Deutschland: Von der Feuerwehr ins Gefängnis
Kreis Bad Kissingen (Deutschland): Über ein Dutzend Mal hatte es im Jahr 2010 um Burkardroth (Kreis Bad Kissingen) gebrannt. Zu Beginn des Jahres 2011 tappte der Brandstifter, ein 22 Jahre alter Feuerwehrmann, in eine Falle der Polizei.
Für seine Taten muss er nun lange im Gefängnis büßen, das Landgericht Schweinfurt verurteilte ihn am Montag, dem 10. Oktober 2011. Seine Motive decken sich mit Erfahrungen von Fachleuten, die untersuchen, weshalb immer wieder Feuerwehrleute zu Brandstiftern werden.
Der geständiger Feuerwehrmann ist wegen Brandstiftung in fünf Fällen (mehr Fälle der Brandserie waren ihm nicht nachzuweisen) zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Mit der Verurteilung zu der sechsjährigen Haftstrafe blieb die Richterin ein halbes Jahr unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß. Die Verteidigung hatte nach Angaben des Gerichtspräsidenten weniger als fünf Jahre verlangt.
Der 23-Jährige hatte zwischen Mai und Oktober 2010 im Landkreis Bad Kissingen mehrere Scheunen, Strohballen, Lagergebäude und landwirtschaftliche Gerätehallen in Brand gesteckt, wie Gerichtspräsident Ernst Wich-Knoten am Montag in Schweinfurt sagte. Die Polizei stellte ihm eine Falle und konnte den Feuerwehrmann und gelernten Fliesenleger im Januar dieses Jahres fassen. Durch dessen Zündelei ist Wich-Knoten zufolge ein Schaden von fast 680.000 Euro entstanden. Menschenleben waren nicht in Gefahr. Der 23-Jährige war Gruppenführer bei der Feuerwehr.
Als Motiv habe er die Kameradschaft innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr und den Adrenalinschub beim Löschen eines Brandes angegeben. »Schlüsselerlebnis war wohl ein Einsatz, bei dem er mit Atemschutz einen Hund aus den Flammen rettete«, sagte Wich-Knoten. Das habe ihn so mit Stolz und Glück erfüllt, dass er seitdem immer wieder diesen Kick suchte.
In einem Gespräch mit dem Main-Echo im Januar dieses Jahres sagte Silvia Darmstädter, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Feuerwehrverbandes: „Den meisten Brandstiftern aus den Reihen der Feuerwehr geht es nicht ums Feuer legen, sondern ums Feuer löschen.“ Psychiatrie-Professor Günther Kolsinski von der Universität Tübingen spricht im „Feuerwehr-Magazin“ von „häufigen Fällen junger Feuerwehrleuten“, die zu Brandstiftern werden, „weil sie sich beweisen, einmal im Leben groß rauskommen und als Held angesehen werden wollen“.
„Vor den lodernden Flammen würde die Frustation in das Gefühl umschlagen, etwas Großes zu erleben“, zitiert das „Feuerwehr-Magazin“ Oberkommissar Harry Jäckel vom Projekt „Brandstifter Informations- und Analysesystem“ (BIAS). Ein krankhaftes Zündeln oder andere psychische Störungen liegen laut Fachleuten eher selten vor, die meisten Täter sind voll schuldfähig.
Ähnlich äußerte sich der Forscher und Kriminologe Frank Dieter Stolt vor wenigen Monaten in einem Fachbeitrag: Die Tätertypen sind „meist junge Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen, die aus einem sozialen Drang (Geltungssucht) heraus handeln“.
