Russland: Verwirrung um Brände bei Moskau – Greenpeace düpiert die Behörden
Moskau (Russland): Russland rüstet sich mit veränderten Befehlsketten und neuem technischem Gerät gegen die kommende Waldbrand- und Torffeuer-Saison. Unberechenbar bleibt der Faktor Mensch.
Eine Meldung auf der Internet-Seite von Greenpeace Russland hat die föderale Behörde für Katastrophenschutz aufgeschreckt. Die Umweltschutzorganisation lokalisierte nach eigenen Angaben mehrere Torfbrände in der Umgebung von Moskau und wies warnend darauf hin, dass ohne sofortige Gegenmaßnahmen der russischen Hauptstadt erneut eine giftige Rauchwolke wie im vergangenen Sommer drohe. Eine Sprecherin der Staatsbehörde ließ darauf verlauten, die eingeleitete Suchaktion im Hinblick auf die Feuer sei negativ verlaufen, trotz mehrmaligem Überflug des Gebiets mit Wärmebildkameras. Später hieß es, dass doch ein Brandherd in der Nähe der Kleinstadt Schatura, rund 120 Kilometer östlich von Moskau, entdeckt worden sei.
Strukturelle Probleme
Das Verhalten des Katastrophenschutzministeriums erinnert an die Situation vor bald einem Jahr (2010), als die russischen Behörden mehr reagierten denn agierten und schliesslich bei der Brandbekämpfung auf breiter Front versagten: Mehrere Millionen Hektaren Wald standen in Flammen, ganze Dörfer und Siedlungen wurden zerstört, landesweit kamen Dutzende Personen ums Leben. Nebst den verheerenden Waldbränden machten auch die jährlich auftretenden Torffeuer den Einsatzkräften und der Bevölkerung zu schaffen. Aufgrund ihrer starken Rauchentwicklung versank Moskau während Wochen in einer stinkenden Wolke, dies bei Temperaturen von über 40 Grad Celsius.
Die Gründe für die damalige Feuerkatastrophe lagen nicht nur in einer außergewöhnlichen Dürreperiode. Auch strukturelle Probleme der an den Lösch- und Rettungsarbeiten beteiligten Kräfte (Forstaufsicht, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Armee) standen einer schnellen und koordinierten Reaktion im Wege. Hinzu kamen veraltetes und schlecht gewartetes Gerät und ein eklatanter Personalmangel der chronisch unterfinanzierten Forstbehörden und Feuerwehren.
Dies alles soll auf die bevorstehende Waldbrand-Saison verbessert worden sein. Präsident Dmitri Medwedew strukturierte die Behörden um, ordnete frühzeitig die Flutung der trockengelegten Torfmoore an und rief zur Wachsamkeit auf. Der Chef des Katastrophenschutzministeriums, Sergei Schoigu, hat sich am vergangenen Mittwoch, 4. Mai 2011, zudem werbewirksam die neuesten technischen Errungenschaften zur Brandbekämpfung präsentieren lassen. Auf einem Testgelände bei Moskau simulierten Räum- und Bergungsfahrzeuge, Löschwagen und Helikopter den Einsatz im Ernstfall. Im Anschluss an die Übung sagte der Minister, dass den Feuerwehren landesweit bis Ende Jahr Tausende von modernisierten und neuen Fahrzeugen sowie insgesamt 129 Flugzeuge zur Verfügung gestellt werden würden. Die größte Löschflugzeug-Flotte Europas soll so entstehen.
Menschliches Verschulden
Doch nur mit der Modernisierung und Aufstockung der Einsatzkräfte ist den periodisch wiederkehrenden Wald- und Torfbränden im größten Land der Erde nicht zu begegnen. Bereits wurden in der Russischen Föderation nach offiziellen Angaben vom Freitag, 6. Mai 2011, wieder 344 Feuer registriert. Sorge bereitet die Situation allem im Fernen Osten, wo weite Flächen von Wald und Steppe in Flammen stehen. In Transbaikalien rief der Gouverneur den Notstand aus. Die Hauptursache der meisten Brände geht auf menschliches Verschulden zurück. Dazu zählen etwa das unachtsame Abbrennen von Grasflächen, Brandstiftung oder der fahrlässige Umgang mit brennbaren Utensilien. Aber auch eine gewisse Laissez-faire- und Bringschuld-Mentalität gehören dazu. Der Kommentar der Katastrophenschutzbehörde auf die Meldung von Greenpeace kündet davon. Man sei über das Informationsverhalten der Umweltschutzgruppe überrascht und hätte sofortigen Bericht über die Feuer erwartet.
