Dort haben wir unseren geländegängigen Unimog stationiert. Jetzt haben die Rutzendorfer 40 Einsätze pro Jahr. Den Unimog den Gänserndorfern zu geben, hätte wiederum keinen Sinn gemacht. Die haben ohnehin Hunderte Einsätze im Jahr und sind somit voll ausgelastet.“
Zurück zur Grundausstattung: Die kleinsten Feuerwehren verfügen derzeit nur über ein Kleinlöschfahrzeug (KLF) ohne Wassertank. Schicker: „Im Notfall ist das zu wenig. Deshalb werden diese Wehren in Zukunft ein so genanntes HLF1, ein Kleintanklöschfahrzeug, erhalten.“

Neben dem Bezirkskonzept beschäftigt sich Schicker auch mit einem anderen Thema, nämlich mit der Sicherheit im Allgemeinen: „Wir haben derzeit noch ein wirklich tolles flächendeckendes System. Trotzdem werden wir in Zukunft nur so viel Sicherheit haben, wie jeder Einzelne bereit ist, dafür einen Beitrag zu leisten. Jeder kann und soll bei seiner Feuerwehr mitarbeiten. Wir brauchen nicht nur Einsatzkräfte, sondern auch Mitarbeiter für die Verwaltung und Organisation der Feuerwehrfeste. Einmal pro Jahr der FF Geld zu spenden, ist natürlich wichtig, aber was nutzt das ganze Geld, wenn irgendwann die Feuerwehrleute fehlen, die zu Einsätzen fahren?“
Bezirksfeuerwehrchef Ing. Georg Schicker, Bezirksfeuerwehr-Pressesprecher Gerhard Hotzy und Vize-Bezirksfeuerwehrchef Robert Jobst (von links). Schicker: „Wir dürfen nicht vom freiwilligen Helfer zum freiwilligen Hilfsarbeiter verkommen.“

NÖN – Nö. Nachrichten

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