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Deutschland: Die Alleskönner von der Flughafenfeuerwehr Leinfelden-Echterdingen

Leinfelden-Echterdingen (Deutschland): Der Kerl im grünen Overall zuckt nicht zusammen, als er mit Wasser besprüht wird. Kein Wunder, der Schutzanzug ist leer, aber das erkennt man nicht auf den ersten Blick. Nachdem Feuerwehrmann Henry Reese den Plastikanzug …

… gereinigt hat, spannt er ihn zum Trocknen auf. Reese ist nicht nur Feuerwehrmann, sondern auch in der Atemschutzwerkstatt tätig. Eine Werkstatt, die nicht jede Feuerwache hat. „Wir sind praktisch ­autark“, sagt Andreas Rudlof, Leiter der Flughafenfeuerwehr.

Seine Männer haben alle eine klassische Handwerkerausbildung hinter sich. Erst dann wurden sie Feuerwehrmann und Sanitäter. Auf der Feuerwache gibt es Sattler, Schlosser, Kfz-Mechaniker, Schreiner und Elektriker. Dazu eine Geräte-, Feuerlöscher- und Atemschutzwerkstatt – man fühlt sich fast wie bei den fleißigen Heinzelmännchen. Ist etwas kaputt, richten es die Männer so weit wie möglich selbst. Das spart Geld und ist oft auch die einzige Möglichkeit: Planen und Abdeckungen für die Fahrzeuge der Wache sind Sonderanfertigungen. Für die setzt sich ein Feuerwehrmann auch mal an die Nähmaschine. Wobei die beiden Sattler in Rente gegangen seien, erzählt Rudlof. „Zwei Neue werden wir uns holen“, sagt er, „aber Sattler sind rar.“

Über 5000 Einsätze im Jahr
Die 76 Männer auf der Wache haben auch so genug zu tun: Bei 24 Fahrzeugen gibt es für die Kfz-Mechaniker immer ein Lämpchen auszutauschen, Feuerlöscher zu inspizieren, Masken und Geräte zu reinigen, Schuhe zu reparieren und Kisten zu schreinern. Kommt man denn da noch zum Feuerlöschen? „Das klassische Feuer gibt es kaum noch“, sagt Rudlof. Die meisten der mehr als 5000 Einsätze im Jahr lösen Alarm schlagende Rauchmelder, feststeckende Aufzüge oder ausgelaufenes Benzin aus. „Ein guter Brandschutz erspart das Feuerlöschen“, sagt Rudlof. Stolz weist er auf die 14 000 Brandmelder hin, die auf dem Gelände des Flughafens verteilt sind. Passiert dann dennoch mal etwas Schwerwiegendes mit Salz- oder Schwefelsäure, kommen Reeses grüne Anzüge zum Einsatz.

Die gibt es nur in Einheitsgrößen: 2,10 Meter lang mit Schuhgröße 46. „Wenn‘s schnell gehen muss, kann nicht jeder nach seiner Größe suchen“, sagt Andreas Rudlof. Rennen kann man in den Marsmenschen-Outfits sowieso nicht. „Spätestens, wenn sich dann ein Liter Schweiß in den Schuhen staut, sind zu große Schuhe das kleinste Problem“, ergänzt Werkstattleiter Reese. Unter dem Anzug tragen die Männer Atemschutzgerät, Maske, Helm und Einsatzjacke. Dazu tragen sie oft noch Werkzeug. Ein so ausgestatteter Feuerwehrmann schleppt im Schutzanzug bis zu 35 Kilo mit sich herum. Allein die Atemgeräte wiegen mit der 20-Minuten-Ration 16 Kilo, die große Version bringt es auf satte 22 Kilo. „Damit hält man es dann auch eine Stunde aus“, sagt der 47-jährige Reese. Meist ist ein Einsatz aber nach 20 Minuten beendet. Der Kollege wird dann erst mal gesäubert und dekontaminiert, bevor er aus dem Anzug geschält wird. Dieser wird dann gründlich gewaschen, desinfiziert und anschließend zum Trocknen aufgehängt.
Reese kennt jeden Anzug

Feuerwehrmann und Anzug haben sich dann eine Pause verdient. Reese hat ja noch welche in petto: 120 Masken und 60 Geräte sind jederzeit einsatzbereit. Dass das auch so bleibt, dafür sorgt Henry Reese seit 19 Jahren. Er kennt jeden Anzug, jede Maske in und auswendig.
So weit ist Sebastian Dietl mit den Feuerlöschern noch nicht ganz. Er sieht sie auch nur alle zwei Jahre. „Die Löscher werden regelmäßig kontrolliert“, sagt der 28-Jährige. Die CO2-Löscher werden gewogen, die Pulverlöscher komplett entleert. Dazu wird die Treibgaskartusche entfernt und das Natriumhydrogenkarbonat aus den Behältern gesaugt. Pro Löscher sind das 20 Minuten. Ein kurzes Wiedersehen. Bei einer Kontrolle aller 1400 Feuerlöscher auf dem Flughafen ist Dietl 467 Stunden beschäftigt. Krafttraining inklusive. Die großen Feuerlöscher wiegen befüllt zwölf Kilo.

Der Männerhaushalt der Flughafenfeuerwehr bekommt ab 1. Juni 2011 zum ersten Mal eine Frau. Auch sie wird in die Anzüge schlüpfen müssen. Selbst wenn die Schuhgröße des Marsmenschen-Kostüms vielleicht zehn Nummern zu groß ist.

Esslinger Zeitung

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